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Überraschende Professionalität

NOW & NEXT
(Mira Plikat, Paul Davis Newsgate, Cie Entretemps)

Besuch am
18. Februar 2020
(Premiere)

 

Tanzhaus NRW, Düsseldorf

Bei all den Höhepunkten zeitge­nös­si­schen Tanzes, die im Laufe eines Jahres im Düssel­dorfer Tanzhaus NRW gezeigt werden, geraten zusätz­liche Aktivi­täten – zum Beispiel für den Nachwuchs – gerne mal in den Schatten des Alltags. Dass es gleich ein ganzes kaska­den­för­miges Programm gibt, dürfte wenig bekannt sein. In der summer residence bekommen tanzbe­geis­terte Menschen die Möglichkeit, sich auch mal in kreativen Prozessen auszu­pro­bieren. Und in der perfor­mance session, die rund drei Mal im Jahr statt­findet und die es seit etwa einem Jahr gibt, dürfen sich HipHopper austoben. Immer unter den kriti­schen Blicken der Drama­turgin Anaïs Rödel, die als Künst­le­rische Leiterin für das Programm Now & Next zuständig ist. Bei diesem Format bekommen die Nachwuchs­künstler Gelegenheit, ihre Arbeiten aus den Vorstufen weiter­zu­ent­wi­ckeln und einem realen Publikum auf der Bühne vorzu­stellen. Neben den Kursen besucht Rödel auch gerne mal die Abschluss­ar­beiten beispiels­weise an der Folkwang-Univer­sität oder dem Zentrum für zeitge­nös­sichen Tanz an der Musik­hoch­schule Köln. Bei diesem Now & Next hat Rödel aller­dings dermaßen starke Künstler im eigenen Haus gefunden, dass für die Absol­venten der Hochschulen kein Platz mehr war.

Foto © O‑Ton

Eine zusätz­liche Neuerung für diesen Abend ist der Tanzfilm, der vor dem eigent­lichen Programm gezeigt wird. Für die Premiere hat Rödel den Film Nessun dorma von Mira Plikat ausge­wählt. Plikat hat Kunst und Tanz studiert. 2017 versuchte sie sich an ihrem ersten eigenen Video­projekt. Sie vertanzte Nessun dorma, die berühmte Arie aus Giacomo Puccinis Oper Turandot und verwendete die Video­auf­nahmen, um daraus ein ganz eigenes Kunstwerk anzufer­tigen. Zu einer Aufnahme von José Carreras aus dem Jahr 2010 entwi­ckelte sie Bilder, die durch Morphing entstanden, also das Verändern von Körper­ge­stalten mittels einer Software. Da verwabern Körper­teile, schmiegen sich einander in neuen Konstel­la­tionen an. Eindrucks­volle Bilder, die leider nicht bis zum Schluss genossen werden können, weil es einen „Filmriss“ gibt. Hier hat Rödel in der Auswahl schon mal ganze Arbeit geleistet, und so feiert das Publikum die Autorin ausführlich. Wird der Film auf der Kleinen Bühne gezeigt, findet die nächste Aufführung im Studio 6 statt.

Hier hat sich Paul Davis Newgate als HipHopper auf seine Aufführung vorbe­reitet. Sein Programm The Mask hat er seit der perfor­mance session stark weite­ren­wi­ckelt, betrachtet die zu zeigende Aufführung aller­dings immer noch als work-in-progress. Und recht hat er damit. Zwar ist die Aufführung inzwi­schen auf 25 Minuten angewachsen, aber das ist einigen Längen geschuldet. Die Idee von Newsgate ist, innere und äußere Masken zu zeigen. Ausgangs­punkt ist dabei der Körper- und Bewegungskult der HipHopper. Und dazu passt der Körper des Tänzers perfekt. Und der muss so gut funktio­nieren, dass das Gesicht keine Rolle mehr spielen kann und hinter einer Maske versteckt wird. Auf der Bühne sind drei Stand­spiegel und ein paar Utensilien aufgebaut. Alles dient der Selbst­dar­stellung. Das ist großartig, verliert aber dann durch in die Länge gezogene Kleider­wechsel. Das geht auf Kosten der Tanzdar­bie­tungen. Und dabei zeigt er, wenn er denn mal tanzt, was er alles kann. Ein Gemisch aus HipHop und Athletik sorgt beim Publikum für durch­gängige Begeis­terung. Und wenn er sein Stück zu Ende bringt, werden die Kleider­wechsel sicher einer größeren Dynamik weichen. Dann passt es schon, und wir werden den Namen Paul Davis Newgate sicher noch öfter hören.

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Im dritten Teil des Abends geht es wieder zurück auf die Kleine Bühne, um zwei Tänze­rinnen aus den summer residences zu erleben. Es sind Mutter und Tochter, Bénédicte Billiet und Sophia Otto, die sich auf einen Dachboden zurück­ziehen. Ist man bei Newgate eben noch von der physi­schen Energie überzeugt worden, zeigen Billiet und Otto, was sich aus den Funden auf einem Dachboden alles so ergibt. Entre-temps au grenier – zwischen­zeitlich auf dem Dachboden – nennen die beiden Tänze­rinnen ihr Programm. Und da gibt es weitaus mehr zu entdecken als ein paar vergessene Gegen­stände, die sich die Damen eingangs hin- und herreichen. Schnell entstehen Genera­tionen-Erinne­rungen, die vertanzt und vertextet werden. Das ist einfalls­reich und intel­ligent zum Ausdruck gebracht, ohne zu natura­lis­tisch zu wirken. Gut, dass man weiß, dass hier „Anfänger“ auf der Bühne stehen, bemerkt hätte man es sicher nicht.

Am Ende des Abends steht nur Lob. Zuallererst für die Drama­turgin Rödel, die ein bemer­kens­wertes Programm zusam­men­ge­stellt hat, bei dem von Nachwuchs herzlich wenig zu spüren ist. Anschließend für Newgate, Billiet und Otto, die mehr als vielver­spre­chende Choreo­grafien entwi­ckelt und diese auch großartig umgesetzt haben. Auch von Plikat wird man hoffentlich noch mehr hören. Das Konzept von Now & Next stimmt, nur bekannter müsste es noch werden, damit sich Künstler aus Nordrhein-Westfalen noch stärker bewerben und die Düssel­dorfer sich mehr für einen Nachwuchs inter­es­sieren, der auf hohem Niveau antritt.

Michael S. Zerban

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