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Jan Philip Keller, Michèle Connah, Kristof Stößel und Sabine Reinhardt - Foto © O-Ton

Hier fühlt man sich zuhause

EIN MANN MEHR IST NOCH ZU WENIG
(Florian Battermann)

Besuch am
24. Oktober 2019
(Premiere am 18. Oktober 2019)

 

Stößels Komödie, Wuppertal

Manchmal möchte man es gar nicht mehr so recht glauben, dass Stößels Komödie in Wuppertal bis heute um ihren Erhalt kämpfen muss. Wer das Haus für sich entdeckt hat, kommt immer wieder. Die Zuschauer-Reihen sind selbst inmitten der Woche gut besucht – gut, ganz hinten sind noch ein paar Plätze frei. Aber wenn man da so in andere Häuser unter der Woche schaut … Klar, selbst Opern­häuser können mit den Eintritts­geldern ihre Kosten nicht decken, wie erst recht sollte es da privaten Theatern ergehen? Unver­drossen aber geht Stößel seinen Weg. Und steht mittler­weile kurz davor, den berühmten Verein der Freunde und Förderer zu gründen, ohne den es gleich­falls an besagten Opern­häusern nicht mehr zu gehen scheint. Wer sich in das plüschige Wohlgefühl des Zuschau­er­raums am Karls­platz in Wuppertal begibt, bemerkt von all dem nichts. Martin Jansen steht gewohnt freundlich am Einlass, ehe er seiner eigent­lichen Aufgabe als Techni­scher Leiter nachgeht. Der fröhliche Empfang, vielleicht nach einem Aufenthalt in der vorge­la­gerten Gastro­nomie, im Hinter­grund einge­spielte Musik lassen alle Sorgen des Alltags vergessen – und schon bald darf sich das Publikum auf die nächste Komödie freuen.

Man muss das Genre der Boulevard-Komödie nicht mögen, um sich hierher zu verirren. Aber an diesem Ort kann man es für eine unbeschwerte Zeit lieben lernen. Hier gibt es nur den einen Anspruch: Spaß zu haben. Längst hat sich ein Stamm­pu­blikum einge­stellt, das begeistert von Schen­kel­klopfer zu Schen­kel­klopfer eilt, jede Zote applau­diert und am Ende das Ensemble feiert. Die neueste Produktion, die am 18. Oktober Premiere feierte und noch bis zum 1. Dezember zu erleben ist, stammt von Florian Battermann. Der Bobby in Ein Mann mehr ist noch zu wenig gehört zu den Parade­rollen von Kristof Stößel, der die Komödie Wuppertal trotz aller Widrig­keiten stetig voran­treibt. Über 120 Mal hat er diese Rolle bereits am Neuen Theater in Hannover gespielt. Jetzt kommt der Spaß also in Wuppertal auf die Bühne. Das Tableau ist gewohnt. Viele Türen im Hinter­grund, vorne links Sofa und Sessel, rechts hinten ein Tisch mit Stehsesseln. Beleuchtet wird die Szene mit wenigen Effekten. Zwischen den Szenen­wechseln gibt es Schwarz­licht, nach der Pause sorgt eine dunklere Phase für Abwechslung. Die Kostüme sind der Handlung angepasst und verweisen auf eine Wohnge­mein­schaft in der Gegenwart.

Die Handlung ist geschickt angelegt. Ausgangs­punkt ist die Wohnge­mein­schaft von Zugbe­glei­terin Carmen und dem schwulen Bademeister Bobby, der noch auf sein Coming-out wartet. Carmen hat Geburtstag, freies Wochenende und drei Liebhaber, die natürlich nicht vonein­ander wissen dürfen. Für das Wochenende hat sich ihre Freundin Simone angesagt, die den Trennungs­schmerz vom Ehemann überwinden möchte. Klar, dass einer der drei Liebhaber sich in sie verlieben wird, der zweite das Coming-out von Bobby unter­stützen und der dritte für Carmen ebenfalls ausfallen wird. Man erwartet an diesem Ort keinen Tiefgang, sondern Späße am laufenden Band. Und etwas derber wie zweideu­tiger darf es auch schon mal zugehen.

Michèle Connah und Dirk Stasi­kowski – Foto © O‑Ton

Dank Stößels Regie gibt es auch genügend Bewegung auf der Bühne. Und das Niveau bleibt mit Hilfe hervor­ra­gender Schau­spieler auf erträg­lichem Maß. Im Laufe der Aufführung kommt man immer mehr zu der Gewissheit, dass das Publikum ohnehin nur wegen des Ensembles gekommen ist. Die Leute auf der Bühne könnten Zahlen des statis­ti­schen Bundesamts vortragen und würden dafür noch bejubelt. Zu Recht. Trotz der übermäch­tigen Bühnen­präsenz Stößels – der die Tuntigkeit Bobbys gerade so weit zeigt, dass sie lustig ist und nicht lächerlich wird – zeigt sich ihm Michèle Connah als Carmen mindestens ebenbürtig. Ihre Mimik ist großartig, da sitzt jeder Muskelzug. Quirlig ist sie auf der Bühne unterwegs und strahlt dabei natür­liche Erotik aus, der man sofort abnimmt, dass diese Frau ohne Schwie­rig­keiten beliebig viele Liebhaber gleich­zeitig haben kann. Ihre Souve­rä­nität ist es auch, die dafür sorgt, dass das Stück funktio­niert. Benjamin Krüger gibt den dänischen Käse-Vertreter Mads Sörensen mit einigen Überdreht­heiten, die ihm aber auf den Leib geschrieben sind und damit tatsächlich für viel Vergnügen sorgen. Sabine Reinhardt als Simone und er geben ein glaub­haftes Paar ab, dem man die Entwicklung gerne abnimmt. Wenn Dirk Stasi­kowski sich als italie­ni­scher Lover Lino Tozzi geriert, gelingt ihm viel Italianità. Und so kann er auch ganz abgedro­schene Gags noch einmal so zum Leben erwecken, dass das Publikum herzhaft lacht. Ein wenig farbloser wirkt Jan Philip Keller als Sport­geräte-Verkäufer Jordan Coleman, was weniger an Keller, sondern mehr am Buch und der zurück­ge­nom­menen Perso­nen­führung liegen mag. Annähernd zwei kurzweilige Stunden lang stürmt das einge­schworene Ensemble die Bühne und sorgt für inten­siven Szenen­ap­plaus. Wenige Versprecher werden sogleich in den Text einge­flochten, und man muss schon sehr genau hinhören, um sie überhaupt zu bemerken.

Boule­vard­ty­pisch endet das Stück mit einer überra­schenden und durchaus weit herge­holten Wendung. Aber zu diesem Zeitpunkt ist das Publikum bereits derart albern aufgelegt, dass es sich darum gar nicht mehr kümmert. Tosender Beifall für eine gelungene Regie und ein Ensemble, das aus sich heraus für einen ungetrübten Spaß sorgt. „Dagegen ist Mario Barth langweilig“, ist in der Pause zu hören gewesen. Das möchte man nach dem fulmi­nanten Spaß-Taumel gerne glauben.

Michael S. Zerban

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