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Foto © O-Ton

Reise ins Nirgendwo

SITUATIONS
(Ensemble Musikfabrik)

Besuch am
23. Februar 2020
(Premiere)

 

PACT Zollverein, Essen

Seit 29 Jahren setzen die Kölner Spezia­listen als eines der versier­testen und experi­men­tier­freu­digsten Ensembles unserer Zeit Maßstäbe auf dem kniff­ligen Parkett der Avant­garde“, ordnete Kollege Pedro Obiera das Ensemble Musik­fabrik in der Musik­land­schaft ein. Die Experi­men­tier­freude setzt höchste Virtuo­sität voraus und bezieht sich nicht nur auf die musika­lische Entwicklung, sondern auch auf die Erfindung neuer Auftritts­formen. Eine der Spezia­li­täten des Ensembles: die Imple­men­tierung von Reihen.

Seit vielen Jahren ist das Ensemble Musik­fabrik dem PACT Zollverein freund­schaftlich verbunden. So entstand eine Idee, die Anfang des vergan­genen Jahres umgesetzt wurde. Eine achtteilige Konzert­reihe, an ausge­wählten Sonntagen um 17 Uhr, die eine Weiter­ent­wicklung der Montags­kon­zerte in der Kölner Heimstatt darstellt. Reizvoll für die Musiker: Sie können ihre Auftritts­mög­lich­keiten im Großen Saal von PACT Zollverein vor allem im Hinblick auf die Saaltechnik weiter­ent­wi­ckeln. Ein Gewinn für das Publikum: Die Eintritts­preise sind frei wählbar, und so kommen die Besucher vergleichs­weise preiswert, wenn sie wollen, in den Genuss, eines der bekann­testen Neue-Musik-Ensembles zu erleben.

Jetzt steht das siebte Konzert auf dem Plan, Ende März ist das nächste und letzte Konzert der Reihe geplant, eine Fortsetzung ist in der nächsten Spielzeit vorge­sehen. Situa­tions hat Florentin Ginot diesen frühen Abend genannt. Ginot ist der Kurator des Abends. Weil bei Ensemble Musik­fabrik die Demokratie hoch im Kurs steht, bekommt jeder der Musiker die Möglichkeit, ein eigenes Konzert zu kreieren. Ginot will die Hörer im Ungefähren lassen. In einem „szeno­gra­fierten Raum“ sollen sie auf eine „Hörreise“ gehen und neue Hörerleb­nisse mit anderen sinnlichen Erleb­nissen verbinden.

Foto © O‑Ton

Dazu wird die Bühne zunächst auf schwarz gesetzt. Was die Zuschauer nicht wissen, ist, dass zu diesem Zeitpunkt bereits vier Käfige im Bühnen­hin­ter­grund aufge­hängt sind. Da gibt es eine Spieluhr, einen Blumen­strauß, einen Arm, einen rauchenden Wachskopf und eine Schreib­ma­schine, die als Klang­in­stal­la­tionen fungieren, je nach Situation einge­leuchtet werden und in Bewegung geraten.

Die Musiker betreten die Bühne und geraten in Spotlights. Viel mehr Licht gibt es nicht, wenn nicht gerade die Instal­la­tionen ins Visier geraten. Wer die Instru­mente sieht, gerät ins Grübeln. Die Musiker selbst denken erst gar nicht daran zu verraten, auf welchen abenteu­er­lichen Geräten sie da Klänge und Geräusche erzeugen. Sie orien­tieren sich bei den Kategorien an ihren herkömm­lichen Instru­menten. Und da sitzt Kurator Florentin Ginot am Kontrabass, Helen Bledsoe setzt sich mit verschie­denen Flöten ausein­ander, Dirk Rothbrust versorgt das Schlagzeug, Christine Chapman ist zwischen­durch mal am Horn zu erleben und Stefan Prins nimmt unver­ständ­li­cher­weise mit dem Rücken zum Publikum am Computer Platz. Das ist aller­dings nur die halbe Wahrheit. Unter der Vielzahl an Klang­quellen, die auf den Tischen und Pulten aufgebaut sind, kann der Laie gerade mal einen Plastik­schlauch und ein Megafon, mögli­cher­weise noch einen Kaktus identi­fi­zieren. Statt Erklä­rungen werden die Musiker später die Möglichkeit zum Gespräch und zur Besich­tigung anbieten.

Ginot und seinen Mitstreitern gelingt es tatsächlich, die Besucher, die, wie bei solchen Auffüh­rungen üblich, in eher überschau­barer Anzahl erschienen sind, in den Bann seiner Reise zu ziehen. Und so fällt der Applaus nach einer Stunde recht herzlich aus. Hätte Lea Letzel tatsächlich mehr Bühnen­technik genutzt und vor allem in Licht gesetzt, wäre womöglich noch mehr drin gewesen. Ob das gelingen kann, wird man Ende März sehen. Dann findet das achte Konzert mit Werken von Karlheinz Stock­hausen, John Cage und Steffen Krebber statt. Dirk Rothbrust wird den Abend kuratieren.

Michael S. Zerban

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