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Foto © Matthias Stutte

Dreifacher Beethoven

BEETHOVEN!
(Robert North)

Besuch am
25. Januar 2020
(Urauf­führung)

 

Theater Krefeld Mönchen­gladbach, Krefeld

In diesem Jahr wäre der Komponist Ludwig van Beethoven 250 Jahre alt geworden. Und die Klassik-Szene macht daraus den Super-Hype. Am Ende dieses Jahres werden wir mit einem gewal­tigen Kater aufwachen und mindestens fünf Jahre lang keinen Beethoven mehr hören wollen. Wie schade. Aber das ist egal. Wer nicht auf den Zug aufspringt, findet keine Beachtung. Ob Klavier-Solo, Kammer­musik, Musik­theater oder großes Orchester: Jede Gattung hat den Meister zu feiern. Das Ballett auch. Wie, Beethoven hat Ballett­musik geschrieben? Nein, hat er nicht. Aber das ist ja kein Grund, auf ein Ballett über ihn zu verzichten. Das Theater Krefeld Mönchen­gladbach zumindest findet das. Und so bekommt der Choreograf Robert North Gelegenheit, ein Werk über das Leben des späterhin gehör­losen Kompo­nisten zu schaffen. Der Clou: General­intendant Michael Grosse ist auf der Bühne mit von der Partie.

North hält sich am Theater Krefeld Mönchen­gladbach bis in alle Ewigkeit, weil er für volle Häuser sorgt. Er zeigt Ballett für die Alten, für die, die den inzwi­schen längst aufge­lösten Fernseh­bal­letten nachtrauern. Und so kommen die Alten. Auch an diesem Abend ist das Haus in Krefeld bis auf den letzten Platz besetzt. Der berüch­tigte Silbersee ist in den Saal geschwappt. Und North hält auch diesmal alle Zutaten bereit, um bei Menschen im Pensi­ons­alter für maximale Begeis­terung zu sorgen. Was daran falsch ist? Nichts. Man muss es halt wissen, um sich für einen Besuch zu entscheiden. Auch bei Beethoven!, der Urauf­führung, die heute Abend statt­findet, wird sich daran wenig ändern. Denn North hat sich wieder allerhand einfallen lassen, um die Geschmäcker der Generation 65+ zu befriedigen.

POINTS OF HONOR

Musik



Tanz



Choreo­grafie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Luisa Spinatelli hat eine üppige Bühne wie auch biedere Kostüme entworfen. Im Hinter­grund ist eine Leinwand aufge­hängt, auf der Projek­tionen gezeigt werden. Zwischen­zeitlich wird eine weitere Leinwand als drama­tur­gi­sches Element herab­ge­lassen. Davor sind einzelne Blöcke aufge­stellt, die im Laufe des Geschehens verschoben werden können. Immer wieder im Mittel­punkt steht ein Flügel, der auf einem fahrbaren Podium aufgebaut ist. Der wird bei Bedarf auf die Bühne geschoben. Kleinere Requi­siten ergänzen das Bühnenbild. Und bis dahin ist alles gut. Die Kostüme aller­dings sind alles andere als aufregend. Prüderie ist das Wort der Stunde. Bei aller Vielfalt und Fantasie, die Spinatelli vor allem in die fließenden Stoffe gesteckt hat, gibt es bei den Tänze­rinnen auf Gedeih und Verderb boden­lange Kleider, die an die Zeit Beethovens erinnern sollen. Hier wird nicht nur Lange­weile produ­ziert, sondern vor allem der Blick auf die Beinarbeit der Tänze­rinnen verhindert. Warum geht man ins Ballett? Gelinder fällt die Lösung bei den Herren aus, die im Frack oder in Solda­ten­uni­formen tänzeln. Abstrus wird es dann, wenn der Hirte auftritt. Bitte schön, der „Einritt“ Bonapartes ist schon so peinlich, da braucht es nicht noch einen Hirten im Schafsfell mit Pan-Flöte. Den Namen des Licht­bildners, der hier mit geschickten Effekten, ohne zu übertreiben, leuchtet, verschweigt das Theater.

Foto © Matthias Stutte

In der Bewegungs­sprache strahlt North mit zwei, drei Einfällen, die er dann permanent wiederholt. Das ist zu wenig für eine Compagnie, die derart präzise und lustvoll tanzt. Immerhin ist ihm die Idee zuzurechnen, Beethoven in drei Personen aufzu­spalten. Und damit gelingt ihm der Clou des Abends. Denn er hat den General­inten­danten Michael Grosse gewinnen können, die Sprech­rolle zu übernehmen. Ihm zur Seite stehen André Parfenov am Klavier und Tänzer Alessandro Borghesani, der viel mehr zu zeigen im Stande gewesen wäre. Grosse macht aus dem Abend einen Haupt­gewinn. Fehlerfrei intoniert er einen Beethoven, der abseits jeglicher Klischees durch den Abend führt. Und wenn er seinen Appell an das Publikum richtet, gibt es kein Halten mehr. Die zahlreichen Zwischen­ap­plause finden hier ihren vorläu­figen Höhepunkt. Zu Recht. Und wenn er den Thron besteigt, aber nein, das muss man selbst hören.

Blamabel für ein Stadt­theater, das über ein eigenes Orchester verfügt, ist die Musik dieses Abends. Zwar beweist Parfenov einmal mehr, dass er am Klavier zuhause ist, aber der Rest der Musik, die von Johannes Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart und John Cage stammt, kommt über den Lautsprecher – in grottiger Qualität. Hier muss für die kommenden Vorstel­lungen unbedingt nachge­ar­beitet werden. Wenn man schon die Chance verpasst, die Musik live aufzu­führen. Einen Boogie oder eine Percus­sions-Gruppe mit dem eigenen Orchester zu Gehör zu bringen, wäre ein echter Gewinn gewesen. Das Publikum inter­es­siert das nicht.

Mit dem Schluss­vorhang springen die ersten Gäste auf, applau­dieren frene­tisch und johlen, als gäbe es kein Ende mehr. Einmal mehr ist es North gelungen, die Alten auf ganzer Ebene zu gewinnen. Und zu den kommenden Auffüh­rungen werden wieder die Leute aus den Alten­heimen mit Bussen abgeholt. Also alles gut in Krefeld.

Michael S. Zerban

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