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Foto © Juliane Menzel

Gurkenschnittchen gefällig?

MEIN FREUND BUNBURY
(Gert Natschinski)

Besuch am
5. Oktober 2019
(Premiere am 4. Oktober 2019)

 

Theater Brandenburg

Lange Zeit dümpelte das Theater Brandenburg vor sich hin. Geldsorgen und struk­tu­relle Probleme beein­flussten den meist aus Gastver­an­stal­tungen bestehenden Spielplan. Seit dieser Saison weht frischer Wind durch das hübsch an der Havel gelegene Haus, das 2017 seinen 200. Geburtstag feiern konnte. Es gibt eine neue Leitung und eine Finan­zierung, die eine solide Planung ermög­licht. Mit 14 Premieren in allen Sparten hat sich Intendant Frank Martin Widmaier eine Menge vorgenommen.

Die erste Musik­thea­ter­pre­miere ist vielver­spre­chend. Gespielt wird Mein Freund Bunbury von Gerd Natsch­inski, eines der ersten und erfolg­reichsten Musicals der DDR, das 1964 im Berliner Metro­pol­theater urauf­ge­führt wurde. Von der ehema­ligen Tradi­ti­ons­bühne stammt auch ein Teil der Besetzung, dazu wurde mit Dagmar Frederic ein Urgestein der ostdeut­schen Schla­ger­szene engagiert.

Der Freund Bunbury, der auf Oscar Wildes Komödie The Importance of Being Earnest zurückgeht, existiert in Wirklichkeit nicht, sondern ist eine Erfindung von zwei amüsier­freu­digen Männern, die den Namen als Pseudonym bei ihren nächt­lichen Streif­zügen benutzen. Was zu vielen Verwir­rungen führt, da auch die anderen Betei­ligten nicht immer das sind, was sie scheinen. Bürger­liche sind eigentlich adlig, Arme reich und als Clou stellt sich heraus, dass der Butler, der als Running Gag bei jeder Gelegenheit tradi­tio­nelle Gurken­schnittchen serviert, tatsächlich Bunbury ist.

Foto © Juliane Menzel

Frank Martin Widmaier, der zusammen mit Patricia Walczak auch die Ausstattung übernommen hat, insze­niert das Musical ganz konven­tionell und ohne großen szeni­schen Aufwand. Ein paar Video­ein­blen­dungen auf der Rückwand, einige Möbel und eine kleine Showtreppe definieren die Handlungsorte, die Kostüme bilden stilsicher die 1920-er Jahre ab. Die Sprech­texte sind zwar ein bisschen altbacken, doch sobald es ans Tanzen und Singen geht, funktio­niert die Show prächtig. Die von Marie-Christin Zeisset choreo­gra­fierten Ballett­szenen, eine Abfolge von Tango, Black-Bottom und Charleston, haben Drive und Schwung und Natsch­inskis sofort ins Ohr gehende Musik­nummern werden von den Branden­burger Sympho­nikern unter der Leitung von Hannes Ferrand so schmissig wie lässig serviert.

Das Ensemble erobert mit ganzem Einsatz die Bühne. Die tolle Step-Nummer, die Robin Poell hinlegt, der Fatima-Song, aus dem Désirée Brodka einen virtuosen Show-Akt macht, der zackige Hochstapler-Tango von Alexander Kerbst und die mitrei­ßende Tanzszene Picca­dilly von Verena Barth-Jurca sind einige Höhepunkte des launigen Abends. Nicht zu vergessen der Krimi-Chanson von Dagmar Frederic, in dem sie ihre Quali­täten als Diseuse offenbart.

Doch es sind nicht nur die Profis, die überzeugen. Das Konzept von Widmaier, die Branden­burger mehr ins Theater einzu­binden, geht auf. Der aus Musik­in­ter­es­sierten zusam­men­ge­stellte, von Karsten Drewing vortrefflich vorbe­reitete Chor und die Susi-Miller-Girls genannte Revue­truppe, die in örtlichen Tanzschulen ausge­sucht wurde, machen ihre Sache prima und haben offen­sichtlich Spaß daran.

Viel Begeis­terung nach der zweiten, sehr gut besuchten Aufführung. Ein bisschen Ostalgie mag dabei sein, aber selbst wenn. Mein Freund Bunbury macht entschieden Appetit auf weitere Erfolgs­stücke des musika­li­schen Unter­hal­tungs­theaters der ehema­ligen DDR. In Frisco ist der Teufel los von Guido Masanetz, Karam­bolage von Conny Odd und andere mehr, sie haben eine Neube­wertung verdient.

Karin Coper

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