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Es ist still geworden um Albert Lortzing. Selbst Wildschütz und Zar und Zimmermann, einst noch vor wenigen Jahrzehnten feste Bestandteile des Standard-Repertoires, begegnet man mittlerweile so selten, dass Lortzing in der revidierten Neuauflage des an sich vorzüglichen Handbuchs der Oper von Rudolf Kloiber nur noch beiläufig erwähnt wird, während die an Interesse gewonnenen Opern Giacomo Meyerbeers wesentlich größere Beachtung finden als noch in den älteren Auflagen.
Angesichts der nicht gerade überwältigenden Fülle an guten musikalischen Komödien ist das Desinteresse an den besten Opern Lortzings nur aus dem fragwürdigen Umstand zu erklären, dass man nie ernsthaft die verzerrte Rezeption seiner Stücke hinterfragt und korrigiert hat. Lortzing als biederer Vertreter des Biedermeiers, als Lieferant für Klamotten mit angenehmer Musik: Ein Bild, das der gedanklichen Brillanz seiner scharf gezeichneten Gesellschafts- und Zeit-Satiren nie gerecht wurde und einer dringenden Richtigstellung bedarf. Immerhin verdanken wir Lortzing mit Regina die einzige deutschsprachige Revolutionsoper des 19. Jahrhunderts, die musikalisch allerdings nicht mit der Originalität der Zar-und-Zimmermann-Satire konkurrieren kann.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Dass das Hagener Theater überhaupt einen Lortzing aufs Programm setzt, allein dieser Schritt verdient Anerkennung. Auch wenn die Neuproduktion von Zar und Zimmermann dem ironischen Feinschliff des Stücks nicht rundum gerecht wird, und die pointierte Kritik an der restriktiven, freiheitsfeindlichen Politik der Metternich-Ära nur recht harmlos angebracht wird: Regisseur Holger Potocki verzichtet auf vordergründigen Klamauk und unterstreicht die politische Dimension des Stücks. Das kleine niederländische Fischerdörfchen Saardam wird urplötzlich zum Schauplatz der Weltgeschichte, auf dem der Zar und Gesandte aus Frankreich, England und Preußen Ränke schmieden und aufeinandertreffen. Natürlich heimlich und misstrauisch. Der vor Selbstüberschätzung triefende Bürgermeister des Dorfes führt die kritische Situation vollends ins Chaos. Potocki verlagert die Handlung in ein aufstrebendes, modernes Dorf, das durch ein erfolgreiches Rüstungsunternehmen zu einigem Wohlstand gekommen ist und damit das Interesse der Fremdmächte auf sich gezogen hat. Bürgermeister van Bett agiert denn auch nicht als polternder Dummkopf, sondern sein geistiger Horizont wird durch den einseitigen Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung eingeschränkt, so dass er weder die Pläne der fremden Mächte noch die Sorgen umweltbewusster Bürger wahr- und ernst nimmt.

Eine ökologische Widerstandsgruppe, die mit Fuchsmasken immer wieder in seine Kommandozentrale eindringt, nervt ihn zwar, irritiert ihn aber nicht. Pfiffig, dass Potocki den in diesem Kontext anachronistischen Holzschuhtanz von den verkleideten und kräftig aufstampfenden Öko-Füchsen ausführen lässt, die sich am Ende zu erkennen geben und das Fest empfindlich aufmischen. Ein Ansatz, der die Gefährlichkeit der politischen Einäugigkeit des Bürgermeisters andeutet, der aber nicht konsequent zu Ende geführt wird. Potocki musste für sein Konzept die gesprochenen Dialoge neu fassen und teilweise erweitern. Die Aktualisierung des Stoffs geht nicht immer nahtlos mit der Handlung und der Musik d‘accord, entfernt sich aber nicht allzu weit von der Essenz des Stücks.
Entsprechend zeigt das Bühnenbild von Lena Bresendorff eine Industrielandschaft und van Bett regiert in einem nüchternen Office. Die Kostüme sind der heutigen Zeit angepasst.
Vom Esprit der Musik, die Lortzings Idol Mozart nähersteht als volkstümelndem Volkstheater, lässt Rodrigo Tomillo am Pult des Philharmonischen Orchesters Hagen eine Menge hören. Eine gute Grundlage für eine mehr als solide vokale Ausführung der nicht einfachen Partien. Der van Bett von Markus Jausch könnte zwar etwas mehr Schwärze in den Bassregistern vertragen, doch bietet der Sänger eine äußerst agile und stimmlich überzeugende Darstellung der zentralen Figur. Selbst wenn er sich in der Unterhose blamiert. Da kann Kenneth Mattice als Peter Michailow alias Zar Peter nicht mithalten. Über den ganzen Premierenabend kann sich der Bariton nicht richtig freisingen. Was man von dem jungen Liebespaar nicht sagen kann. Richard van Gemert als Peter Iwanow präsentiert sich stimmlich und darstellerisch ebenso frisch wie Marie-Pierre Roy als Marie. Den feinen Marquis de Chateauneuf mit dem urvitalen, vorzüglich singenden Tenor Musa Nkuna als Rapper auftreten zu lassen, gehört zu den mehr oder weniger originellen Gags der Inszenierung.
Dem Chor kommt eine große Rolle zu, die die Hagener Sänger sehr verlässlich ausführen. Das Hagener Premieren-Publikum im nahezu ausverkauften Theater reagiert sichtlich vergnügt auf den unterhaltsamen Abend.
Pedro Obiera