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Foto © Thomas Jauk

Lohengrin im Unterhemd

NEVERLAND
(Francesco Damiani, Richard Wagner)

Besuch am
26. Oktober 2019
(Urauf­führung)

 

Junge Oper Dortmund

Um die Oper, die immer wieder totge­sagte und dennoch quick­le­bendige Königs­dis­ziplin des Musik­theaters, an Kinder und junge Leute heran­zu­tragen, experi­men­tieren unsere Theater mit vielfäl­tigen Modellen und Formaten. Meist mit drastisch reduziertem Aufwand, wie auch der Versuch der Dortmunder Oper, „junge Leute ab 12“ für Wagners Lohengrin zu erwärmen. Mit fragwür­digen Resul­taten. Bereits der an Michael Jackson angelehnte Titel des von Francesco Damiani und Regisseur Alvaro Schoeck arran­gierten Werks, Neverland, weckt falsche Erwartungen.

Und gerade eine große, von Magie und Opulenz gesteuerte Oper wie den Lohengrin auf eine Liebes­ge­schichte im Sparformat zu reduzieren, verspielt die Chance, junge Leute mit den sinnlichen Reizen des Genres und des Werks zu überzeugen, die die ungebro­chene Popula­rität der Oper begründen. Gerade für junge Leute sollte man, was Aufwand, Dekoration und Bühnen­zauber angeht, klotzen und nicht kleckern.

Foto © Thomas Jauk

In Dortmund sorgen jeweils vier in der Premiere alles andere als sicher wirkende Streicher und Bläser für eine dünne Klang­ku­lisse. Die Darsteller agieren auf der ohnehin kleinen Spiel­fläche der Jungen Oper, die zur Hälfte von den tiefer gelegten Strei­chern belegt wird. Dass in diesem „Orches­ter­graben“ auch noch szenisch gespielt wird, erschwert die ohnehin proble­ma­ti­schen Sicht­ver­hält­nisse zusätzlich. Da die Bühne an zwei Seiten vom Publikum flankiert wird, erübrigen sich Bühnen­bilder. Man begnügt sich mit wenigen Requi­siten, wobei der Schwan wenigstens als Dekoration einer Sitzbank dienen darf. Die Magie, die von Lohen­grins Auftritt mit dem von dem Schwan gezogenen Nachen ausgeht, bleibt aus, wie das Autorenteam überhaupt alle übersinn­lichen, aber auch alle politi­schen Aspekte des Werks elimi­niert, um den Inhalt auf eine logisch banale Liebes- und Alltags­ge­schichte zurecht­zu­stutzen. Mit dem Ergebnis, dass Lohengrin im ersten Akt als kahlköp­figer, bebrillter alter Mann im Unterhemd nicht gerade das verkörpern darf, was man von einem aus „Glanz und Wonne“ stammenden Helden erwartet. Elsa als moderne Frau möchte sich nicht mit dem Frage­verbot Lohen­grins nach dessen Identität abfinden, wobei sie sich von Ortrud unter­stützen lässt, ihrem Wissens­drang in der Braut­nacht nachzu­geben. Wieso die verbotene Frage dann zur Katastrophe führt, bleibt in der Dortmunder Fassung ungeklärt, wie der Szenenmix ohnehin mehr Fragen aufwirft als löst. Angesichts des in den Fokus gestellten Themas ist etwa die an sich spannende Ausein­an­der­setzung zwischen Friedrich und Ortrud wenig aussa­ge­kräftig und sogar die Grals-Erzählung macht wenig Sinn, wenn die Rolle des Grals weitgehend ausge­blendet bleibt. Hier schrammen, wie so oft auch bei Insze­nie­rungen des kompletten Werks, szenische Inten­tionen und Libretto immer wieder anein­ander vorbei. Für Opern­ein­steiger sicher keine große Verständ­nis­hilfe, zumal die Textver­ständ­lichkeit wie üblich bescheiden ausfällt.

Was nicht die Leistungen der vier ambitio­nierten Solisten schmälern soll: Frank  Stein­bacher in der Titel­rolle mit seinem angenehm lyrischen Tenor, Irina Simmes als selbst­be­wusste, stimmlich entspre­chend markant auftrump­fende Elsa, Hyona Kim, die die emotio­nalen Ausbrüche der Ortrud sicher bewältigt und Mandla Mndebele als Friedrich mit seinem sonoren Bariton, dessen Funktion in der Dortmunder Version jedoch nicht richtig klar wird.

Satomi Nishi leitet die acht Instru­men­ta­listen durch den virtuos aus der origi­nalen Musik zusam­men­ge­setzten Flicken­teppich, wobei ein paar Zusatz­proben sinnvoll wären.

Junge Besucher der angespro­chenen Zielgruppe gab es in der Premiere noch nicht zu sehen. Viel Beifall für ein Modell des Jugend­theaters, das viele Fragen offen lässt.

Pedro Obiera

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