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ALTAR BOYZ
(Kevin Del Aguila, Gary Adler, Michael Patrick Walker)

Besuch am
8. Februar 2020
(Premiere am 15. Januar 2019 in der Bar jeder Vernunft)

 

Tipi am Kanzleramt, Berlin

OFFstage Germany, so nennt sich ein 2017 gegrün­deter Verein aus profes­sio­nellen Kunst­schaf­fenden, der Off-Musicals vom New Yorker Broadway oder vom Londoner Westend in Deutschland, speziell in Berlin und Hamburg, zu mehr Aufmerk­samkeit verhelfen möchte. Den Auftakt machte vor zwei Jahren der Zweiper­sonen-Musik­krimi Thrill Me. Im Januar vergan­genen Jahres holte man die deutsche Erstauf­führung von Altar Boyz in den Berliner Klein­kunst­tempel Bar jeder Vernunft, wo der Erfolg so groß war, dass die Produktion in das größere Tipi am Kanzleramt umzog.

Altar Boyz wurde 2005 am Off-Broadway urauf­ge­führt und entwi­ckelte sich dort mit einer fünfjäh­rigen Spiel­dauer zu einer der erfolg­reichsten Shows.

Sie handelt von einer fiktiven, christlich geprägten, ameri­ka­ni­schen Boy Band und dem letzten Abend ihrer Sensation Christ Tour. Während der Show, die Gottes Stimme aus dem Off persönlich anleitet, kommt eine neu entwi­ckelte Maschine zum Einsatz, die auf einem Display die Sündigen im Publikum anzeigen kann. Durch die Glaubens­kraft der Texte und Songs minimiert sich ihre Anzahl im Verlauf bis auf vier abtrünnige Seelen. Der Clou: Es sind die Performer selbst, die heimlich Solover­träge abgeschlossen haben und damit das Weiter­be­stehen der Gruppe aufs Spiel setzen.

Foto © Barbara Braun

Altar Boyz wirft einen satiri­schen, aber nie denun­zie­renden Blick auf Boygroups und deren Gehabe, gepaart mit Seiten­hieben auf ameri­ka­ni­schen Bibelpop und ein bisschen Werbung für Toleranz. Denn von den fünf Jungs fühlt sich einer, der jüdisch-stämmige Abraham, als Außen­seiter. Klar, dass er sich integrieren kann: Er behauptet sich als Texter. Neben Abraham, den Tom Schimon mit liebens­werter Schüch­ternheit verkörpert, gibt es den schwulen Mark, der sich in Gestalt von Martin Mulders in einem urkomi­schen Geständnis als beken­nender Christ outet: Ich bin katho­lisch. Mit dabei sind auch Daniele Alan-Carter als Latino-Herzens­brecher, der eine feurige Samba hinlegt, der zu verbo­tenen Späßen neigende Luke, von Chris­topher Bolam mit rhyth­mi­scher Gelen­kigkeit ausge­stattet, und der blond­lo­ckige, den Ton angebende Bandleader Tobias Bieri.

Musik, ein gekonnter Mix aus Pop, Rock und Balla­densen­timent, und Tanz sind angelehnt an Vorbilder wie Take That, Backstreet Boys oder Tokio Hotel. Die synchronen Bewegungen, das Spiel mit weiblichen Zuschaue­rinnen, die Gänge durchs Publikum haben Regisseur Michael Heller und sein Choreograf Chris­topher Bolam genau beobachtet und so treffend umgesetzt, dass die Grenzen zwischen Fiktion und echtem Konzert verwi­schen. So gibt es auch keine üppige Ausstattung, es reichen Licht- und Nebeleffekte.

Die fünf Jungs, in Glitzer­kostüm und Pries­ter­kutte gleicher­maßen agil, singen und tanzen sich die Seele aus dem Leib. Ihre darstel­le­rische Energie lässt den Funken schnell ins Publikum überspringen. Einziges Manko: nicht jeder ist gleich gut verständlich, so dass manche Pointe untergeht. Für den nötigen musika­li­schen Schwung sorgt ein von Lidia Kalen­dareva angelei­tetes Band-Quintett.

Nach dem begeis­terten Applaus und den vielen Fans zu urteilen, dürfte Altar Boyz nicht zum letzten Mal in Berlin gespielt worden sein.

Karin Coper

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