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NEVERLAND
(Francesco Damiani, Richard Wagner)
Besuch am
26. Oktober 2019
(Uraufführung)
Um die Oper, die immer wieder totgesagte und dennoch quicklebendige Königsdisziplin des Musiktheaters, an Kinder und junge Leute heranzutragen, experimentieren unsere Theater mit vielfältigen Modellen und Formaten. Meist mit drastisch reduziertem Aufwand, wie auch der Versuch der Dortmunder Oper, „junge Leute ab 12“ für Wagners Lohengrin zu erwärmen. Mit fragwürdigen Resultaten. Bereits der an Michael Jackson angelehnte Titel des von Francesco Damiani und Regisseur Alvaro Schoeck arrangierten Werks, Neverland, weckt falsche Erwartungen.
Und gerade eine große, von Magie und Opulenz gesteuerte Oper wie den Lohengrin auf eine Liebesgeschichte im Sparformat zu reduzieren, verspielt die Chance, junge Leute mit den sinnlichen Reizen des Genres und des Werks zu überzeugen, die die ungebrochene Popularität der Oper begründen. Gerade für junge Leute sollte man, was Aufwand, Dekoration und Bühnenzauber angeht, klotzen und nicht kleckern.

In Dortmund sorgen jeweils vier in der Premiere alles andere als sicher wirkende Streicher und Bläser für eine dünne Klangkulisse. Die Darsteller agieren auf der ohnehin kleinen Spielfläche der Jungen Oper, die zur Hälfte von den tiefer gelegten Streichern belegt wird. Dass in diesem „Orchestergraben“ auch noch szenisch gespielt wird, erschwert die ohnehin problematischen Sichtverhältnisse zusätzlich. Da die Bühne an zwei Seiten vom Publikum flankiert wird, erübrigen sich Bühnenbilder. Man begnügt sich mit wenigen Requisiten, wobei der Schwan wenigstens als Dekoration einer Sitzbank dienen darf. Die Magie, die von Lohengrins Auftritt mit dem von dem Schwan gezogenen Nachen ausgeht, bleibt aus, wie das Autorenteam überhaupt alle übersinnlichen, aber auch alle politischen Aspekte des Werks eliminiert, um den Inhalt auf eine logisch banale Liebes- und Alltagsgeschichte zurechtzustutzen. Mit dem Ergebnis, dass Lohengrin im ersten Akt als kahlköpfiger, bebrillter alter Mann im Unterhemd nicht gerade das verkörpern darf, was man von einem aus „Glanz und Wonne“ stammenden Helden erwartet. Elsa als moderne Frau möchte sich nicht mit dem Frageverbot Lohengrins nach dessen Identität abfinden, wobei sie sich von Ortrud unterstützen lässt, ihrem Wissensdrang in der Brautnacht nachzugeben. Wieso die verbotene Frage dann zur Katastrophe führt, bleibt in der Dortmunder Fassung ungeklärt, wie der Szenenmix ohnehin mehr Fragen aufwirft als löst. Angesichts des in den Fokus gestellten Themas ist etwa die an sich spannende Auseinandersetzung zwischen Friedrich und Ortrud wenig aussagekräftig und sogar die Grals-Erzählung macht wenig Sinn, wenn die Rolle des Grals weitgehend ausgeblendet bleibt. Hier schrammen, wie so oft auch bei Inszenierungen des kompletten Werks, szenische Intentionen und Libretto immer wieder aneinander vorbei. Für Operneinsteiger sicher keine große Verständnishilfe, zumal die Textverständlichkeit wie üblich bescheiden ausfällt.
Was nicht die Leistungen der vier ambitionierten Solisten schmälern soll: Frank Steinbacher in der Titelrolle mit seinem angenehm lyrischen Tenor, Irina Simmes als selbstbewusste, stimmlich entsprechend markant auftrumpfende Elsa, Hyona Kim, die die emotionalen Ausbrüche der Ortrud sicher bewältigt und Mandla Mndebele als Friedrich mit seinem sonoren Bariton, dessen Funktion in der Dortmunder Version jedoch nicht richtig klar wird.
Satomi Nishi leitet die acht Instrumentalisten durch den virtuos aus der originalen Musik zusammengesetzten Flickenteppich, wobei ein paar Zusatzproben sinnvoll wären.
Junge Besucher der angesprochenen Zielgruppe gab es in der Premiere noch nicht zu sehen. Viel Beifall für ein Modell des Jugendtheaters, das viele Fragen offen lässt.
Pedro Obiera