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Foto © Ludwig Olah

Musik der Jahrhunderte

CIRCLE LINE
(Diverse Komponisten)

Besuch am
2. November 2019
(Einmalige Aufführung)

 

St. Elisabeth-Kirche, Berlin

Die lautten compagney – man respek­tiere die bescheidene Klein­schreibung – feiert heuer 35-jähriges Bestehen. Aus der Freund­schaft zwischen zwei Studenten der klassi­schen Gitarre an der Ost-Berliner Hochschule für Musik Hanns Eisler – Wolfgang Katschner und Hans-Werner Apelt – entwi­ckelte sich das Interesse an Alter Musik und dem Wunsch, sich in dieser so anderen Welt zu vertiefen. Sie besorgten sich Lauten und Theorben und legten so den Grund­stein zu der 1984 formierten lautten compagney. Mittler­weile gehören dreizehn Musiker zur Familie, manche sind schon über 20 Jahre dabei. Etliche CD-Einspie­lungen und ein breites Reper­toire – von intimen Kammer­kon­zerten bis hin zu drama­ti­schen Opern des Barocks – zeugen von der nimmer­satten Neugier der Gründer.  Hochrangige Preise sind an der Tages­ordnung. Die Virtuo­sität und Kreati­vität der einzelnen Musiker und des Ensembles stehen außer Frage.

Foto © Ludwig Olah

Nun dieses Festkonzert in der St.-Elisabeth-Kirche, die mit ihrer guten Akustik und schlichtem à‑la-vista-Backstein-Interieur mit dezenter drama­tur­gisch-einge­rich­teten Beleuchtung den feier­lichen Rahmen liefert.

Es ist aber das Programm, das erst richtig fesselt. Nicht etwa nur Mittel­al­ter­liches.  Im Gegenteil. Vorwiegend Minimal Music von Philip Glass, John Cage, Meredith Monk, Peter Bauer, Steve Reich und Wim Mertens – also alles Kompo­nisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhun­derts. Alter­nierend mit Werken der belgi­schen Renais­sance-Ikone Guillaume Dufay – geboren 1397, gestorben 1474.  Dufay war in seiner Zeit ein ebenso radikaler Erneuerer des Musik­aus­drucks wie die Minimal-Music-Kompo­nisten in unserer Zeit.

Das Konzept hinter diesem Programm hat einen prosa­ischen Hinter­grund und hat mit der berühmten Londoner U‑Bahn Linie Circle Line zu tun. Berlin hat eine eigene Circle Line, hier heißt sie Ringbahn. So fährt der Zuhörer im metapho­ri­schen Sinn durch die musika­li­schen Jahrhun­derte und erfährt diverse Kulturen und Patterns der Minimal Music, die durch kleinste Verschie­bungen die Melodie verändern und dann doch ganz unter­schied­liche neue Klang­bilder ergeben. In diesem Projekt wird ein Bogen über Musik­stile aus 500 Jahren gespannt. Zwar ist das auf den ersten Blick befremdlich, aber auf den zweiten Blick, besonders wenn man die hier gespielten Werke hört, eine ganz natürlich Schluss­fol­gerung: Sowohl die Musik der Renais­sance wie der Minimal Music verwenden ähnliche Prinzipien der rhyth­mi­schen und melodi­schen Repetition.

Foto © Ludwig Olah

Das etwa zweistündige Programm fängt an und endet mit Kompo­si­tionen von Philip Glass Train to Sao Paulo aus seiner Filmmusik zu Powaq­qatsi aus dem Jahre 1987. Mit onoma­to­pö­ie­schen Lauten und Rhythmen geht die Zugreise los und endet dann auch an der gleichen musika­li­schen Halte­stelle. Dazwi­schen kommen 18 Werke, wie beispiels­weise Gloria in modum tubae Nr. 2. von Duffay mit einer dominie­renden Bassstimme; das fünf-stimmige Apostolo glorioso 1426 von Duffay zur Weihe der Kirche St. Andreas im griechi­schen Patras kompo­niert; In a Landscape von John Cage mit seinen festen Patterns als kompo­si­to­ri­sches Prinzip. Die Stücke werden anein­an­der­ge­reiht, nur die sich verän­dernde Beleuchtung gibt den Hinweis, dass es sich um das nächste Stück handelt und die Circle Line sich an die nächste Station begibt. Das erlaubt dem Zuhörer leider keine mentale Atempause, um das jeweilige Werk einzuordnen.

Gleich­zeitig wird an diesem Abend eben diese Circle Line als neueste CD präsen­tiert. Somit kann man in Ruhe diese innovative Program­mierung zuhause vertiefen.

Sehr herzlicher und warmer Applaus für das gesamte Ensemble.  Der Abend endet mit Rosen für die einzelnen Musiker und einem kleinen Empfang, wo man schnell mitbe­kommt, dass dieser Abend ein Treff­punkt für die große Familie der Fans der lautten compagney ist.

Zenaida des Aubris

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