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Szenen aus dem Kloster

SUOR ANGELICA
(Giacomo Puccini)

Besuch am
2. Februar 2020
(Premiere am 1. Februar 2020)

 

Philhar­monie Berlin

Das so genannte Education-Programm der Berliner Philhar­mo­niker hat es sich zur Aufgabe gemacht, genera­ti­ons­über­greifend und quer durch alle Gesell­schafts­schichten, Freude an klassi­scher Musik zu wecken. Vielseitig sind die Mittel dieser Form der musika­li­schen Bildung: Es gibt Konzerte für Kinder und Jugend­liche, Workshops, Projekte mit ausge­grenzten Menschen – in dieser Saison sind es Straf­ge­fangene – und es gibt die Vokal­helden: Laien­chöre für alle Alters­gruppen, die an profes­sio­nellen Veran­stal­tungen beteiligt sind.

Und immer sind als Motoren musika­lische Spitzen­kräfte dabei, vorneweg Sir Simon Rattle, der vor fast 20 Jahren mit dem Tanzspek­takel Le Sacre du printemps das Programm furios initiiert hatte und zuletzt moderne Opern dirigierte, die auf das Konzept zugeschnitten waren. Sein Nachfolger Kirill Petrenko setzt das Engagement fort. Als Einstand wählt der neue Philhar­mo­niker-Chef Suor Angelica, das lyrische Mittel­stück von Giacomo Puccinis Dreiteiler Il Trittico, das er bereits im Ganzen in München dirigiert hat.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Die Tragödie einer jungen Frau, die nach der Geburt ihres unehe­lichen Sohnes von der Familie ins Kloster verbannt wird, dort durch ihre Tante von seinem Tod erfährt und darauf den Freitod sucht, ist vom Stoff her ungewöhnlich für ein Education-Programm. Doch mag die Zeitlo­sigkeit des Mutter-Kind-Themas ausschlag­gebend für die Wahl gewesen sein, zumal die Kurzoper viele kleine Rollen für junge Künst­le­rinnen bietet.

Nicola Hümpel, Regis­seurin der renom­mierten Perfor­mance-Truppe Nico and the Navigators, die gerade in Hannover mit Rossinis Barbiere di Siviglia einen Riesen­erfolg hatte, aktua­li­siert Suor Angelica dezent und bezieht das Schicksal von Kindern, die von Krieg und Hunger bedroht sind, mit ein – samt im Programmheft abgedrucktem Spenden­aufruf für ein Kriegs­kin­der­projekt im Kongo.

Foto © Michael Trippel

Die Nonnen sind eine Gemein­schaft von Außen­sei­te­rinnen. In einem zugefügten Klavier-Prolog aus Puccini-Motiven stellen sie sich nachein­ander vor. Dann folgt die Oper, in der Hümpel mittels synchroner Bewegungen, rituellen Handlungen und tänze­ri­scher Skizzen das einengende Kloster­leben visua­li­siert. Dazu werden auf einer Leinwand die Gesichter in Großauf­nahme einge­blendet – ein Charak­te­ris­tikum der Navigators und ihres Bühnen­ge­stalters Oliver Proske. Faith to Face, Glaube an das Gesicht, so heißt ja der Unter­titel. Auch den Auftritt und Abgang der Tante sieht man zunächst per Video. Sie steigt aus einem Taxi und wandert durch das Foyer der Philhar­monie, bis sie schließlich die Bühne betritt. Später, nach ihrem spannungs­ge­la­denen Duett mit Angelica, wird sie sich in der Bar betrinken.

Doch im Grunde ist so viel szeni­scher Aktio­nismus gar nicht nötig. Weil sie von der Musik ablenkt und man doch jeden Takt intensiv aufnehmen möchte. Denn unter den Händen von Kirill Petrenko wird Puccinis Partitur zur Haupt­at­traktion. Allein schon, weil der Dirigent sie mit so viel Hingabe zelebriert. Wie er die Musik organisch fließen lässt, dabei feinste dynamische Abstu­fungen und Klang­farben heraus­ar­beitet: Das macht die Aufführung zum Ereignis. Dass die Stipen­diaten der Karajan-Akademie Petrenkos Zeichen­gebung mit größter Aufmerk­samkeit verfolgen und in einen magischen Sound umsetzen, versteht sich von selbst.

Die Angelica von Ann Tomey steigert sich nach verhal­tenem Beginn zu ergrei­fender vokaler und darstel­le­ri­scher Inten­sität, die von leuch­tenden hohen Cs gekrönt wird. Katarina Dalayman strahlt als Tante majes­tä­tische Autorität aus und imponiert mit einem profunden Alt. Die Nonnen werden von Nachwuchs­kräften gesungen, von denen manche noch Studen­tinnen sind. Stell­ver­tretend für das hohe stimm­liche Niveau der Solis­tinnen sei die Äbtissin von Daniela Vega genannt. Und auch die Vokal­hel­dinnen zeichnen sich durch absolute Homoge­nität aus.

Großer Jubel in der ausver­kauften Philhar­monie nach einer denkwür­digen Education-Aufführung.

Karin Coper

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