O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Rupert Larl

Lange Wehmut bis zum Ziel

LA DORI
(Pietro Antonio Cesti)

Besuch am
26. August 2019
(Premiere am 24. August 2019)

 

Festwochen Alte Musik Innsbruck, Tiroler Landestheater

Die Festwochen der Alten Musik in Innsbruck widmen sich eingehend den Kompo­nisten des Barocks und früherer Zeiten.  Diese Zeitepoche entspricht der bedeu­tendsten der Innsbrucker Geschichte. Die Habsburger Kaiser hielten sich oft in der Tiroler Landes­haupt­stadt auf. Insbe­sondere Kaiser Maximilian, dessen Tod sich heuer zum 500. Mal jährt, verbrachte viel Zeit in der Stadt und verhalf ihr zu großem Ansehen. Viele Baudenk­mäler in der Stadt erinnern an diese Epoche, und auch in der Musik­ge­schichte nahm die Stadt eine bedeu­tende Rolle ein. Viele Musiker wirkten am Hof oder wurden einge­laden. So auch Pietro Antonio Cesti, neben Francesco Cavalli der führende Komponist der venezia­ni­schen Oper am Übergang der Renais­sance zum Barock, wirkte unter Erzherzog Ferdinand Carl am Innsbrucker Hof.  Die Urauf­führung von La Dori fand 1657 am Innsbrucker Hoftheater statt.  Das einst beliebte Werk geriet in Verges­senheit. Nunmehr bemüht sich Innsbruck um eine Wiederbelebung.

Die Handlung ist gewohnt verzwickt mit Intrigen und Verwick­lungen. Die hinter­legte Liebes­ge­schichte kreist um Treue, Ehever­sprechen und Begehren. Drei Stunden schmachten Oronte und Dori in Wehmut, Zorn und Begehren, bis sie endlich zuein­an­der­kommen dürfen. Eine finale Belehrung driftet das Stück zur Parabel. Vermutlich wurde deshalb das beliebte Werk aus dem 17. Jahrhundert oft als Anlass von Hochzeiten aufgeführt.

Foto © Rupert Larl

Der Stoff der Oper verar­beitet eine antike Geschichte. Der persische König Oronte hält treu an dem Ehever­sprechen gegenüber Dori, Tochter des Königs von Nikäa aus wahrer Liebe fest. Dori ist inzwi­schen nach ihrer Flucht aus Ägypten in wilder Seefahrt, Raub und Verschleppung durch die Gunst ihrer Schwester Arsinoe als Sklave Ali am persi­schen Hof gelandet. Weder Oronte noch Arsinoe erkennen die wahre Identität hinter der Verkleidung. Arsinoe ist nach dem Verschwinden von Dori Oronte versprochen worden, die Hochzeit wird aber vom König nicht ausge­führt. Inständig sehnt sich Oronte nach seiner Geliebten und am Ende löst sich rasch alle Verkleidung und Hader auf. So weit die Handlung im Kern. Viele Personen wirken und mischen weiters am Hof mit und ziehen ihre Intrigen, sodass der Abend seine Längen bis zur Lösung bekommt.

Einfach kompo­nierte Rezitative, von verschie­denen Instru­menten begleitet, bestimmen die Musik.  Die Arien stehen noch ebenmäßig daneben, der artis­tische solis­tische Ansatz des Barocks tritt nur selten hervor. Auf die emotionale Ausdrucks­kraft wird aber geachtet. Um die zeigt sich Francesca Ascioti als Dori sehr bemüht. Die Altistin bringt mit ihrer klaren, dunkel angefärbten Stimme Trans­parenz im Klang und der Melodie­führung. Ihr schick­sal­haftes Leid lässt sie blühen, formt elegant Wehklage, ohne zu forcieren. Fein hebt sich die Stimme auch von Francesca Lombardi Mazzulli als Arsinoe ab. Ihr Sopran liegt schön in der Mittellage, wohldo­siert für Rezitativ, die Höhen streift sie in den Läufen und drückt in Tonsprüngen. Der Counter­tenor Rupert Enticknap badet hörbar in seinem Leid und männlicher Verletz­lichkeit. Sein Oronte lässt den Counter die Farben seiner ausge­fal­lenen Stimmlage zur Geltung bringen. Für Dramatik zeigt er wenig Kraftreserven.

Foto © Rupert Larl

Federico Sacchi setzt mit seiner Bassstimme als Artaxerse kraft­volle Akzente. Dramatik erzeugt Emoke Barath in der komplexen Hosen­rolle des Tolomeo, der sich als Celinda verkleidet am persi­schen Hof einschleicht. Kraftvoll expressiv versteht sie mit ihrem Sopran auf sich aufmerksam zu machen. Präsenz gewinnt Alberto Allegrezza in der Rolle der Dirce. Mit seinem sonoren Tenor gibt er der alten, immer noch lüsternen Amme kokette humoris­tische Züge. Als Tragi­ko­mödie wollte auch Cesti sein Werk verstanden wissen. Den Anspruch versucht Stefano Vizioli in seiner Regie umzusetzen. Einfach barock anmutend ist das Bühnenbild von Emanuele Sinisi, das sich mit geschickter Ausleuchtung und ein paar Details in verschie­denstes Ambiente versetzen lässt.  Die Kostüme von Anna Maria Heinrich entsprechen der Entste­hungszeit des Werkes. So liegt viel Aussa­ge­kraft in der Perso­nen­regie, die schwungvoll ohne Übertreibung die Handlung vorantreibt.

Ottavio Dantone sitzt am Cembalo und leitet die Accademia Bizantina als Klang­körper verhalten. Zu wenig verleiht er den Orches­ter­zwi­schen­spielen als auch den groß angelegten Gesangs­pas­sagen instru­mentale Klang­farben und epische Breite. Diszi­pli­niert begleitet er am Cembalo in den mannig­fal­tigen Rezita­tiven und folgt in den Einsätzen den Sängern. Kammer­mu­si­ka­lisch bleibt das Orchester im Hörerlebnis auf Originalinstrumenten.

Viel Applaus vom Publikum.

Helmut Pitsch

Teilen Sie O-Ton mit anderen: