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Foto © Kay Michalak

Bremens Mozart-Vergnügen

COSÌ FAN TUTTE
(Wolfgang Amadeus Mozart)

Besuch am
3. September 2019
(Einmalige Aufführung)

 

Musikfest Bremen, Die Glocke, Großer Saal

Das festliche Präludium findet als privates Kammer­spiel statt. Im Konzerthaus Die Glocke wird Teodor Currentzis der undotierte Musikfest-Preis Bremen 2019 verliehen. Die Jury würdigt damit den Einsatz des Dirigenten, der seit 2015 mit dem Musikfest Bremen verbunden ist. Während dieser kleine Festakt nicht öffentlich begangen wird, finden sich einen Tag später vor dem Konzerthaus leer ausge­gangene Opern­freunde ein, die sich eine last-minute-Eintritts­karte für Così fan tutte erhoffen. Seitdem Currentzis mit seinem Ensemble MusicAe­terna im Jahr 2014 ihre CD-Einspielung veröf­fent­licht haben, hat sie Referenz­cha­rakter. Auch live bestätigt sich der Eindruck, dass der junge Dirigent, der ganz unkon­ven­tionell in Skinny Jeans und Boots mit roten Schnür­senkeln das Podium betritt, einen ganz spezi­ellen Zugang zur Musik Mozarts gefunden hat, die das vielschichtige Libretto von Lorenzo da Ponte perfekt vertont.

Aller­dings wirkt ein Podium für den Maestro wie ein Käfig, den er immer wieder verlässt, um mit Musikern und Sängern zu kommu­ni­zieren. Und wehe, er empfindet sich als ignoriert. Dann können seine Gesten richtig zickig werden. In ihm steckt schon das Gen einer Diva. Man kann ihn auch ab und an dabei beobachten, wie er mit einem Blick über die Schulter sein Publikum abschätzt. Aber zurück zur Musik. Man merkt es ihm in jeder Geste, in jedem Blick an. Dieser Mensch möchte versuchen, jeden Takt, jede Achtel perfekt umzusetzen. Mit jeder Minute, die verstreicht, weiß man gar nicht, wer das größere Lob verdient hat. Der Dirigent, der diese wirklich sprudelnde wie tiefgängige Inter­pre­tation initiiert, oder besser doch die Musiker, die unter seiner Leitung drei Stunden hochkon­zen­triert, teilweise stehend, vital mitgehend ein Meisterwerk nicht einfach nur spielen, sondern leben. Allein die Kunst­fer­tigkeit, mit der Maria Shabashova am Hammer­klavier und das Orchester sich die Übergänge der Rezitative hin und her schieben, zeigt eine musika­lische Perfektion, die man fast überhört, weil sie eben so wunderbar einfach klingt. Alle Verzie­rungen, jeder Akzent ist akribisch einstu­diert und wird dementspre­chend auch eingefordert.

Thomas Albert (Intendant Musikfest Bremen), Teodor Currentzis (Musikfest-Preis), Diamanda La Berge Dramm (Förder­preis DLF), Christoph Schmitz (DLF), v.l.n.r. – Foto © Nikolai Wolff

Das gilt natürlich auch für die Sänger­riege. Auch hier hat Currentzis spezielle Vorstel­lungen, wie eine Phrase, eine Verzierung, ein Takt zu klingen hat. Er scheint aber dabei außer Acht zu lassen, dass eine Stimme auch immer einer gewissen Tages­ver­fassung unter­liegt und – noch wichtiger – dass durch die Vorgaben des Dirigenten der indivi­duelle Charakter einer Stimme stellen­weise gar nicht zur Geltung kommt bezie­hungs­weise gar nicht zu ihr passt. Bei der Aufführung wird das besonders deutlich an Nadezhda Pavlova in der Rolle der Fiordiligi, die sich in den ersten zwanzig Minuten ihrer Partie unsicher damit beschäftigt, diesen leicht kopfigen, schwe­benden Klang zu finden, wie ihn Simone Kermes auf der CD demons­triert hat. Kaum lässt Currentzis dann den wunderbar tragfä­higen Sopran der Pavlova endlich bei Come scoglio von der Leine, demons­triert sie nicht nur, über welch jugendlich-drama­ti­sches und agiles Material sie verfügt, sondern liefert eine furiose Symbiose mit dem Orchester ab, die das Publikum spontan mit frene­ti­schem Applaus quittiert.

Bestens auf Currentzis abgestimmt und seit 2014 dabei sind Konstantin Wolf als Don Alfonso und Anna Kasyan als Despina. Wolf bleibt als aufklä­render Philosoph aalglatt und in sich ruhend, verpackt seine Phrasen in emoti­ons­losen, gelas­senen Gesang. Das pure Gegenteil ist Kasyan, die ihren Sopran wie einen Wirbelwind einsetzt, um den Charakter der gewitzten Kammerzofe wider­zu­spiegeln. Nina Vorobyova hat eine szenische Einrichtung vorge­nommen, damit die Sänger ein bisschen Bühne vortäu­schen können, was natürlich auch zur Inter­pre­tation des Orchesters passt. Dementspre­chend dürfen sich die Offiziere Ferrando und Guglielmo, um die Treue ihrer Verlobten zu prüfen, auch verkleiden. Mit Bärten und Perücken legen Mingjie Lei und Konstantin Suchkov einen unglaublich komischen Auftritt hin. Suchkov führt dabei ein richtiges Pfund eines testo­ste­ron­reichen Baritons mit sich. Mingjie Lei bringt mit seinem butter­weich und schwebend vorge­tra­genen Un aura amorosa die Herzen der Zuhörer zum Schmelzen. Dieser Tenor ist für Mozart bestens geeignet. Paula Murrihy verfügt über den passend sinnlichen Mezzo­sopran für die Dorabella und ist technisch dabei so versiert, dass sie die Vorgaben des Dirigenten umsetzen kann, ohne dass die Stimme ins flache Fahrwasser gerät.

In dieser tempo­reichen Aufführung wird ein bisschen mehr das lustige Element einer bitter­süßen Bezie­hungs­analyse betont, aber das ist nicht weiter schlimm. Denn beim Bremer Publikum kommt der lange Opern­abend sehr gut an. Man kann viele Reaktionen auf den Text und die musika­li­schen Pointen mitbe­kommen. Ein langer, lauter Applaus beendet das Vergnügen.

Rebecca Hoffmann

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