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Dass sich Künstler mit ihrer Arbeit ernsthaft für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen und an die vielfältigen Formen mehr oder weniger erkennbarer Unterdrückungsmechanismen erinnern wollen, sollte selbstverständlich sein. Auch auf die Gefahr hin, mit ästhetischen Ausdrucksmitteln die Brutalität der Wirklichkeit zu entschärfen. Dass dem britisch-indischen Choreografen Aakash Odedra und seiner Company der schwierige Spagat zwischen Kunst und Realität mit dem einstündigen Tanzstück #JeSuis gelungen ist, beweisen zahlreiche Preise und unzählige Einladungen aus aller Welt nicht erst seit der offiziellen Uraufführung im Februar des letzten Jahres in Abu Dhabi.
Bereits die erste, noch im Erprobungsstadium befindliche Work-in-Progress-Version wirkte so aufwühlend, dass sie den Amnesty International Freedom of Expression Award 2017 erhielt. Die starke Wirkung des Stücks ist in der Tat dem ungewöhnlichen Entstehungsprozess zu verdanken, der mit einem Treffen Odedras mit sieben türkischen Tänzern und Tänzerinnen in Istanbul begann. Die seit dem gescheiterten Putsch-Versuch dramatische Verschlechterung der Menschenrechts-Lage in der Türkei hat die Künstler in der Absicht bestärkt, an die vielen unbekannten Opfer zu erinnern, die staatlicher Willkür in allen Zeiten und Ländern ausgesetzt sind.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Tanz | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Choreografie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Ryan Dawson Laight entwirft mit seinem düsteren Bühnen-Outfit einen schmucklosen Raum, der ohne Umbauzäsuren als Verhörraum, Flüchtlingslager und Rundfunkstudio genutzt werden kann. Das Stück selbst präsentiert sich als rasch ablaufende Folge unterschiedlicher Unterdrückungs-Szenarien. Ob Häftlinge psychologisch oder mit brutaler Gewalt eingeschüchtert werden, ob sich Flüchtlinge umzubringen versuchen, ob sich gejagte Opfer zu verstecken versuchen oder offizielle Nachrichtensprecher eine verlogene heile Welt verkünden. Es fasziniert die starke Energie, mit der die vier Damen und drei Herren, allesamt mit türkischen Wurzeln, die Schrecken des Terrors allein mit der Kraft und Elastizität ihrer Körper suggerieren. Es fließt kein Blut, zu vollendeten Vergewaltigungen und Gewaltexzessen kommt es nicht. Entscheidend ist die von ständiger Angst durchzogene Stimmung, der das Stück seine bestrickende Wirkung verdankt. Und das ohne jede verkrampfte Standardgeste, ohne expressionistisches Händeringen oder haareraufende Verzweiflungsattitüden aus der Mottenkiste des Theaters. Auch in der Demütigung und Zustand tiefsten Leids bleiben die „Opfer“ lebendige, starke Menschen.

Optisch lenkt wenig von der zentralen Ausstrahlung der brillanten Tänzer ab. Weder die schlichten, bräunlich gefärbten Kostüme noch die raffinierte, aber unaufdringliche Lichtregie Alessandro Barbieris. Gesprochen wird fast gar nicht. Und selbst auf die eingeblendete Wutrede Adolf Hinkels aus Chaplins Great Dictator könnte man verzichten. Ganz und gar nicht aber auf die geniale Klangkulisse von Nicki Wells, der mit seinen raffinierten, aber unaufdringlichen Klängen nicht nur das Grauen zum Ausdruck bringt, sondern den Menschen eine Stärke zu schenken scheint, die sie am Ende zu einem ekstatischen Tanz mit ausgedehnten Rotationen motiviert, wie man sie aus der Derwisch-Kultur kennt. Haare und die leichten Kostümstoffe scheinen sich wie befreit in schwingenden Bewegungen aufzulösen. Ein Hauch von Freiheit durchzieht das Ende, bevor ein Täter in die Fänge des Sextetts gerät und selbst zum Opfer wird. Was mit ihm geschieht, bleibt offen.
Eine Darstellung, die die Opfer nicht in ihrer Passivität und Schwäche zeigt, sondern ungeachtet aller Schrecken die Würde der Menschen bekräftigt und Hoffnung ausstrahlt. Und das auf einem atemberaubenden choreografischen, tänzerischen und musikalischen Niveau.
Der Beifall des Leverkusener Publikums fällt entsprechend lang und stark aus.
Pedro Obiera