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Daniel Barenboim ist allem Neuen gegenüber aufgeschlossen. Er erweitert nicht nur ständig sein enormes Repertoire, sondern gibt auch immer wieder dem Opernregie-Nachwuchs eine Chance. Diesmal ist es der in diesem Genre debütierende Filmregisseur Damián Szifron. Dessen mehrfach preisgekrönte schwarze Episodenkomödie Wild Tales – Jeder dreht mal durch begeisterte den Dirigenten dermaßen, dass er ihm die Inszenierung von Samson et Dalila anvertraute.
Die von Camille Saint-Saëns komponierte Oper, deren Uraufführung 1877 in Weimar stattfand, basiert auf dem alttestamentarischen Buch vom scheinbar unbezwingbaren israelitischen Helden Samson und seiner Verführung durch die schöne Heidin Dalila. Sie entlockt ihm das Geheimnis seiner Kraft und kann ihn daraufhin gefangen nehmen. Im Gebet zu Gott findet Samson zu alter Stärke und bringt bei einem Fest den Tempel zum Einsturz. Samson et Dalila bietet ausreichend Potenzial für Aktualisierungen, doch Szifron widersteht dieser Versuchung. Er erzählt die biblische Geschichte komplett traditionell, abgesehen von einigen interpretatorischen Akzenten. Ein solcher ist eine Traumsequenz, die Samson und die schwangere Dalila als glücklich vereintes Paar zeigt, ein weiterer die Ermordung des Oberpriesters durch Dalila.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Entsprechend Szifrons Ansatz hat Étienne Plus naturalistische Bühnenbilder für die drei Akte entworfen. Die karge Steinlandschaft, die Felsenhöhle und der Dagon-Tempel könnten der Hollywoodverfilmung von Cecil de Mille entstammen, deren Plakate im Programmbuch abgedruckt sind, genauso wie die antiken Gewänder von Gesine Völlm. Es gibt einen lebendigen Wolfshund, der die Leiche eines Kindes beschnüffelt, es gibt Aufmärsche von Kriegern, die Totenköpfe als Trophäen mit sich tragen und ein üppiges Fest mit barbusigen Tänzerinnen und grausigen, von Jungen vollzogene Todesritualen.
Man mag diese Art von Inszenierung ablehnen, wie es ein Großteil des Publikums tut, doch ist sie in sich völlig stimmig und der ästhetische Schauwert ist hoch.

Und musikalisch ist sie großartig. Elīna Garanča, mit schwarzer Perücke, ist eine stimmlich betörende Dalila. Ihr verschwenderischer Mezzosopran verströmt von der tiefen Lage bis hin zur exponierten Höhe puren Wohllaut. Zur stimmlichen Erfüllung wird ihre große Arie, deren erste Strophe sie, perfekt die Phrasen modellierend, im Liegen singt. Explosives Agieren ist ihre Sache nicht, doch lässt die Darstellung ahnen, dass hinter der kühlen Beherrschung Leidenschaften lodern.
Ein vokaler Prachtkerl ist der Samson von Brandon Jovanovich. Er setzt seinen heldischen Tenor ohne Forcieren ein und besitzt auch die Fähigkeit zum kultivierten Piano. Michael Volle beweist einmal mehr stilistische Wandlungsfähigkeit. War er vor kurzem noch ein spieloperndeftiger Herr Fluth in Nicolais lustigen Weibern von Windsor, so ist er jetzt mit gebieterischem Bariton ein Oberpriester-Bösewicht par excellence. Kwangchul Youn ist eine Luxusbesetzung für den Kurzauftritt des Abimelech, ebenso Wolfgang Schöne für den alten Hebräer. Der von Martin Wright einstudierte Chor beeindruckt durch Wucht und homogene Fülle.
Für Daniel Barenboim ist die Bibeloper kein Neuland. Schon 1978 dirigierte er sie in der antiken Arena von Orange, eine Aufnahme mit Plácido Domingo und Elena Obraztsova als Samson und Dalila schloss sich an. Die Musik liegt ihm, und dass sie mehr zu bieten hat als Dalilas berühmte Arie Mon cœur s’ouvre à ta voix, macht seine bezwingende Interpretation deutlich. Mit der prächtig aufspielenden Staatskapelle breitet er einen üppigen Klangteppich aus: ein exquisites Amalgam aus orientalischer Koloristik, Instrumentierungsfinessen und französischem Parfüm.
Nach der fast ausverkauften Vorstellung bejubelt das Publikum die musikalische Leistung aller Beteiligten, das Regieteam hingegen bekommt reichlich Ablehnung zu spüren.
Karin Coper