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Mit kaum enden wollenden Ovationen feiert das Aachener Publikum die Premiere von David Bowies Musical Lazarus. Dank für eine ambitionierte, wenn auch nicht unproblematische Realisierung des dunklen Werks der Rock-Ikone durch die Schauspielabteilung des Theaters. Aus der Taufe gehoben wurde das Stück Ende 2015, wenige Wochen vor dem Tod des Stars. Im Bewusstsein des nahenden Todes entstanden, hebt es sich durch seine pessimistische Perspektive und das fehlende Happy End, aber auch durch den Verzicht auf eine klar erkennbare Handlung deutlich von Musical-Fabrikationen à la Lloyd Webbers und Co. ab. Auch wenn Bowie nur drei neue Songs für das Werk geschrieben hat und den musikalischen Hauptanteil mit vierzehn bekannten Titeln von This is not America bis Heroes besetzt, handelt es sich um mehr als eine Best-of-Parade.
Bowie knüpft an die Handlung seines ersten Films aus den 1970-er Jahren an, Der Mann, der vom Himmel fiel. Darin verkörpert Bowie den „humanoid-reptiloiden Alien“ Thomas Newton, der seinen austrocknenden Planeten verlässt, um auf der Erde Wasserreserven zu besorgen. Im Musical weilt Newton noch immer auf der Erde. Desillusioniert verbrachte er die letzten 30 Jahre mit Fernsehen und Gintrinken. Gefangen in einem Grenzbereich zwischen Leben und Tod sowie einer sich stetig wandelnden Umwelt, die auch vor Metamorphosen der Figuren nicht Halt macht. Das erschwert den Durchblick und angesichts der im Deutschen etwas hölzern wirkenden Dialoge kommt den Songs eine umso stärkere Bedeutung zu.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Auf Übertitel der englisch gesungenen Songs verzichtet man in Aachen, wohl im Vertrauen, dass die Texte jeder Besucher kennt. Was angesichts des sehr gemischten Premieren-Publikums allerdings nicht vorausgesetzt werden sollte. So ist es nicht einfach, Bezüge zwischen Song und Handlung herzustellen.

Da mit Ausnahme der Sopranistin Soetkin Elbers ausschließlich Schauspieler und keine ausgebildeten Sänger am Werk sind, fallen die gesanglichen Leistungen unterschiedlich aus. Benedikt Voellmy schlägt sich in der zentralen Rolle des Thomas Newton beachtlich. In Statur und mit der rötlich gefärbten Perücke stellen sich zwar Assoziationen an das berühmte Vorbild ein. Aber Voellmy verzichtet wohlweislich auf den Versuch, Bowie in Gesang und Aussehen zu kopieren. Was übrigens für die gesamte Produktion in der Regie von Christian von Treskow gilt. Mitunter tauchen Zitate aus den Filmen Bowies auf und auch das halbrunde, mit Türen besetzte Bühnenbild und die fantasievollen Kostüme von Sandra Linde und Dorien Thomsen greift auf bekannte Szenerien zurück. Doch man spielt dezent mit Elementen der Vorlagen, ohne sie imitieren zu wollen.
Gespielt wird intensiv, allerdings wirkt und klingt alles ein bis zwei Klassen gezähmter und braver als es der Stoff zuließe. Ein düsteres Musical, in dieser Machart aber für die ganze Familie geeignet. Musikalisch exzellent und fetzig von einer siebenköpfigen, auf einer Empore postierten Band unter Leitung von Malcolm Kemp getragen. Auf gleicher Höhe mit der kapriziösen, stimmlich sattelfesten Elbers als beste Sängerin. Dicht gefolgt von Alexander Wanat in der Rolle des hintergründig schillernden, sich mephistophelisch wandelnden Valentine. Vor allem darstellerisch überzeugt Stefanie Rösner als Elly, die gute Seele Newtons. Und auch Voellmy als Newton gelingt eine überzeugende Rollenstudie der komplexen, psychisch entwurzelten Figur.
Starker Beifall für eine unterhaltsame, stubenreine Version des Bowie-Musicals.
Pedro Obiera