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Psycho-Krimi zum 60. Geburtstag

DIE SACHE MAKROPULOS
(Leoš Janáček)

Besuch am
7. Dezember 2019
(Premiere)

 

Musik­theater im Revier, Gelsenkirchen

60 Jahre Musik­theater im Revier: Ein stolzes Alter, aber noch längst nicht der Pubertät entwachsen im Vergleich zu Emilia Marty, der alten, aber äußerst jung und attraktiv geblie­benen Dame, die bereits 337 Lebens­jahre auf dem Buckel hat. Sie ist die zentrale Figur in Leoš Janáčeks Oper Die Sache Makro­pulos, mit deren Premiere die Gelsen­kir­chener Oper ihr Jubilä­ums­wo­chenende erfolg­reich abschloss.

Ungeachtet des langan­hal­tenden Schluss­bei­falls zählt Die Sache Makro­pulos nicht zu den belieb­testen Opern Leoš Janáčeks. Die skurrile Geschichte um die steinalte Emilia hat in der Oper nicht nur den komödi­an­ti­schen Zungen­schlag der Vorlage von Karel Čapek verloren. Sie strahlt auch wenig von dem aus, was die Erfolgs­stücke Janáčeks ausmachen: die märchen­hafte Traumwelt des Schlauen Füchs­leins“ oder der harte Realismus der Jenufa. Ein Schleier kühler Distanz schwebt über der Oper, der einem das Schicksal der „unsterb­lichen“ Frau nicht so zu Herzen gehen lassen will wie die Katastrophen der anderen großen Frauen­fi­guren Janáčeks.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Auf der anderen Seite löst sich der Komponist damit erheblich radikaler von roman­ti­schen Vorbildern, so dass Die Sache Makro­pulos weiter als die meisten anderen Opern des Mähren in die Moderne ragt. Keine leichte Aufgabe, ein Stück um eine Frau zu stemmen, die wie aus dem Nichts auftaucht und sich aus unerfind­lichen Gründen in einen seit 100 Jahren schwe­lenden und mittler­weile juris­tisch völlig verfransten Erbschafts­streit mischt. Da weiß noch niemand, dass Emilia im Jahre 1611 durch einen Zauber­trank ihres alche­mis­ti­schen Vaters unsterblich werden sollte. Vom Erbstreit erhofft sie sich, in den Besitz des Elixier-Rezepts zu gelangen, um ihr Weiter­leben sichern zu können. Am Ende erkennt sie jedoch, dass ihre Angst vor dem Tod unbegründet ist und zeigt sich bereit zu sterben. Denn auch ein unend­liches Leben verspricht kein unend­liches Glück, nicht zuletzt im Umgang mit ihren vielen Liebhabern, die in ihrer Nähe die Kälte einer Todge­weihten zu spüren glauben.

Versuchte die Bonner Oper vor einem Jahr, die distan­zierte Kühle des Werks zu unter­streichen, beschreitet Dietrich W. Hilsdorf, der seine lange Karriere 1981 mit Tschai­kowskys Eugen Onegin am Musik­theater im Revier begann, einen diametral entge­gen­ge­setzten Weg. Er sieht das Werk als Psycho-Krimi, möchte es drama­tisch aufheizen, die theatra­li­schen Elemente betonen und ihm auch eine Prise des in der Oper verlo­ren­ge­gan­genen Humors der litera­ri­schen Vorlage zurück­geben. Eine Hitchcock-würdige Spannung wurde versprochen.

Foto © Karl und Monika Forster

Ein Versprechen, das Hilsdorf im letzten Akt auch weitgehend einlösen, während er in den konver­sa­ti­ons­las­tigen ersten beiden Akten auch keine Wunder an prickelnden Grusel-Schauern vollbringen kann. Gleichwohl versteht es Hilsdorf, der seinen Ruf als Provo­kateur seit langem hinter sich gelassen hat, mit seiner hier positiv gemeinten Routine, die Figuren lebendig zu führen, ihnen ein ausge­prägtes Profil zu geben und damit auch die langen Dialoge in den ersten Akten unter­haltsam zu gestalten. Richtig spannend wird es aber erst im letzten Akt, wenn sich die Rätsel auflösen und Hilsdorf ausnahms­weise die Handlung eigen­mächtig erweitert, indem Emilia nicht nur bereit ist, auf ihr Weiter­leben zu verzichten, sondern aktiv aus dem Fenster des Hotels springt. Und auch die Wirkung des Lebens­eli­xiers findet damit bei Hilsdorf nicht ihr Ende, sondern setzt sich in der Tochter des Kanzlei­vor­stehers Vitek fort. Disku­table und wirkungs­volle Eingriffe, die das Werk nicht entstellen, zumal Hilsdorf ansonsten regel­recht brav dem Libretto treu bleibt.

Und auch Dieter Richters Bühnen­bilder, ein gewal­tiger Akten­palast im ersten, eine leere Bühne im zweiten und ein etwas antiquiertes Hotel­zimmer im letzten Akt, lenken nicht vom Sinn des Werks ab.

Die farbige Tonsprache Janáčeks arbeitet Rasmus Baumann am Pult der Neuen Philhar­monie Westfalen leucht­kräftig und mit viel Gespür für die subtilen Fassetten der Partitur heraus, womit auch er zum spannungs­vollen Ablauf des straffen Abends wesentlich beiträgt. Letztlich getragen wird die Produktion von den vokalen und darstel­le­ri­schen Leistungen des elfköp­figen Ensembles, das sich ausnahmslos von seiner besten Seite zeigt.

Das trifft in beson­derem Maße auf Petra Schmidt als Emilia Marty zu, die die Anfor­de­rungen der Partie nicht nur stimmlich vorbildlich erfüllt, sondern auch die chamä­le­on­hafte Wechsel­wirkung als äußerlich jung gebliebene, innerlich jedoch bis an den Rand der Resignation gereiften Frau darstellen kann. Sonder­beifall erhält der verdienst­volle, über 80-jährige Tenor Mario Brell, ein Urgestein des Musik­theaters, für seinen Auftritt als alternder Verehrer Hauk-Schendorf. Stimmlich absolut gleich­wertig fechten Urban Malmberg als Jaroslav Prus und Martin Homrich als Albert Gregor ihre Erbstrei­tig­keiten aus. Khanyiso Gwenxane überzeugt als Janek Prus erneut mit seinem kulti­vierten lyrischen Tenor, auf gleichem Niveau präsen­tiert sich die Sopra­nistin Lina Hoffmann als Krista. Joachim G. Maaß als Notar Dr. Kolenaty und Timothy Oliver als Kanzlei­vor­steher Vitek runden das Ensemble nahtlos ab.

Insgesamt eine unspek­ta­kuläre, aber durchweg spannende und vorzüglich ausge­führte Produktion einer nicht sonderlich populären oder bequemen Oper. Der begeis­terte Beifall des Premieren-Publikums ist mehr als berechtigt.

Pedro Obiera

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