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LES VOYAGES DE L‘AMOUR
(Joseph Bodin de Boismortier)
Besuch am
17. November 2019
(Einmalige Aufführung)
Acht Konzerte in vier Tagen, ein paar Ausstellungen obendrauf: Das ist das alljährlich stattfindende Radiofestival Tage Alter Musik in Herne. Zum Abschluss gibt es traditionell einen Höhepunkt im Kulturzentrum der Stadt, meist in Form einer konzertant aufgeführten Oper aus den frühen Tagen der Musik. So ist es auch in diesem Jahr.
Richard Lorber ist Redakteur beim Westdeutschen Rundfunk und damit Künstlerischer Leiter des Festivals. Heuer ist seine Wahl auf die Oper Les Voyages de l’Amour von Joseph Bodin de Boismortier gefallen, eine Ballettoper in einem Prolog und vier Akten aus dem Jahr 1736. Von all den prachtvollen Landschaften und Situationen, Geistern und anderen Erscheinungen, von denen in der Oper die Rede ist, findet nichts statt. Die Oper wird, wie gewohnt, konzertant aufgeführt, um optimale Bedingungen für die Rundfunkübertragung zu gewährleisten. Aus dem Kulturzentrum der Stadt sendet der Westdeutsche Rundfunk den Auftritt zeitversetzt auf seinem Kultursender.

Charles Antoine le Clerc de la Bruère verfasste ein Libretto, das ausschließlich der Unterhaltung gewidmet war. Er hat eine Reise von Amor erfunden, der sich an verschiedene Orte begibt, sich in immer neue Frauen verliebt, ehe er auf seine Heimatinsel Kythera zurückfindet, um dort die ursprüngliche Frau seiner Träume zu finden. Sicherlich könnte man hier mehr hineindichten, aber das liefe ins Leere. Viel interessanter als diese Lebensreise ist die Musik, die Boismortier geschaffen hat. Während sich Komponisten heutzutage auf möglichst wenige Instrumente beschränken, als hätten sie nichts Besseres gelernt, schafft Boismortier geradezu ein Füllhorn an Ausdrucksmöglichkeiten.
Auf der Bühne ist deshalb Enge vonnöten. Der hervorragende Purcell Choir belegt zwei Stuhlreihen im Hintergrund. Das Orfeo Orchestra tritt gleich mit zwei Cembali an und füllt nahezu den gesamten Bühnenraum. Da bleibt für die Solisten wenig Platz an der Rampe.
Nicht nur bei den Instrumenten greift der Komponist in die Vollen. Auch beim Personal wird nicht gespart. Und so teilen die sechs Sänger und der Chor die Rollen untereinander auf. Wer sich bei dieser Aufführung nicht einfach nur in die Klangwelten hineinhorchen, sondern auch der Handlung folgen will, wird das sehr ordentlich gearbeitete Heft mit den Gesangstexten kaum einen Moment aus der Hand legen.
An gesanglichen Leistungen wird an diesem Abend einiges geboten. Allen voran glänzt die Sopranistin Chantal Santon-Jeffery in der Hauptrolle des Amor. Ihr ebenbürtig sind Adriána Kalafszky, Katja Velletaz und die Mezzosopranistin Eszter Balogh. Tapfer hält Judith van Wanroij mit. Nach ein paar Anlaufschwierigkeiten kann auch Bariton Lóránt Najbauer seine Stärken zeigen.
György Vashegyi dirigiert mit Verve vom Cembalo aus und zeigt den echten Maestro, wenn er auch noch Zeit findet, den vor ihm stehenden Solisten ihre Einsatzzeichen zu geben. Das Orfeo Orchestra bildet einen wunderbaren Klangkörper, der lebhaft und differenziert aufspielt.
Im sehr gut besuchten Saal des Kulturzentrums folgt das Publikum hochkonzentriert dem Geschehen und spart nicht mit Lob für alle Beteiligten. Mit diesem höchst gelungenen Schlussakt fördert das Festival die Vorfreude auf das kommende Jahr. Dann heißt es Zurück zur Natur.
Michael S. Zerban