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DSCHAINAH – DAS MÄDCHEN AUS DEM TANZHAUS
(Paul Abraham)
Besuch am
22. Dezember 2019
(Premiere)
Heut‘ ist was los, so wird das sofort animierte Publikum in der Komischen Oper Berlin vom Chor begrüßt. Der mitreißende, gesungene Quickstepp eröffnet die Operette Dschainah – Das Mädchen aus dem Tanzhaus, und er stimmt auf einen Abend ein, in dem wirklich in jeglicher Hinsicht allerhand los ist. Komponist ist Paul Abraham, dessen Werk Hausherr Barrie Kosky seit einigen Spielzeiten ausgiebig feiert. Mit den Inszenierungen von Ball im Savoy und Roxy und ihr Wunderteam, wie auch durch semikonzertante Aufführungen, die traditionell das Ende eines Kalenderjahres einläuten, hat er maßgeblich für die Rehabilitation des von den Nationalsozialisten verfemten Künstlers gesorgt.
| Dirigent | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Orchester | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Solisten | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Programm | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Innerhalb dieser Konzertreihe ist Dschainah – Das Mädchen aus dem Tanzhaus die mittlerweile dritte Produktion und das bisher unbekannteste Stück. Dabei ist schon der reale Hintergrund bühnenreif. Als Hauptperson fungiert die japanische Sängerin Michiko Tanaka. Sie wird 19-jährig von ihren Eltern wegen einer Affäre nach Wien geschickt und heiratet dort den deutlich älteren, steinreichen Kaffeeunternehmer Julius Meinl. Er befördert ihre Karriere, indem er ihren ersten Film finanziert und dann einen Operettenauftrag mit fernöstlichem Sujet an Paul Abraham vergibt – die weibliche Hauptrolle übernimmt beide Male Michiko Tanaka. Dschainah – Das Mädchen aus dem Tanzhaus wird 1935 in Wien uraufgeführt, es ist das letzte originale Bühnenwerk von Abraham in der österreichischen Metropole, gefolgt nur noch von der deutschen Fassung von Roxy und ihr Wunderteam. Danach flieht der jüdischstämmige Komponist von Ungarn aus ins amerikanische Exil, wo er nicht Fuß fassen kann und psychisch erkrankt. Bittere Fußnote: Fast gleichzeitig heiratet Michiko Tanaka in zweiter Ehe den regimegetreuen Schauspieler Victor de Kowa. Das tut dem Ansehen des Paares nach 1945 keinen Abbruch. Es führt in der Bundesrepublik Deutschland weiter ein Leben in besten gesellschaftlichen Kreisen.

Dschainah – Das Mädchen aus dem Tanzhaus, das ist nach Willen der Librettisten eine Fantasieberufsbezeichnung für eine Art Geisha. Als solche arbeitet die Vietnamesin Lylo in einem Amüsierclub. Hier lernt sie der Marineoffizier Pierre, der kurz vor seiner Eheschließung mit der betuchten Pariserin Yvonne nach Saigon versetzt wird, kennen und lieben. Da aber die Heirat aus Erbschaftsgründen zu einem bestimmten Termin stattfinden muss, reist ihm die Hochzeitsgesellschaft nach Südostasien nach. Lylo wird abserviert, reist ihrerseits nach Paris und angelt sich dort eine gute Partie.
In Dschainah kreuzt Abraham große, fernöstlich kolorierte Gesangsoperette à la Das Land des Lächelns mit temperamentvoller Revue. Die Musik ist eine Steilvorlage für die Variabilität des Orchesters der Komischen Oper, die jeden gewünschten Stil lässig beherrscht. Angefeuert wird es vom Dirigenten Hendrik Vestmann, der sich zwischen Foxtrott, Tango und gattungsbedingtem Sentiment spürbar wohlfühlt.
Statt der ursprünglich als Moderatorin angekündigten Zazie de Paris, die sich auf die resolute Madame Cliquot beschränkt, führt Klaus Christian Schreiber durch die Handlung. Das gelingt ihm ganz wunderbar, mit trockenem Witz in Mimik und Sprache. Der zwischen zwei Frauen hin- und hergerissene Johannes Dunz als Pierre umschwärmt beide mit schmelzenden Tenortönen. Kein Wunder, dass er damit nicht nur die stimmlich leuchtende Yvonne alias Mirka Wagner betört, sondern auch die Dschainah Lylo von Hera Hyesang Park. Die Sopranistin ist mit ihrem raumgreifenden, innigen Gesang und der anmutigen Gestalt eine Idealbesetzung für die Rolle und gleichzeitig die Entdeckung des Abends. Das Buffopaar Talya Lieberman und Opernstudiomitglied Dániel Foki serviert seine erotisch prickelnden Nummern so gekonnt, dass jeder der flotten Soli und Duette zündet.
Am Ende der ausverkauften, heftig beklatschten Premiere strahlen Mitwirkende und Publikum um die Wette.
Karin Coper