O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
KATJA UND DER TEUFEL
(Antonín Dvořák)
Besuch am
28. September 2019
(Premiere am 25. Mai 2019)
Dessau ist für Kulturinteressierte derzeit ein Muss. Denn Anfang September eröffnete das neue Bauhausmuseum, und der Andrang ist so groß, dass man zumindest am Wochenende nur mit Vorbuchung ein Ticket erwerben kann.
So viel Zuspruch hat das Anhaltische Theater Dessau bei der Wiederaufnahme von Antonín Dvořáks Katja und der Teufel nicht. Was schade ist, denn diese 1899 uraufgeführte Oper, die in Tschechien zum Repertoire gehört, ist auf deutschen Bühnen eine ausgesprochene Seltenheit – ganz im Gegensatz zu der ein Jahr später entstandenen Rusalka, dem Meisterwerk des tschechischen Komponisten.
Katja und der Teufel basiert – wie Rusalka – auf einem Volksmärchen, nur ist das Sujet durch und durch komödiantisch. Katja, das Mauerblümchen des Dorfes, wird bei der Kirmes von einem fremden Jäger zum Tanzen aufgefordert. Der entpuppt sich als Teufel Marbuel und überredet sie, mit ihm zu gehen. Dass sein Zuhause die Hölle ist, merkt Katja zu spät, woraufhin sie ihn und seine Gehilfen so drangsaliert, dass man sie schnell loswerden möchte. Das schafft erst der Schäfer Jirka, der ihr gefolgt ist. Er befördert Katja auf die Erde zurück, stellt aber die Bedingung, dass die von der Bevölkerung verhasste Fürstin in die Unterwelt fahren soll. In einem doppelten Spiel bringt er diese dazu, den Frondienst abzuschaffen, überlistet dann die Teufel und bekommt als Lohn einen Ministerposten. Katja erhält eine üppige Aussteuer, so dass sie sich selbst einen Bräutigam wählen kann.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
In den fast ganz in Gelb gehaltenen funktionalen Bühnenräumen von Markus Meyer inszeniert Jakob Peters-Messer die Oper als das, was sie ist: ein Märchen mit einer Prise augenzwinkernder Gesellschaftskritik und zugleich eine Typenkomödie mit feinen Humorspitzen. Dazu passend hat Sven Bindseil die Dörfler in folkloristische Trachten eingekleidet, die Teufel tragen rosafarbene Anzüge. Der Regisseur erzählt die Geschichte klar ohne aufdringliche Aktualisierung nach und garniert sie mit hübschen Details. So fängt Katja plötzlich an zu schwitzen, als sie mit dem Teufel tanzt. Dessen Kollegen müssen in der Hölle im Akkord die eingehenden Seelen registrieren: Bürokratie gibt es auch dort. Bedauerlich nur, dass Nigel Watson für das Höllenballett nicht mehr eingefallen ist als eine bieder-frivole Choreografie.

Die Oper wird in Dessau in Originalsprache gegeben – eine Aufgabe, die der von Sebastian Kennerknecht einstudierte Chor genauso respektabel bewältigt wie die Solisten. Fast alle Rollen sind aus dem Ensemble besetzt, nur als Jirka gastiert der tschechische Tenor Richard Samek, der die lange Partie glänzend und ohne Ermüdungserscheinungen bewältigt. Iordanka Derilova ist eine hochdramatische Fürstin, die, obwohl sie erst im dritten Akt auftritt, ihre große Szene zu einem Höhepunkt macht. Ulf Paulsen gibt einen verschmitzt-charmanten Teufel, könnte nur stimmlich etwas mehr auftrumpfen. In dieser Hinsicht ist ihm Luzifer, den Don Lee mit prächtigem Bass ausstattet, überlegen. Die darstellerische Krone aber gebührt der in Mimik und Gestik urkomischen, stimmlich famosen Rita Kapfhammer. Ihre Katja ist nicht nur zänkisch oder nervend, sondern eine junge Frau mit liebenswerten und empfindsamen Zügen.
Dvořáks durchkomponierte Partitur besitzt kaum einprägsame Melodien. Ihr Reiz liegt in dem dichten orchestralen Gewebe, das mit folkloristischen Motiven und Tänzen durchsetzt ist. Unter Elisa Gogous Stabführung klingt die Anhaltische Philharmonie anfangs recht kompakt, doch spielt sie sich im Verlauf mehr und mehr frei und trumpft dann in den rhythmisch-pulsierenden Tanzmusiken auf.
Langer Applaus für eine geglückte Opernentdeckung. Nun muss nur noch der Besucherstrom der Bauhaustouristen auch ins Theater gelenkt werden.
Karin Coper