O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
A MIDSUMMER NIGHT’S DREAM
(Benjamin Britten)
Besuch am
26. Januar 2020
(Premiere)
Genauso wie die Vorlage von William Shakespeare ist der Mittsommernachtstraum ein Märchen für Erwachsene. Wie erzählt man ein solches Märchen im 21. Jahrhundert? Wie kann man dieses 1960 entstandene Meisterwerk der Orchestrierung durchschimmern lassen? Eine Produktion mit üppigen Fantasiekostümen und entsprechendem Bühnenbild ist zwar eine Lösung, kann aber ganz leicht ins Kitschige umkippen. Eine andere Variante wäre mit vielem digitalen Schnickschnack und holografischen Effekten, käme aber den meisten Opernbudgets zu teuer. Bleibt eigentlich nur die entgegengesetzte Variante – kein Bühnenbild, es wird alles der eigenen, blühenden Fantasie überlassen. Die Variante haben sich Regisseur Ted Huffman und seine Bühnenbildnerin Marsha Ginsberg ausgesucht. Es funktioniert hervorragend! Nur einige wenige Requisiten wie eine Leiter, die zum Mond führt, oder eine Wolke, die Trübsal ankündigt, genügen vollkommen, um eine Stimmung vor dem grauen Panorama der ersten Hälfte herzustellen. Kostümbildnerin Annemarie Woods steckt alle Charaktere in eine recht trostlose Einheitsmode – die Elfen tragen hellgraue, formelle Hosenanzüge, die Menschen schmucklose Gewänder aus der Mitte des 20. Jahrhunderts.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Glissando-Streicher führen in die Welt der Feen und ihre Herrscher Oberon und Tytania ein. Nicht alles ist in Ordnung mit ihrer Beziehung, und Oberons Versuch, die Zuneigung seiner Frau durch einen Zaubertrank zurückzugewinnen, löst eine Reihe von Ereignissen aus, die letztendlich zeigen, dass diese Wesen in Bezug auf Eifersucht und Gier sich nicht so sehr von Menschen unterscheiden. Zwei junge Menschenpaare und eine Truppe von Handwerkern werden in die Mischung geworfen, um die Handlung zu komplizieren. Oberons Diener Puck, eine sprechende Partie, dient als Erzähler und Vermittler zwischen den beiden Welten und schwebt mit Zylinder vom Himmel herab.
Nach der eher schleppenden Handlungsentwicklung der ersten Hälfte wird die zweite Hälfte mit dem von den Handwerkern aufgeführten Theaterstück verzaubert. Auch jetzt kein Bühnenbild – nur wird alles in rotes Licht getaucht. Dazu kommen noch sechs Stühle für die Hochzeitsgesellschaft der Menschen, und schon ist die Bühne für das Amateur-Theaterstück der Handwerker fertig: Sam Pinkleton choreografiert zwei überlebensgroße Pappmaché-Puppen, die die Liebesgeschichte von Pyramus und Thisbe darstellen, etwas tolpatschig, aber liebevolle von den Handwerkern geführt. Die Produktion ist einfach und sparsam, dennoch skurril und charmant und lädt das Publikum ein, sich auf Brittens bezaubernde Musik und Shakespeares kluge Farce zu konzentrieren.

Zielgerecht leitet Donald Runnicles das Orchester der Deutschen Oper Berlin mit den harmonisch fließenden Melodien von Britten. Die Holz- und Blechbläser, insbesondere die Trompeten, setzten sich gegen weiche und schimmernde Streicher und unterstreichen das komödiantische Zusammenspiel von Elfen- und Menschenwelt. Die Feen werden vom Kinderchor gesungen und gespielt. Christian Lindhorst fokussiert ihren Klang ins Überirdische.
Mittsommernachtstraum verlangt nach einer großen Besetzung, die hier nahezu samt und sonders aus dem Ensemble der Deutschen Oper stammt. Die Sänger sind mit Engagement und Begeisterung dabei und widmen sich voll und ganz den körperlichen und gesanglichen Anforderungen des Werkes. Countertenor James Hall ist Oberon, mit klarer Sprache und Stimme, wenn auch wenig ausdrucksstark. Dagegen ist seine Tytania, Sopran Siobhan Stagg, eine energische Feenkönigin mit glänzenden Koloraturen. Mezzo Annika Schlicht beeindruckt sowohl stimmlich wie darstellerisch als Hippolyta. Dagegen kann ihr Partner Bass Padraic Rowan, der die Partie des Fürsten Theseus innehat, nur ein Schattendasein fristen. Unter den jungen Liebhabern beeindruckt Mezzo Karis Tucker als Hermia mit ihrer Bühnenpräsenz und einem warmen und sympathischen Gesang. Tenor Gideon Poppe ist ein zarter Lysander, während Bariton Samuel Dale Johnson den Demetrius sonor besingt. Sopran Jeanine De Biques Helena ist lebhaft und charmant. Bei den Handwerkern ist der Bottom von James Platt hervorzuheben – ein resonanter Bass mit großartigem komischem Timing. Schauspieler Jami Reid-Quarrell springt als Puck mit großer Energie auf der Bühne herum und rezitiert Shakespeares Zeilen. Somit hat er auch das letzte Wort und wünscht dem Publikum Lebewohl und eine gute Nacht.
Einhelliger Applaus für die Solisten und das gesamte Ensemble.
Zenaida des Aubris