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„Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen“

WEST-ÖSTLICHER DIVAN
(Johann Wolfgang von Goethe)

Besuch am
5. November 2019
(General­probe)

 

Verein Zukunft Kultur, Hofspielhaus, München

1812 übersetzte der Orien­talist Joseph von Hammer-Purgstall Werke des persi­schen Dichters Hafis ins Deutsche. Der im 14. Jahrhundert lebende Hafis wird in seiner Heimat mit großer Ehrfurcht bis heute verehrt. Goethe liest mit 65 Jahren dessen lyrische Werke und ist begeistert. Er sieht die persische Lyrik der europäi­schen gleich­be­rechtigt, ja, sieht sich in Konkurrenz. Er verfällt in eine regel­rechte orien­ta­lische Beses­senheit, die er insbe­sondere in einem Brief­wechsel mit Marianne von Willemer – einer vermutlich plato­ni­schen Liebschaft teilt. Daraus entsteht sein großes Spätwerk als seine umfang­reichste Gedicht­sammlung und nunmehr ein UNESCO-Weltkul­turerbe.  Ein Werk, das in Europa eine neue Betrachtung des Orients hervor­bringt, ein Gedanke, der auch dem Verein Zuflucht Kultur rund um die junge Mezzo­so­pra­nistin Cornelia Lanz bewegt. Verschiedene Projekte haben sie in den letzten Jahren reali­siert. Sie vereinen Flücht­linge unter­schied­licher Herkunft als Mitwir­kende und stellen deren Kultur in Inhalten dar. Der Verein will Brücken bauen zwischen Geflüch­teten und der einhei­mi­schen Bevöl­kerung, zuallererst künst­le­risch, aber auch in politisch-sozialen Projekten.

Foto © Verein Zukunft Kultur

Das 200-Jahr-Jubiläum der Entstehung des epochalen Werkes Goethes ist Anlass genug, einen kulina­ri­schen Lieder- und Rezita­ti­ons­abend zusam­men­zu­stellen. Gedichte von Hafis werden mit Ausschnitten einer der ältesten überlie­ferten schrift­lichen Epen, der babylo­ni­schen Gilga­mesch-Erzählung rezitiert, es werden Auszüge aus dem Brief­wechsel von Johann Wolfgang von Goethe mit seiner verehrten Marianne von Willemer vorge­lesen. Angerei­chert wird der Abend musika­lisch mit Verto­nungen von Auszügen von Gedichten des west-östlichen Divans von Franz Schubert, Hugo Wolf, Robert Schumann und Richard Strauss. Ein anspruchs­volles, dichtes, aber unter­halt­sames und infor­ma­tives Programm, das überzeugt.  Zur Stärkung der Besucher werden arabische Köstlich­keiten gereicht und Düfte entführen in den Orient, auch wenn man sich mitten in der bayeri­schen Metropole befindet.

Die irakische Kildan-Band sorgt auf tradi­tio­nellen Instru­menten wie Kanun, eine Form von Hackbrett, und Oud, einer Laute, für exotische Klänge und stimmen gleich zu Beginn auf ihre Heimat ein. Mit Walaa, Wissam Kanaieh und Lisa Salman singen und rezitieren drei aus dem Irak und Syrien stammende Flücht­linge in typischer Kleidung und eleganten tänze­ri­schen Bewegungen auf Arabisch. Durch die Schau­spie­lerin Inge Rassaerts wird Marianne von Vollemer lebendig, wenn sie aus den Briefen gefühlvoll, koket­tierend vorliest und sich mit persön­lichen Kommen­taren die Liebes­be­ziehung bildlich ausmalt.

Es werden Geschichten erzählt, wie wir es aus 1001 Nacht kennen, der Zuschauer sitzt auf Decken, Likör und Süßig­keiten sowie Kaffee werden gereicht. Ein echter Divan, denn dafür steht das Wort, ein Versamm­lungsraum, ein Ort des Austau­sches. Ganz natürlich fügen sich in diese bunte Welt die musika­li­schen Verto­nungen ein, vorge­tragen von Cornelia Lanz, begleitet von Yukiko Naito Fendrich. Sie zeigen in ihrer Lieder­auswahl auch witzige, außer­ge­wöhn­liche Texte aus der Feder des großen Schrift­stellers, die die Kompo­nisten mit Gespür vertont haben. Gespür zeigt auch ihre Inter­pretin, die sich an Raum und Ambiente mit ihrer kräftigen Bühnen­stimme ausrichtet. Keine Übersteuerung, wenig Druck, dafür Harmonie und Emotion im Ausdruck und ein Schuss Augen­kontakt, um Nähe und Verbindung zum Publikum zu schaffen. Das lauscht, umworben von Klängen und Düften, Worten und Speisen. Am Ende zeigt es sich beein­druckt von der histo­ri­schen Geschichte und kultu­rellen Verbindung, die in Leben und Werk des bedeu­tenden deutschen Dichter­fürsten steckt, und wie lange und wie eng die Kulturen des Orient und Okzident waren und sind.

Helmut Pitsch

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