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Nichts für Raritätensammler

LA VESTALE
(Gaspare Spontini)

Besuch am
20. November 2019
(Premiere am 16. November 2019)

 

Theater an der Wien

Jeder wirkliche Opern­freund liebt und sammelt Raritäten. Und es ist sehr erfreulich, dass das Theater an der Wien solche nicht nur in dieser Spielzeit sondern schon über Jahre anbietet. Jetzt mit Gaspare Spontini, der in den letzten Jahrzehnten ein absolut weißer Fleck in der Wiener Musik­land­schaft geworden ist. Dabei war seine beste Oper La vestale aus dem Jahr 1807 seinerzeit und später ein großer Erfolg, als keine Geringere als Maria Callas sich der Titel­partie annahm. Und man weiß von Richard Wagners Bewun­derung für den um knapp 40 Jahre älteren Kollegen.

Wieder einmal geht es um die Geschichte einer verbo­tenen Liebe bei den Römern, eine junge Vestalin namens Julia darf sich keinem Mann hingeben, auch wenn sie ihren Feldherren Licinius noch so sehr liebt. Das erinnert stark an Bellinis Norma, aber diesmal gibt es ein Happyend. Dass das Werk jetzt am Theater an der Wien absolut kein Publi­kums­erfolg wird, die Reihen haben sich nach der Pause deutlich gelichtet, und die Haupt­schuld am insgesamt flauen Eindruck liegt in erster Linie an Johannes Erath, einem Regisseur, dem man in Wien bisher nur in der Neuen Oper Wien begegnet ist, der aber schon mehrfach an der Grazer Oper insze­niert hat.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Der Regisseur hat der Oper einen heftigen Moder­ni­sie­rungs­schub verpasst. Aber dieser krampf­hafte Versuch, das Heute in die römische Tragödie zu zwängen, wirkt aufge­setzt und verwirrt die nicht sehr kompli­zierte Handlung bis zur Unver­ständ­lichkeit, umso mehr, weil Erath dabei wieder einmal ganz tief in die Regie­theater-Kiste greift. Seine Konzeption ist völlig verrätselt und ob der Fülle der bald unerklär­lichen Ideen verlässt einen alsbald die Lust, zu ergründen, warum dieses oder jenes auf der Drehbühne, auf der sich zuerst ein großer, von innen beleuch­teter Kubus dreht, passiert: Da gibt es einen sinnlos herum­ste­henden Bock, ein Übungs­gerät aus dem Turnsaal, da liegt und wandert in einer Szene eine nackte Frau herum. Da werden ein ausge­stopfter Raubvogel, aber auch Porzel­lan­püppchen oder ein Hase herum­ge­reicht. Und auch der Missbrauch in der katho­li­schen Kirche, den Erath in Gestalt des lüstern sabbernden Pontifex bemüht, wirkt an den Haaren herbei­ge­zogen. Die große Statue der Göttin lässt sich öffnen und soll für Julia, die sich zuvor noch eine blonde Perücke aufsetzen und mit Lippen­stuft beschmieren muss, wie bei einer eisernen Jungfrau das Grab werden. Dabei gibt es ständig Videos zu sehen. Und letztlich versteht man nicht, warum die Oberve­stalin den Oberpriester blutspritzend mit einem Messer ersticht, der aber gleich darauf putzle­bendig wieder­auf­er­steht. Viele weitere haarsträu­bende Details ließen sich noch aufzählen.

Aber es gibt optisch auch einige beein­dru­ckende Momente, wenn sich etwa durch die grauen Tücher des Raumes die Umrisse von überdi­men­sional großen Gesichtern und Händen herein­zu­drücken scheinen oder sich in einem Bild ständig Effekte des Wassers auf der Bühne an den Wänden widerspiegeln.

Foto © Werner Kmetitsch

Das seltsame Ausstat­tungs­chaos der Bühnen­bild­nerin Katrin Connan und Jorge Jara, der für die Kostüme verant­wortlich zeichnet, mit mehreren kitschigen Lichter­kränzen zum Finale kann einfach nicht die Vestalin erzählen.

Spontinis viel bewun­derte Musik, eine so genannte tragédie lyrique, lässt deutlich ein Werk an der Kippe hören, das Barocke war eigentlich schon vorbei, aber noch herrschten musika­lische Gesetze von einst, die Kompo­nisten wie Gluck und Spontini belebten. Aber viel zu viele Rezitative, wenig Arioses, alles sehr schön, aber sich immer wieder in die Länge ziehend. Bertrand de Billy kann den Wiener Sympho­nikern auf weite Strecken der langat­migen Musik selten Leben einhauchen. Erst im zweiten Teil und bei den drama­ti­schen Höhepunkten gelingen ihm effekt­volle Steigerungen.

La vestale in der franzö­si­schen Origi­nal­fassung aufzu­führen, ist ein kühnes Unter­fangen, vor allem wegen der enormen Ansprüche, die der Komponist an seine Heldin stellt. Wer traut sich schon, die Riesen­rolle der Vestalin Julia den Diven Maria Callas und Monts­errat Caballé nachzusingen?

Elza van den Heever aus Südafrika schrecken die übergroßen Vorbilder und die Strapazen der Rolle nicht. Fast allein trägt sie den drei Stunden langen Abend, veredelt die lyrischen Momente und packt mit drama­ti­schen Ausbrüchen. Michael Spyres als ihr geliebter Cinnius verfügt über einen wunderbar höhen­si­cheren Tenor. Mit imposanter Bassgewalt vernimmt man als Oberpriester Franz-Josef Selig. Beein­dru­ckend ist die Leistung von Claudia Mahnke als Oberve­stalin, die zuerst als strenge Domina mit schwarzem Reitdress und Reitgerte sowie später mit Abend­kleid und Glitzer­brille erscheint. Der gut singende Sébastien Guèze als Cinna sollte eigentlich ein römischer Feldherr sein, ist hier aber meist in Unter­wäsche anzutreffen. Schau­spie­le­risch und sänge­risch in der Oberliga, aber diesmal mit kleinen Präzi­si­ons­mängeln erlebt man den Arnold-Schoenberg-Chor.

Bei der Premiere muss das Regie-Team einen Buh-Orkan hinnehmen, für die musika­lische Seite gibt es hingegen ungetrübten Beifall.

Helmut Christian Mayer

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