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Nach dem Hagen-Projekt im Umfeld einer neuen Deutung von Richard Wagners Nibelungen-Ring greift das Aachener Theater mit Jules Massenets Goethe-Oper Werther zu einer Tragödie in sanfterem Klanggewand. Die Neuinszenierung verdient besonderes Interesse, absolviert doch damit die junge koreanische Dirigentin Yura Yang nach ersten Opern-Erfahrungen in Gelsenkirchen und Kiel ihren Einstand als Stellvertretende Generalmusikdirektorin der Kaiserstadt. Wie man hören kann, hochmotiviert, aber auch so kraftbetont, dass das spezifische Kolorit der Partitur weitgehend verlorengeht. Das Aachener Orchester spielt permanent unter Hochdruck, was Massenets Musik auch in den dramatischen Passagen nicht guttut. Und nötig ist es bei Massenet ohnehin nicht, auch wenn die Akustik des Aachener Theaters eine ausgewogene Balance zwischen Orchester und Sängern nicht gerade fördert. Damit hat fast jeder Dirigent zu kämpfen. Sogar beim neuen, erst vor einem Jahr inthronisierten Generalmusikdirektor Christopher Ward besteht da noch Korrekturbedarf.
Das dynamische Übergewicht des Orchesters schlägt sich natürlich auch auf die Singstimmen nieder, so dass selbst ein so konditionsstarker Tenor wie Soon-Wook Ka ständig forcieren muss und kaum Gelegenheit bekommt, seine schöne Stimme entspannt einzusetzen und die lyrischen Qualitäten seiner Partie auszukosten. Alexandra Yangel trifft es als Charlotte nicht ganz so hart, aber auch sie kommt zu selten zum Atmen, so dass auch ihre Solostellen und vor allem die Duette mit Werther, was Atmosphäre und Kolorit angeht, unter den Möglichkeiten der vorzüglichen Sänger bleiben.

Dass Fabio Lesuisse in der undankbaren Rolle des unsympathischen Albert und sogar Jelena Rakić als Sophie recht blass wirken, ist zu einem guten Teil der Inszenierung zu verdanken. Mit der Handlungsarmut des Werks kann Corinna von Rad offensichtlich nicht allzu viel anfangen. Man spürt zwar, wie intensiv sie den psychischen Grenzsituationen Werthers auf der Spur ist. Da alle Akte jedoch auf einer großen Freitreppe im offenen Bühnenraum ablaufen, verlieren sich viele Details in der Weite der von Steffi Wurster geschaffenen Bühnenlandschaft.
Da hilft es auch nicht, auf ablenkende Requisiten und Dekorationen zu verzichten, um den Blick auf den tragischen Helden nicht einzuschränken. Ab und zu wird Werthers Gesicht auf die nüchterne Wand überdimensional projiziert. Das ist zu wenig. Im Grunde kämen der Regie in dieser Szenerie durchgehend filmische Einstellungen und Großprojektionen entgegen.
Das täte auch den Nebenfiguren gut, denen die Regisseurin wenig Profil verleiht. Rund ist die ganze Sache nicht, trotz guter musikalischer Ansätze und eines bemühten szenischen Konzepts.
Der starke Beifall des Aachener Publikums für das musikalische Team ist mehr als verdient. Allerdings wirkt es bedenklich, wenn sich das Theater bereits in der zweiten Vorstellung nur zur Hälfte füllt. Viel besser erging es dem Hagen-Projekt auch nicht. So lobenswert und interessant die Stückauswahl für die Saison auch sein mag – es folgen noch die Uraufführung von Anno Schreiers Oper Der Zauberer von Oz, Tschaikowskys Pique Dame, Sondheims Sweeney Todd und Cavallis La Calisto: Ein oder zwei Zugstücke könnten der Besucherstatistik nicht schaden.
Pedro Obiera