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Foto © Marie-Luise Manthei

Stubenreines Bowie-Musical

LAZARUS
(David Bowie, Enda Walsh)

Besuch am
18. Januar 2020
(Premiere)

 

Theater Aachen

Mit kaum enden wollenden Ovationen feiert das Aachener Publikum die Premiere von David Bowies Musical Lazarus. Dank für eine ambitio­nierte, wenn auch nicht unpro­ble­ma­tische Reali­sierung des dunklen Werks der Rock-Ikone durch die Schau­spiel­ab­teilung des Theaters. Aus der Taufe gehoben wurde das Stück Ende 2015, wenige Wochen vor dem Tod des Stars. Im Bewusstsein des nahenden Todes entstanden, hebt es sich durch seine pessi­mis­tische Perspektive und das fehlende Happy End, aber auch durch den Verzicht auf eine klar erkennbare Handlung deutlich von Musical-Fabri­ka­tionen à la Lloyd Webbers und Co. ab. Auch wenn Bowie nur drei neue Songs für das Werk geschrieben hat und den musika­li­schen Haupt­anteil mit vierzehn bekannten Titeln von This is not America bis Heroes besetzt, handelt es sich um mehr als eine Best-of-Parade.

Bowie knüpft an die Handlung seines ersten Films aus den 1970-er Jahren an, Der Mann, der vom Himmel fiel. Darin verkörpert Bowie den „humanoid-repti­loiden Alien“ Thomas Newton, der seinen austrock­nenden Planeten verlässt, um auf der Erde Wasser­re­serven zu besorgen. Im Musical weilt Newton noch immer auf der Erde. Desil­lu­sio­niert verbrachte er die letzten 30 Jahre mit Fernsehen und Gintrinken. Gefangen in einem Grenz­be­reich zwischen Leben und Tod sowie einer sich stetig wandelnden Umwelt, die auch vor Metamor­phosen der Figuren nicht Halt macht. Das erschwert den Durch­blick und angesichts der im Deutschen etwas hölzern wirkenden Dialoge kommt den Songs eine umso stärkere Bedeutung zu.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Auf Übertitel der englisch gesun­genen Songs verzichtet man in Aachen, wohl im Vertrauen, dass die Texte jeder Besucher kennt. Was angesichts des sehr gemischten Premieren-Publikums aller­dings nicht voraus­ge­setzt werden sollte. So ist es nicht einfach, Bezüge zwischen Song und Handlung herzustellen.

Foto © Marie-Luise Manthei

Da mit Ausnahme der Sopra­nistin Soetkin Elbers ausschließlich Schau­spieler und keine ausge­bil­deten Sänger am Werk sind, fallen die gesang­lichen Leistungen unter­schiedlich aus. Benedikt Voellmy schlägt sich in der zentralen Rolle des Thomas Newton beachtlich. In Statur und mit der rötlich gefärbten Perücke stellen sich zwar Assozia­tionen an das berühmte Vorbild ein. Aber Voellmy verzichtet wohlweislich auf den Versuch, Bowie in Gesang und Aussehen zu kopieren. Was übrigens für die gesamte Produktion in der Regie von Christian von Treskow gilt. Mitunter tauchen Zitate aus den Filmen Bowies auf und auch das halbrunde, mit Türen besetzte Bühnenbild und die fanta­sie­vollen Kostüme von Sandra Linde und Dorien Thomsen greift auf bekannte Szenerien zurück. Doch man spielt dezent mit Elementen der Vorlagen, ohne sie imitieren zu wollen.

Gespielt wird intensiv, aller­dings wirkt und klingt alles ein bis zwei Klassen gezähmter und braver als es der Stoff zuließe. Ein düsteres Musical, in dieser Machart aber für die ganze Familie geeignet. Musika­lisch exzellent und fetzig von einer sieben­köp­figen, auf einer Empore postierten Band unter Leitung von Malcolm Kemp getragen. Auf gleicher Höhe mit der kapri­ziösen, stimmlich sattel­festen Elbers als beste Sängerin. Dicht gefolgt von Alexander Wanat in der Rolle des hinter­gründig schil­lernden, sich mephis­to­phe­lisch wandelnden Valentine. Vor allem darstel­le­risch überzeugt Stefanie Rösner als Elly, die gute Seele Newtons. Und auch Voellmy als Newton gelingt eine überzeu­gende Rollen­studie der komplexen, psychisch entwur­zelten Figur.

Starker Beifall für eine unter­haltsame, stuben­reine Version des Bowie-Musicals.

Pedro Obiera

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