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Wenn der Berg zurückruft

DER GLETSCHER
(Christian Klinkenberg)

Besuch am
25. Oktober 2019
(Urauf­führung)

 

Kultur­zentrum Alter Schlachthof, Eupen

Seit dem Erfolg seiner ersten Oper Das Kreuz der Verlobten vor zwei Jahren sind Selbst­be­wusstsein, Experi­men­tier­freude und Erfah­rungs­schatz des Eupener Kompo­nisten Christian Klinkenberg mächtig angewachsen. Mit seinem zweiten Versuch, Der Gletscher, der jetzt im Eupener Kultur­zentrum Alter Schlachthof mit großer Zustimmung des Premie­ren­pu­blikums urauf­ge­führt wurde, präsen­tierte Klinkenberg eine musika­lisch verfei­nerte Klang­folie und ein Opern­format, in dem die angestrebte Verzahnung diverser multi­me­dialer Elemente reibungslos gelingt.

Oper 2.0 nennt Klinkenberg das Format. Gemeint ist damit mehr als nur der kombi­nierte Einsatz von Musik, Bild, Text, Darstellung und Video­künsten. Wenn etwa der grafisch fixierte Notentext von einem bildenden Künstler wie Marc Kirschvink zu kunst­vollen Bildern ausge­schmückt und auf die Kulisse proji­ziert wird, verzahnen sich Partitur und szeni­sches Geschehen auf einer höheren Ebene. Und wenn der Darsteller einer Haupt­rolle nicht live, sondern ausschließlich per Video­ein­blendung auftritt, leistet der von Ludwig Kuckartz reali­sierte Video-Einsatz mehr als nur visuelle Hilfsdienste.

Grafische Notationen erlauben den Musikern größere Freiheiten als tradi­tio­nelle Praktiken. Freiheiten, die das von Bart Bouckaert geleitete, zwölf­köpfige Ensemble unter dem inspi­rie­renden Einfluss der Bilder möglichst kreativ ausfüllen sollen. Dafür hat Klinkenberg elf Genre-erfahrene Musiker aus ganz Europa und Amerika um sich versammelt, die sich mit Klinken­bergs ästhe­ti­schem Stecken­pferd, der Mikro­to­na­lität, bestens auskennen. Die geradezu mikro­sko­pische Zersplit­terung einer Oktave in weit mehr als die üblichen zwölf Halbtöne erfordert entspre­chende Spezia­listen und führt zu einem besonders filigranen, oft irrlich­ternd flackernden Klangbild, mit dem sich durch elektro­nische Verfrem­dungen und einen bis in Swing- und Rockbe­reiche reichenden Stilmix Stimmungen aller Art herstellen lassen.

Foto © Peter Ortmann

Und an unter­schied­lichen Stimmungen mangelt es Nicole Erbes Libretto und Insze­nierung nicht. Weitaus handlungs­ärmer als ihre erste gemeinsame Arbeit mit Klinkenberg entpuppt sich Der Gletscher als ein 80-minütiger, erwei­terter innerer Monolog des Bergfreundes Max, der seinen Bruder Gabriel während einer Gebirgstour verliert. Der Tod des Bruders lässt ihn nicht los, so dass er 30 Jahre später zu der tödlichen Gletscher­spalte zurück­kehrt, um seinen inneren Frieden zu finden. Der Versuch, den Leichnam zu bergen, wird von einem Berggeist durch­kreuzt, dessen Funktion nicht ganz klar wird. Der nicht ungefähr­liche Berggeist zieht sich zurück, Max wird mit seinen zerris­senen Gefühlen allein gelassen, das Ende bleibt offen.

Die inneren Spannungen, mit denen Max zu kämpfen hat, inspi­rieren Klinkenberg zu den besten Teilen seiner farbigen und abwechs­lungs­reichen Musik. Gesänge, die nicht einmal vor senti­men­talen Einschüssen haltmachen und die der Bariton Jean Bermes mit vollem Stimm- und Körper­einsatz zum Ausdruck bringt.

Bermes verleiht auch seinem verun­glückten Bruder Gabriel Stimme und Gesicht, wenn auch nur per vorpro­du­zierter Video­ein­blendung. Die stumme, etwas diffuse Rolle des Berggeists füllt Ilan Daneels mit seiner beein­dru­ckenden Körper­sprache geschmeidig und nachdrücklich aus.

Das alles insze­niert Nicole Erbe unter Mitarbeit von Louisa Leurs mit ruhiger, inspi­rierter Hand vor einer schlichten Gebirgs­ku­lisse, die zugleich als Projek­ti­ons­fläche für diverse Video­ein­blen­dungen dient. Mit großer Detail­ge­nau­igkeit stellt sie das innere Drama des überle­benden Bruders in den Fokus der Aufführung.

Rundum ein deutlicher Fortschritt Christian Klinken­bergs auf dem Weg zu einem neuen Opern­format. Das Publikum im vollbe­setzten Alten Schlachthaus reagiert entspre­chend begeistert.

Pedro Obiera

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