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Zwischen Illusion und Realität

LA BOHÈME
(Giacomo Puccini)

Besuch am
2. November 2019
(Premiere)

 

Opernhaus Wuppertal

Nach dem strengen, gleichwohl eindrucks­vollen Saison­auftakt mit Strawinskys herb tönendem Oedipus Rex kann sich das Wupper­taler Publikum derzeit über Mangel an klingendem Süßstoff nicht beklagen. Dass Giacomo Puccinis Opern-Hit La Bohème dennoch nicht zu einem reinen Rührstück zerfließt, ist sowohl der stilsi­cheren musika­li­schen Ausführung als auch dem klugen szeni­schen Konzept der Neupro­duktion zu verdanken.

Sowohl General­mu­sik­di­rek­torin Julia Jones am Pult des Wupper­taler Sinfo­nie­or­chesters als auch das junge, ausnahmslos überzeu­gende Ensemble und nicht zuletzt Regisseur Immo Karaman gelingt es, das Stück als das zu begreifen, was es eigentlich ist: als einfühl­sames Panorama junger Leute auf dem dornigen Weg in die Erwach­se­nenwelt. Optisch reichen dem Regisseur dafür schlichte Umzugs- und Pappkartons aller Größen, für die Kostüme der Choristen genügt ihm Packpapier in Hülle und Fülle. Symbole einer jungen Studenten- und Künst­ler­ge­mein­schaft, die ihren festen Platz in der Gesell­schaft noch nicht gefunden hat und die materielle Engpässe noch mit jugend­licher Energie, Übermut, vielen Illusionen und etlichen Freund- und Liebschaften überspielen kann. Wie raffi­niert Karaman mit den schlichten Kartons Situa­tionen, Schau­plätze und Stimmungen steuert, erinnert an die benei­dens­werte Fähigkeit von Kindern, mit ihrer Fantasie aus einem Stück Pappe ganze Universen erstehen lassen zu können. Eine geschickte Licht­regie und handwerk­liche Perfektion sorgen für zusätz­liche kleine Bühnenwunder.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Puccini zeigt die Welt junger Leute in einem Entwick­lungs­stadium, in dem der Liebes­himmel nicht nur voller Geigen hängt, sondern auch seine Schat­ten­seiten zeigt. Treue, Eifer­sucht, Enttäu­schung und letztlich der Tod führen die Bohemiens in die ersten extremen Lebens­krisen. Die übermü­tigen, von Karaman erfreulich dezent ausge­führten Albern­heiten sind Vergan­genheit, ebenso der Glanz des Weihnachts­spek­takels, den Karaman wie eine mecha­nische Revue ablaufen lässt. Prozesse, die Puccini mit seiner Musik minutiös nachvoll­zieht und Karaman mit wachem Ohr und einer detail­ge­nauen und einfühl­samen Perso­nen­führung aufgreift und umsetzt. Damit gelingt ihm ohne jede verkrampfte Verbiegung des Librettos ein nahezu perfekter Spagat zwischen Realismus und Illusion, zwischen Jugend­träumen und den großen und kleinen Katastrophen des Erwachsenenalltags.

Foto © Jens Großmann

Und das alles in harmo­ni­schem Einklang mit Maestra Julia Jones, die gleich mit jugend­lichem Überschwang in die erste Szene einfährt und im weiteren Verlauf den feinen Stimmungs­wechseln minutiös nachgibt. Gefühle, auch weiche und große, kommen dabei nicht zu kurz. An der prinzi­piell straffen, an den angebrachten Stellen aufblü­henden Leitung der Dirigentin gibt es nichts auszusetzen.

Ebenso wenig an dem erfreulich jungen und stimmlich rundum überzeu­genden, teilweise fast sensa­tionell auftrump­fenden Ensemble. Dass Nachwuchs­kräfte wie der Tenor Sangmin Jeon oder die Sopra­nistin Ralitsa Ralinova zum Stamm­ensemble des Hauses gehören, dazu kann man Wuppertal nur gratu­lieren. Sangmin Jeon bringt für den Rodolfo alles mit, was die anspruchs­volle Rolle erfordert: lyrische Wärme, metal­lische Strahl­kraft, eine stabile Kondition und eine ausge­gli­chene Beherr­schung aller Register. Und Ralitsa Ralinova singt mit ihrem kernge­sunden und substanz­reichen Sopran selbst die hyste­rischsten Attacken der Musetta kontrol­liert und mit voller Stimme aus, ohne Gefahr zu laufen, in soubrett­enhaft leicht­ge­wichtige Gefilde zu geraten. Li Keng als Gast präsen­tiert sich in geradezu sensa­tio­neller Höchstform und vermag Mimìs besonders diffe­ren­zierte Entwicklung vom schüch­ternen Mädchen zur liebenden und letztlich sterbenden Frau darstel­le­risch und vor allem stimmlich überragend zu vermitteln. Und Aleš Jenis beweist trotz seines mächtigen Baritons, dass Puccini dem Marcello mehr als nur markige Töne in die Kehle geschrieben hat. Simon Stricker als Schaunard und Sebastian Campione als Colline runden das nahezu perfekte Ensemble adäquat ab. Einge­schlossen die präzisen Chöre der Wupper­taler Bühnen.

Begeis­terter Beifall für die Modell­in­ter­pre­tation eines Reper­toire-Knüllers, der in dieser Form noch taufrisch wirkt. Keine leichte Vorlage für die Deutsche Oper am Rhein, die das Stück am kommenden Freitag in Duisburg in einer Neuin­sze­nierung zeigen wird.

Pedro Obiera

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