O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Völlig im Dunkel liegt der von gleißendem Neonlicht umrandete Raum. Er wirkt wie ein überdimensionales, pechschwarzes Bild. Langsam heller werdend, sieht man darin eine erhängte Frau baumeln. Es ist Maria, die Geliebte des Titelhelden, die offensichtlich Selbstmord begangen hat und zu deren Füßen dieser auch zum Finale sterben wird. Daneben steht ein lebendes Pferd, offenbar als mythologisches Symbol für die Begleitung von Seelen in den Tod gedacht: Dieses Anfangs- und Schlussbild von Giuseppe Verdis Simon Boccanegra am Stadttheater Klagenfurt, eine Koproduktion mit der Opéra Dijon und Rouen, wo die Produktion schon gezeigt wurde, ist eine recht plakative Idee von Philipp Himmelmann.
Der Regisseur hat dem krausen Libretto mit vielen Ungereimtheiten von Arrigo Boito um Betrug, Machtgier und zu spät erkannten Familienbanden zudem auch noch einen gewaltigen Modernisierungsschub verpasst. Er lässt die Geschichte, die neben Il trovatore wirklich zu den verworrensten zählt, die Verdi je vertont hat, nah am Heute in einem düsteren, hässlichen, braungrauen, beengten Einheitsraum – die Bühne hat Etienne Pluss kreiert – in heutigen Kostümen von wenig Geschmack, die von Kathi Maurer stammen, spielen. Offenbar will uns der Regisseur das Zeitlose der Geschichte aus dem 14. Jahrhundert vor Augen führen und ein Sittenbild unseres Politikzeitalters zeigen. Macht steht über Moral. Das mehrfach besungene Meer lässt sich nur auf einem Bild erkennen.

Die Personenführung insgesamt wirkt belanglos und teils statisch. In der Senatsszene wird durch hektisches Herumblättern und Werfen von Akten bemüht Bewegung erzeugt. Vor allem aber schafft es Himmelmann kaum, echte Gefühle oder gar Leidenschaften zu vermitteln. Und so lassen Schlüsselszenen wie jene, wo sich Vater und Tochter wiederfinden oder der Tod des Titelhelden seltsam kalt. Bei beiden Szenen wird entgegen dem Libretto jegliche Nähe zwischen den Figuren völlig vermieden.
Die musikalisch wunderbar reife, fast ohne Ohrwürmer auskommende Oper bedarf außergewöhnlicher Sänger. Die hat man für Klagenfurt gefunden: Vittorio Vitelli verstrahlt als unglücklicher, ehemaliger Korsar nicht nur starke Bühnenpräsenz, sondern vermag auch mit schönem Timbre zu berühren, wiewohl er so manche Lyrismen noch feiner ausformen hätte können. Aber auch sein feindseliger Widerpart ist mit Luciano Batinic als nobler und würdevoller Jacopo Fiesco gut besetzt. Es fehlt ihm jedoch etwas an Bassesschwärze. Robert Watson singt den Gabriele Adorno mit Schmelz und schönen, ungefährdeten Höhen. Selene Zanetti als Amelia Grimaldi phrasiert innig und berührt mit glasklarem Sopran. Von beeindruckender Kraft hört man Csaba Szegedi als finsteren Bösewicht Paolo. Achtbar singt seinen Kumpanen Pietro Evert Sooster. Stimmgewaltig singt auch der Chor des Stadttheaters Klagenfurt, dessen Einstudierung wie gewohnt Günter Wallner souverän besorgte.
Am Pult des Kärntner Sinfonieorchesters zeigt Nicholas Carter durchaus packende Gestaltungskraft bei den dramatischen Szenen. Die feinen Lyrismen wirken jedoch zu zurückhaltend, da hätte man sich einen stärkeren emotionalen Ausdruck gewünscht.
Dem Publikum gefällt es, es reagiert bei der Premiere mit Jubel und voller Zustimmung.
Helmut Christian Mayer