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Foto © Sandra Then

Zweifelhafte Liebeswelten

ALCINA
(Georg Friedrich Händel)

Besuch am
8. Februar 2020
(Premiere)

 

Staatsoper Hannover

Alcina aller­orten: Die Händeloper erlebt eine Vielzahl von Neuin­sze­nie­rungen und Auffüh­rungen im gesamten europäi­schen Raum. Hannover bringt in diesem Reigen eine Produktion des Theaters Basel aus dem Jahre 2017 vor Ort neu heraus. Regie führt die vielbe­schäf­tigte Künst­lerin Lydia Steier.

Auf der einen Seite steht die auf einer Insel ihre Liebhaber in Bann schla­gende Zauberin Alcina, die in einer liebenswert-bunten Kulis­senwelt mit arte-povera-Elementen herrscht, liebt und ihre Verehrer in exotische Tiere oder Felsen verwandelt, sobald sie ihrer überdrüssig wird.

Auf der anderen Seite steht Bradamante, die ihren verspro­chenen, zwischen­zeitig aber von Alcina umgarnten Liebhaber zurück ins bürger­liche, hoch-effizient durch­or­ga­ni­sierte, öde, produk­ti­ons­ori­en­tierte Arbeits­leben führt. Sie findet sich mit ihrem angebe­teten Ruggiero schließlich im grauen Büroalltag wieder, wo sie auch die anderen verwan­delten Liebhaber in ebenso grauen Anzügen an Schreib­ma­schinen als Büroar­beiter knechtet – sie ist die neue Herrscherin ohne Zauber, aber viel Macht in dieser bürger­lichen Arbeitswelt.

Die Handlung ist geprägt von allerlei barock-typischen Irrungen und Wirrungen der handelnden Personen, die durch Verklei­dungen und Verstellung an ihre Ziele und letztlich ihre geliebten Partner zu gelangen versuchen. Alle Abläufe bilden immer zugleich Vorwand und Plattform für die wechselnden seeli­schen Zustände, die die handelnden Personen erleben und ggf. durchleiden.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Auf der Bühne von Flurin Borg Madsen und in den Kostümen von Gianluca Falaschi werden so im Kern zwei Lebens- und Liebes­welten gegen­über­ge­stellt.  Beide Welten durch­leben die Akteure in zwiespäl­tigen Emotionen. Letztlich erscheinen beide Lebens­räume nicht geheuer und emotional zweifelhaft.

Alcinas Insel wirkt wie ein liebens­werter Mummen­schanz mit allerlei Pappku­lissen und quietsch-buntem Kostüm­zauber, dem man angesichts der schwan­kenden Liebes­emp­fin­dungen der Zauberin nicht trauen kann, und die öde Produk­ti­onswelt im Büro-Alltag Bradamantes verheißt wenig Geheimnis und Gebor­genheit. Sicherlich ebenso wenig ein befrie­di­gendes Lebens- und Liebesumfeld.

Das Regieteam zusammen mit der Licht­ge­staltung von Roland Edrich weiß zu den Szenarien Bilder in wirkungs­voller Klarheit, aber hinrei­chender Abstraktion zu kreieren. Die Pappku­lissen für Alcinas einsame Insel werden im rechten Moment auf offener Bühne in den Hinter­grund geschoben, bevor sich lange Reihen von Büroti­schen mit Schreib­ma­schinen unter standar­di­sierter Neonbe­leuchtung in den Raum schieben. Die sensible Perso­nen­führung stellt jederzeit sicher, dass eine immer glaub­hafte und erfüllte gesang­liche und darstel­le­rische Ausformung der Arien für die Sänger­dar­steller möglich ist und die wechselnden Emotionen von Freude, aber auch des Zweifels und der Unsicherheit intensiv vermittelt werden.

Foto © Sandra Then

Nur der Junge Oberto nimmt eine andere, kindlich-sehnsuchts­volle Haltung ein und steht in gewisser Weise ganz außerhalb des Geschehens. Er erhofft sich die Wiederkehr seines Vaters. Seine Träume und sein Sehnen sind noch die eines Kindes, gänzlich ungebrochen von den Verwick­lungen der Erwach­senen. Er steht in gewisser Weise außerhalb der gezeigten Umgebung und durchlebt die Hoffnungs­welten eines unver­dor­benen Kindes.

Die Sänger der Produktion pflegen einen geerdeten, keines­falls künstlich-ziselierten Händel-Stil. Ensem­ble­mit­glied Hailey Clark bewährt sich mit einem verhält­nis­mäßig kraft­vollen Sopran, der jedoch in den Momenten des Zweifelns und der Verletzung eine eindrucks­volle Nachdenk­lichkeit und Melan­cholie verbreitet. Counter­tenor Vince Yi bringt mögli­cher­weise insgesamt das verletz­lichste Timbre in das Sänger­ensemble ein. Seine Tongebung ist zart, seine Kolora­turen sind treff­sicher und perlend.

Klar und durch­sichtig die Gesangs­bögen von Avery Amereau als Bradamante, die nach dem Szenen­wechsel in den bürger­lichen Alltag im grauen Kostüm zunächst gar nicht wieder­zu­er­kennen ist. Spiel­freudig und mit ungebro­chenem stimm­lichem Einsatz vermag Rupert Charles­worth als Oronte zu überzeugen. Eine besondere Freude bereitete Veronika Schäfer als Oberto in all ihrer Unschuld, und der silber­klaren und treff­sicher sitzenden, jungen Sopran­stimme. Das Rollen- und Bühnen­debüt dieser jungen Nachwuchs­sän­gerin an der Staatsoper Hannover hätte besser nicht gelingen können.

Der Chor der Staatsoper Hannover unter der Leitung von Lorenzo Da Rio und Matthias Wegele ist oft im Orches­ter­graben positio­niert und bewerk­stelligt seine Aufgaben mit Feingefühl und Präzision.

Dirigent Dubrovsky hat sich als Barock­ex­perte und Gründer des Bach Consort Wien in den voran­ge­gan­genen Jahren einen Namen in der Opernwelt gemacht. In Hannover gelingt ihm zusammen mit der beson­deren Besetzung des Nieder­säch­si­schen Staats­or­chesters Hannover mit Gästen unter anderem für Laute, Theorbe und Barock­gi­tarre schon nach kurzer Zeit eine dynamisch dichte, rhyth­misch außer­or­dentlich bewegende Deutung der Partitur. Die überzeu­gende, nie nachlas­sende dynamische Agogik und emotionale Inten­sität der Aufführung wird ganz wesentlich durch das engagierte Orches­ter­spiel geprägt.

Langan­hal­tender Beifall, viele Bravorufe für die Sänger und das Regieteam, insbe­sondere aber auch für die Orches­ter­leistung unter Rubén Dubrovsky. Hannover ist eine in der Spielzeit nach den voran­ge­gan­genen Erfolgen bei den Neupro­duk­tionen mit der Übernahme dieser Produktion aus Basel eine schöne, vorzeigbare Erwei­terung und Berei­cherung im Reper­toire gelungen.

Achim Dombrowski

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