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Musik in den Haaren

LA CENERENTOLA
(Gioachino Rossini)

Besuch am
18. Januar 2020
(Premiere)

 

Theater Osnabrück

Nach dem schwung­vollen Falstaff wird mit Rossinis La Cenerentola ein weiteres Mal in dieser Jubilä­ums­saison unter­haltsam gefeiert. Das Osnabrücker Sympho­nie­or­chester wird 100 Jahre alt, und man darf vorweg­nehmen, dass es sich in der italie­ni­schen Nähma­schi­nen­musik als würdig und versiert erweist. Ein gutes Timing in den Abläufen ist bei dieser Musik die halbe Miete, und Regis­seurin Béatrice Lachaussée zeigt, dass sie die Komödie beherrscht. Innovativ ist ihre Arbeit nur bedingt. Da wird das landläufige Muster der Bewegungen von promi­nenten Kollegen von Jean-Pierre Ponelle bis Cesare Lievi aufge­griffen, aber zusammen mit der Bühnen- und Kostüm­bild­nerin Nele Ellegiers bekommt das Märchen von Aschen­puttel seinen ganz eigenen Charme.

Nicht bei den Gebrüdern Grimm haben sich Rossini und sein Librettist Ferretti bedient, sondern in einer franzö­si­schen Version. Das italie­nische Aschen­puttel – Cenerentola – heißt hier Angelina und steht unter der Knute eines chole­ri­schen wie trotte­ligen Stief­vaters Don Magnifico, der zwei giftige und arrogante Töchter namens Clorinde und Tisbe hat. Bei Ellegiers schlafen sie wie die Prinzessin auf der Erbse auf einem Stapel Matratzen, während Angelina den Boden wienert. Mit viel Liebe zum Detail ist gerade diese erste Szene ausge­ar­beitet, die zudem noch durch eine ausge­feilte Inter­aktion auffällt. Mit Leggins und „Leolook“ bedient sich Ellegiers bei den Kostümen der Moderne, die aber auch immer wieder an histo­rische Kleidungs­stücke erinnern. Der Chor der Höflinge darf dann in Shorts, Hemd und Fliegen alle Auftritts­mög­lich­keiten des Bühnen­bildes ausnutzen. Zum Schießen jeden­falls sind die grandiosen Frisuren, als wäre die Musik Rossinis ihnen wie ein Fön durch die Haare gesaust. Die Auftritts-Choreo­grafie auf dem Pferde­tandem ist je nach Gemüts­zu­stand des Zuschauers albern oder komisch.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Überhaupt sind schnelle Auf- und Abtritte ein den Abend durch­zie­hendes Muster in der Perso­nen­führung. So ist der Männerchor fast immer nur zu seinen Einsätzen auf der Bühne und muss ebenso schnell wieder verschwinden. Die zahlreichen Möglich­keiten zum Betreten und Verlassen der Bühne werden auf jeden Fall hinrei­chend genutzt, aber auch auf der Bühne wird Rossinis Musik ausgiebig in Bewegungen übertragen. Von der Zeitlupe bis zur Überzeichnung wird jedes Stilmittel der Komödie benutzt, leider in den Konturen manchmal noch etwas unscharf, aber das wird sich dank des bewegungs­freu­digen Ensembles über die nächsten Vorstel­lungen einspielen.

Bereits einge­spielt tritt das Osnabrücker Sympho­nie­or­chester in Erscheinung. Schon die Ouvertüre wird blitz­sauber und akkurat vorge­tragen. Die Holzbläser haben einen sehr guten Abend erwischt, und die Streicher sind der voran­trei­bende Motor. Was dem Dirigat von Daniel Inbal noch fehlt, ist das vollständige Ausnutzen von Modula­tionen in der Lautstärke. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Schließlich erlebt man es nicht alle Tage, dass eine Cenerentola ohne nennens­werte Patzer vorge­tragen wird. Inbal, dessen Locken­pracht im Orches­ter­graben hin und her wirbelt, lässt schnell genug aufspielen, um den Wahnsinn von Rossinis Partitur einzu­fangen, aber noch so moderat, dass die Sänger rhyth­misch folgen können. Bestes Beispiel dafür ist die Stretta im ersten Finale, die man selten live so präzise hört.

Foto © Jörg Landsberg

Hier mischt sich der mutig und quirlig auftre­tende Männerchor – Einstu­dierung: Sied Quarré – mit einem versierten wie spiel­freu­digen Ensemble. Olga Privalova ist keine Kitsch-Angelina, sondern begeistert mit boden­ständig-natür­lichem Material, das in manchen Höhen minimal an die Grenze stößt, dafür aber auch die Kolora­turen in allen Tonlagen meistert. Mit ihrem Prinzen liefert sie sich ein traumhaft schönes Duett. Miloš Bulajić klingt in der Tiefe noch etwas bemüht, aber je höher er steigt, desto freier schwingt die Stimme. Wenn er sich zu Noi voleremo auf die Suche nach seiner Angebe­teten macht, sendet er einen strah­lenden Ton nach dem anderen voraus. Was ihm fehlt, ist etwas mehr Lust an der Darstellung. Das wird umso deutlicher, weil er dieses Bühnentier Jan Friedrich Eggers an seiner Seite hat. Der beherrscht nicht nur alle Arten der Komik und Mimik, sondern setzt mit seinem Bariton auch das Parlando des Dandini bravourös um. Genadijus Bergorulko übertreibt die Albern­heiten des Don Magnifico zum Glück nicht, sondern findet auch einige ernste Facetten in der aufge­blähten Vater­figur. Leider wird ihm seine zweite Arie gestrichen, vermutlich, weil sie seiner Stimme etwas zu hoch gelegen hätte. Erika Simons und Gabriella Guifoil sind als Schwestern Clorinda und Tisbe schön zickig und biestig. Glück­li­cher­weise verlassen sie sich nicht nur auf ihre darstel­le­ri­schen Quali­täten, sondern geben ihren Rollen auch vokal ein hörens­wertes Profil. Mit indivi­du­ellem Bass kann José Gallisa als Alidoro eigene Akzente in den Ensembles setzen und bewältigt sogar die ungemein schwierige Arie La del ciel. Etwas störend ist nur sein deutlich verfärbtes Italienisch.

Dem Publikum macht diese Premiere richtig viel Spaß. Das merkt man schon dem häufigen Zwischen­ap­plaus an. Am Ende wird begeistert für die Musiker geklatscht, während des Regieteam fast einfach nur zur Kenntnis – aller­dings auch ohne Ablehnung – genommen wird. Mit langem Applaus geht die erste Premiere von 2020 in Osnabrück zu Ende.

Rebecca Hoffmann

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