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Foto © O-Ton

Gelungene Mischung

ZEUGHAUSKONZERT
(Robert Schumann, Gabriel Fauré)

Besuch am
13. Februar 2020
(Einmalige Aufführung)

 

Zeughaus, Neuss

Wer Spitzen­künstler der Kammer­musik erleben will, fährt nach Neuss ins Zeughaus. Was erst mal ziemlich witzig klingt, ist seit 70 Jahren Wirklichkeit. Und Rainer Wiertz, Kultur­re­ferent der Stadt Neuss, setzt diese Tradition seit 1984 mit seinem Team ausge­sprochen erfolg­reich fort. Inzwi­schen ist es keine schwere Aufgabe mehr, das Who is Who inter­na­tional erfolg­reicher Künstler nach Neuss einzu­laden. Immerhin kann der Kultur­re­ferent auf ein stets ausver­kauftes Haus mit 500 Plätzen verweisen, eine wunderbare Akustik und intimes Flair bieten, vom angenehmen Ambiente des Zeughauses ganz zu schweigen.

Und da kann es eigentlich kaum verwundern, dass sich Gäste wie Julian Prégardien und Éric Le Sage auf dem steinernen Podium des Zeughauses einfinden. Zwischen Bielefeld und den USA gibt es für Tenor Prégardien noch einen Termin in Neuss. Die eigent­liche Überra­schung ist, dass die beiden Musiker eigens für Neuss, so ist zu hören, ein beson­deres Programm zusam­men­ge­stellt haben. Die Schumann-Spezia­listen haben in ihren Abend Werke von Gabriel Fauré aufge­nommen. Und damit entwi­ckelt sich die Aufführung zu einer Beson­derheit, die man so eben nur in Neuss erleben kann.

Éric Le Sage beginnt den Abend mit den Nacht­stücken von Robert Schumann, einem viersät­zigen Werk, dass er als Kraft­paket gestaltet. Schumann dachte bei seiner Kompo­sition an eine „Leichen­phan­tasie“. Bei Le Sage klingt es eher nach einem expres­sio­nis­ti­schen Ritt, was dem Stück gut bekommt. Und damit wird auch klar, dass das Publikum einem kontrast­reichen Abend entgegengeht.

Gabriel Fauré, hochge­schätzter Musiker zu Lebzeiten, kommt in deutschen Konzert­pro­grammen viel zu selten zu Gehör. Und völlig unberechtigt, wie das Programm von Prégardien und Le Sage zeigt. Und wer – das nur nebenbei – sein Requiem kennt, versteht sowieso nicht, wieso Fauré im Radio nicht rauf und runter läuft. Prégardien präsen­tiert seinen Lieder­zyklus La Bonne Chanson nach Gedichten von Paul Verlaine. Mit den neun Melodien für Klavier und Stimme verbindet sich eine hübsche Geschichte. Hatte sich Fauré doch 1892 in die Bankiers­gattin, Sopra­nistin und spätere Ehefrau von Claude Debussy, Emma Bardac, verliebt und verbrachte mindestens zwei Sommer auf deren Landsitz Bougival, wo er seine neuen Kompo­si­tionen mit der Sängerin einübte. Es blieb wohl bei der Romanze. Und den neun Liedern, die Prégardien einfühlsam und – den Melodien folgend – mit einer Geschmei­digkeit darbietet, die einmal mehr hinter­fragt, warum Fauré in Deutschland so wenig gehört wird. Mit seinem Stimm­vo­lumen gelingt es dem Tenor ohne Schwie­rig­keiten, sich spiele­risch zwischen den Registern zu bewegen.

Foto © O‑Ton

Anschließend verliert sich Le Sage in zwei Nocturnes, also Nacht­ge­sängen, von Fauré. Die Nocturne Nummer elf in fis-Moll kommt so gar nicht roman­tisch verträumt daher, sondern wirkt eher düster, ja, fast schon unheimlich. Da hat einer die andere Seite der Nacht gesehen. Mit der Nocturne Nummer sechs in Des-Dur nähert Fauré sich dann schon eher den Hörge­wohn­heiten wieder an. Das Stück erinnert an eine milde Sommer­nacht, die einem glück­ver­hei­ßenden Moment entge­gen­steuert, in den unver­sehens die Nacht­kälte herein­bricht. Trotzdem setzt man sich ans Ufer und schaut auf den perlenden Fluss, an dem auch in der Nacht das Leben nicht zur Ruhe kommt. Schließlich wird es doch Zeit, entspannt nach Hause zu gehen. Der erfahrene Pianist setzt das wunderbar um, um sich dann wieder mit dem Sänger seinem Lieblings­kom­po­nisten zuzuwenden.

Julian Prégardien hat sich scheinbar unauf­löslich dem Liedschaffen Robert Schumanns verschrieben. Hochkon­zen­triert inter­pre­tiert er den Lieder­kreis opus 39 nach zwölf Gedichten von Joseph von Eichen­dorff. Und wirklich – liegt es an der Vorliebe oder den Kompo­nisten – kann der Tenor die zuvor schon bei den Fauré-Liedern gezeigte Kunst­fer­tigkeit beim Schumann­schen Lieder­kreis noch einmal deutlich erhöhen. Selbst Menschen, die nicht an eine Perfektion im Gesang glauben, können hier gehörig ins Grübeln geraten. Hier wird nichts dem Moment überlassen, jede Nuance ist ausge­feilt und tausendfach einstu­diert. Mit dem Ende der Frühlings­nacht geht ein beglü­ckender Abend einem vorläu­figen Ende entgegen.

Das Publikum im vollbe­setzten Zeughaus gerät entspre­chend des hohen Alters­durch­schnitts, der hier herrscht, „aus dem Häuschen“, möchte den Applaus gar nicht mehr beenden. Aber „selbst­ver­ständlich“ haben Éric Le Sage und Julian Prégardien noch Zugaben mitge­bracht. Nach den ersten drei Liedern der Dichter­liebe, die routi­niert erklingen, gibt es gar noch ein, wie Prégardien erzählt, nahezu unbekanntes Jugendlied des Kompo­nisten Schumann, das er mit 17 Jahren schrieb. Kurzes Erwachen nannte der Dichter Justinus Kerner die vier Strophen, die dann doch eher nach puber­tärem Weltschmerz klingen, von Schumann mit reichlich Dramatik vertont wurden. Dem Publikum gefällt’s, und so geht ein Abend zu Ende, der sehr angenehm aus dem üblichen Konzert­ei­nerlei hervorragt. Da wird so manch einer wohl daheim noch einmal in das Heft mit den Liedtexten hinein­schauen, und sei es nur, um sich an eine eindrucks­volle Aufführung zu erinnern.

Michael S. Zerban

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