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Foto © Adam Janisch

Karneval in der Philharmonie

BENVENUTO CELLINI
(Hector Berlioz)

Besuch am
31. August 2019
(Einmalige Aufführung)

 

Musikfest Berlin, Philharmonie

In diesem Jahr gedenkt die Musikwelt des 150. Todes­tages von Hector Berlioz. Das Musikfest Berlin macht da keine Ausnahme. Es würdigt den franzö­si­schen Kompo­nisten mit einem program­ma­ti­schen Schwer­punkt, der gleich mit einem Pauken­schlag eröffnet wird.

Denn angereist sind Sir John Eliot Gardiner, das Orchestre Révolu­ti­on­naire et Roman­tique und der Monte­verdi Choir. Im Gepäck: Berlioz‘ Opern­erstling Benvenuto Cellini, mit dem sie sich auf eine kleine Europa­tournee begeben haben und nach der Premiere in La Côte-Saint-André, dem Geburtsort von Berlioz, in der Berliner Philhar­monie Station machen.

Im Mittel­punkt dieser roman­ti­schen, musika­lisch ausufernden Oper steht der titel­ge­bende Renais­sance­bild­hauer und Goldschmied. Histo­risch sehr frei erzählt sie von der Schöpfung seiner berühmten Perseus-Statue und den damit verbun­denen Schwie­rig­keiten. Auch eine Liebes­ro­manze gibt es, dazu viel pitto­reskes Beiwerk, wie der opulente Karneval.

Benvenuto Cellini wurde in modernen Zeiten erst einmal in der Haupt­stadt gespielt. Das war anno 2003 im Rahmen der Berliner Festspiele, als der 200. Geburtstag des franzö­si­schen Kompo­nisten gefeiert wurde. Die Leitung bei dieser konzer­tanten Vorstellung hatte Roger Norrington, wie Gardiner auch aus Großbri­tannien stammend, wo man sich stärker für Berlioz einsetzte als in seiner Heimat. Man denke nur an Colin Davis und seinen bahnbre­chenden Schallplatten-Zyklus.

Foto © Adam Janisch

Nun also Gardiner. Der Dirigent, den man gerne mit Monte­verdi verbindet, ist schon von Beginn seiner musika­li­schen Karriere an beken­nender Berlioz-Fan, wie er im Programm­heft­in­terview erklärt. Und er lässt mittler­weile, als nimmer­müder Forscher nach dem Origi­nal­klang, auch dessen Werke auf histo­ri­schen Instru­menten spielen. Was im Falle von Benvenuto Cellini ein völlig neues Hörerlebnis bedeutet. Denn das Orchestre Révolu­ti­on­naire et Roman­tique, das die Ouvertüre im Stehen spielt, leuchtet in allen erdenk­lichen Farben. Eine ganze Batterie an Schlagwerk trommelt, schellt und schlägt, die Bläser schmettern und blitzen in überwäl­ti­gender Pracht. Wobei die Ophikleide, eine Vorform der Tuba, beson­deren Effekt macht, zumal ihr Spieler Marc Giradot im Karne­valsbild auch noch einen Auftritt mit Esels­ohren hat.

Benvenuto Cellini wird halbsze­nisch gegeben. Außer­or­dentlich geschmackvoll ist die Einrichtung durch Noa Naamat und den Licht­de­signer Rick Fisher: in hohem Maße fanta­sievoll und ästhe­tisch, mit feinem Humor durch­setzt und quick­le­bendig choreo­gra­fiert. Rampen­singen ist hier verpönt, das Ensemble, in stilvolle Renais­sance­kostüme von Sarah Denise Cordery gekleidet, turnt zwischen den Instru­men­ta­listen herum, der Monte­verdi-Choir hat als Volk, Metall­ar­beiter und Mönche jede Menge zu tun, überhaupt wird mit umwer­fender Vitalität agiert.

Das alles geschieht in schönster Überein­stimmung mit den Musizierenden.

Michael Spyres, momentan einer der Besten im Belcanto- mit Ausflügen ins franzö­sische Fach, ist als Cellini womöglich konkur­renzlos. Sein viriler Tenor scheint keine Grenzen zu kennen. Die Spitzentöne sitzen bomben­sicher, die Durch­schlags­kraft lässt auch nach über drei Stunden nicht nach. An ihr mangelt es bisweilen Sophia Burgos, eine ansonsten jugendlich frische, stimmlich liebrei­zende Teresa, die Geliebte Cellinis. Köstliche Charak­ter­studien liefern die Vertreter der tiefen Lage ab: Lionel Lhote ist ein Fiera­mosca mit gut sitzendem Bariton, während Maurizio Muraro als Vater Balducci und Tareq Nazmi als verschla­fener Papst Clemens für die Bassgrun­dierung sorgen.

Bleibt der Monte­verdi Choir, dessen nuanciertes, farbreiches Singen bei steter Klang­fülle und Homoge­nität nur Super­lative des Lobes verdient.

Inmitten dieses Treibens aber steht Sir John Eliot Gardiner wie ein Fels in der Brandung und lenkt die Massen mit nicht nachlas­sender Energie. Er ist Magier und Dompteur zugleich, der dem Ganzen Struktur gibt und dabei noch jedem zärtlichen Detail Beachtung schenkt, ohne den großen Bogen zu verlieren.

Wunderbar ist diese einmalige Aufführung in jeglicher Hinsicht, und sie wird in der ausver­kauften Philhar­monie dementspre­chend bejubelt.

Karin Coper

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