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HAMLET
(Brett Dean)
Besuch am
27. November 2019
(Deutsche Erstaufführung am 24. November 2019)
Die Begeisterung nach der Uraufführung in Glyndebourne vor zwei Jahren schlug hohe Wellen und auch der Schlussbeifall der Kölner Premiere wollte kein Ende nehmen. Für eine dreieinhalbstündige zeitgenössische Oper ist das allein schon ungewöhnlich. Und dass der australische Komponist Brett Dean mit dem Hamlet-Stoff einen solchen Coup landen konnte, wie es seit Aribert Reimanns Lear vor 40 Jahren keiner modernen Oper mehr gelungen ist, erstaunt umso mehr. Auch wenn sich die Shakespeare-Dramen auf der Opernbühne großer Beliebtheit erfreuen, wurde ausgerechnet der Hamlet von den Komponisten bisher eher stiefmütterlich behandelt.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
So aufwändig und szenisch wie musikalisch gleichermaßen eindrucksvoll sich die Glyndebourner Produktion auch im Kölner Staatenhaus präsentiert: Es wird deutlich, weshalb sich der Hamlet nur bedingt als Opernstoff eignet. Erst recht, wenn man, wie der Librettist Matthew Jocelyn, den Text auf das Familiendrama und die psychischen Konflikte des Titelhelden reduziert und den gesamten politischen Kontext ausklammert. Der Schwerpunkt der Handlung kreist so um die Seelenlandschaften Hamlets, die, in sich gekehrt, in einem Umfeld der Stille und Ruhe wesentlich eindrucksvoller zur Geltung kommen als in orchestral üppig unterfütterten Gesängen, die die innere Einsamkeit des „Helden“ mit einem unangemessenen Pathos belasten und dem Sänger Kraftakte abverlangen, die die inneren Konflikte eher oberflächlich aufheizen als vertiefen. Letztlich taugt der Hamlet ebenso wenig zur „Großen Oper“ wie die meisten Stücke Kleists oder Tschechows, an denen sich auch prominente Komponisten wie Henze oder Eötvös vergeblich die Zähne ausgebissen haben.
Es überrascht auch nicht, dass, abgesehen von der überwältigenden stimmlichen Kondition der Sänger, die szenische Umsetzung mehr zum Erfolg der Produktion beiträgt als die musikalische Dauerbeschallung. Dafür fährt der Komponist ein großes Orchester mit Chor, zusätzlichem Geräusch-Chor und mehrere über den Raum verteilte Instrumental-Ensembles auf, mit denen er eine durchweg unheimlich-bedrohliche Stimmung entfacht, die sich immer wieder pathetisch verdickt. So dass sich auch die letztlich plakative, gut konsumierbare Klangfassade eher als filmmusikalische Illustration eignet anstatt zu einer vertiefenden, reflektierten Auseinandersetzung mit dem spannenden Stoff beizutragen.

Die Darsteller leisten mit ihrer fast akrobatischen Vitalität allesamt Überragendes. Regisseur Matthew Jocelyn inszeniert das Stück letztlich wie ein Schauspiel, was den Eindruck einer leicht antiquierten Literaturoper noch unterstreicht, dem Drama allerdings entgegenkommt. Und das in einer ebenso schlichten wie grandiosen Kulisse von Alain Lagarde. Eine einfache, schräg ansteigende, von zwei Treppenaufgängen flankierte Mauer, die sich an entscheidenden Stellen des Stücks öffnet, bildet das optische Zentrum der Bühne, die ansonsten den Sängern viel Bewegungsfreiraum lässt. Dieses einfache Modell lässt Einblicke in eine Wasserlandschaft zu, der der Geist Hamlets wie einem imaginären Styx entsteigt und in die die gesamte Mannschaft, soweit noch am Leben, am Ende entschwindet.
Solche eindrucksvollen Bilder konkurrieren mit oberflächlichen Effekten, wenn sich das Spiel im Spiel, mit dem Hamlet den Mord an seinem Vater nachstellt, oder ganze Figuren wie Rosencrantz und Güldenstern zu reinen Karikaturen verflüchtigen.
Duncan Ward am Pult des Genre-versierten und äußerst aufmerksam reagierenden Gürzenich-Orchesters entfaltet Deans üppige Klangkulisse farbig und druckvoll. Auch wenn das Orchester seitlich der Bühne postiert ist, müssen sich die Sänger bisweilen mächtig gegen die fetten orchestralen Wogen stemmen. Überragend, wie David Butt Philip die immensen stimmlichen und darstellerischen Ansprüche der riesigen Titelpartie bewältigt. Ebenso Gloria Rehm als Ophelia, die nicht nur die Wahnsinns-Szene nuancenreich gestaltet und dabei ihre mädchenhafte Ausstrahlung nie verliert. Die Besetzung der kleineren Partien weist keinen Fehlgriff auf. Ob Andrew Schroeder als Claudius oder Dalia Schaechter als Gertrude, John Heuzenroeder als Polonius oder Wolfgang Stefan Schwaiger als Horatio, ob Joshua Bloom als Geist des Vaters oder Dino Lüthy als Laertes: Sie und alle anderen tragen mit ihrem Einsatz wesentlich zum Erfolg der Produktion bei. Nicht zu vergessen der stets verlässliche Chor der Kölner Oper und das Rheinstimmen-Ensemble als Geräusch-Chor.
Trotz aller Einwände verdient Brett Deans Hamlet als eine der wenigen bühnenwirksamen Opern-Produktionen unserer Zeit das volle Interesse des Publikums. Und das schlägt sich auch in der erfreulich guten Platzauslastung der zweiten Aufführung nieder.
Pedro Obiera