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Foto © O-Ton

Florale Lieder

SPOTLIGHT KONZERT
(Diverse Komponisten)

Besuch am
26. Februar 2020
(Einmalige Aufführung)

 

Salzmannbau, Bürgerhaus, Düsseldorf/​a>

Eine der regel­mäßig statt­fin­denden Veran­stal­tungen der Düsseldorf Lyric Opera ist das Spotlight Konzert. Bislang ein Arien­abend, der den Sängern in dem Netzwerk, das Julia Coulmas ins Leben gerufen hat, Gelegenheit gibt, ihr Können zu demons­trieren. Inzwi­schen hat sich das Spotlight Konzert weiter­ent­wi­ckelt. Der Rahmen indes ist gleich­ge­blieben. Inmitten der Woche schlägt die Düsseldorf Lyric Opera ihr Lager im Bürgerhaus des Salzmannbaus im Düssel­dorfer Stadtteil Bilk auf. Das Licht wird dezent einge­richtet, Stühle aufgebaut, und ein – oder zwei Klaviere – werden an den Bühnenrand geschoben. Vor Beginn der Aufführung haben die Gäste Gelegenheit, sich im kleinen Foyer, das eher an eine Kantine erinnert, mit Getränken aufzu­wärmen. „Selbst­ver­ständlich“ ist der Abend ausver­kauft. Und zu den schönen Gepflo­gen­heiten gehört es auch, dass Coulmas den Abend mit einer kurzen Ansprache – sie nennt es warming up – eröffnet. Die Gäste schätzen das.

Meghan Behiel und Michael Carleton am Klavier – Foto © O‑Ton

An diesem Abend gibt es eine Neuerung. Und die ist aller Ehren wert. Es gibt zur Eröffnung keine „Best-of“-Arien, sondern Lieder, die der Bariton James Williams selbst ankündigt. Eigentlich ist er Engländer, hat Gesang in London studiert und erzählt jetzt auf Deutsch von den Liedern Jean Sibelius‘, die er über den Abend verteilt singen wird. Da geht es im Lieder­zyklus op. 88 überwiegend um Florales. Anemonen in verschie­denen Farben, Rosen, Dornen und das Schicksal der Blume stehen im Vorder­grund. Um die Qualität dieser Lieder geht es nicht, und was Williams darbietet, gefällt, aber dass die Düsseldorf Lyric Opera sich diesem Thema öffnet, begeistert. Coulmas beweist damit, dass das Netzwerk tatsächlich keine Grenzen kennt. Besser kann es nicht gehen. Dass nach drei kurzen Liedern der Klassiker Dein ist mein ganzes Herz folgt, ein Standard für südko­rea­nische Sänger – so sei es. Ray Lee hat in Südkorea und Amerika studiert. Aber bei dem, was er heute Abend darbietet, gibt es eindeutig Verbes­se­rungs­po­tenzial. Es mag das Debüt sein, was den Tenor angestrengt erscheinen lässt, an seiner Wortver­ständ­lichkeit muss er noch eine Menge arbeiten. Am Ende des Abends, nachdem er noch Ah leve-toi soleil aus Roméo et Juliette von Charles Gounod mit viel unnötigem Vibrato gesungen hat, ist klar: Dieser Tenor steht noch ganz am Anfang. Das sieht bei Thomas Huy schon mal ganz anders aus. Er hat sein Gesangs­studium noch nicht ganz beendet, aber bereits eine Routine erarbeitet, die ihm das nötige Selbst­be­wusstsein vermittelt, gelassen aufzu­treten. Das ist gut. Und wenn er dabei eine kritische Selbst­re­flektion beibehält, wird hier noch vieles zu erwarten sein. Besonders deutlich wird das, wenn Huy Hat man nicht auch Gold beineben aus Fidelio von Ludwig van Beethoven präsentiert.

Tomasz Hakuba erklärt I pagliacci – Foto © O‑Ton

Im zweiten Teil des Abends gibt es ebenfalls eine dankens­werte Änderung. Hier wird eine Szene aus Ruggero Leonca­vallos I pagliacci statt weiterer Arien-Hits gezeigt. Tomasz Hakuba, der den Abend weitgehend moderiert, erklärt, um was es dabei geht. In erster Linie wird damit dem Neuzugang Ekaterina Somicheva Gelegenheit gegeben, sich darzu­stellen. Somicheva ist lyrischer Sopran, hat in Sankt Petersburg studiert und sich längst als Opern‑, Kammer- und Konzert­sän­gerin etabliert. Seit drei Jahren lebt sie in Düsseldorf und hat sich jetzt der Düsseldorf Lyric Opera angeschlossen. Das Potenzial ist eindeutig erkennbar, angekommen ist sie aber ebenso eindeutig noch nicht. Die Nedda vom Blatt zu singen, ist zu wenig. Angenehm fällt aber in Andeu­tungen ihre Spiel­freude auf. Wenn es ihr gelingt, sich mit der Familie der Lyric Opera zu identi­fi­zieren, wird sie hier noch manche Empfehlung singen können.

Jeder, der in den Salzmannbau kommt, weiß, dass er hier nicht die Met erwarten kann. Sondern Menschen, die als hidden champions herum­laufen und in einem Netzwerk den nötigen Rückhalt finden, um auf die nächste Stufe zu kommen. Besucher kommen hierher, um großartige Sänger zu finden, weil sie keinen Bock auf die Insti­tu­tionen haben, keine Ahnung von Oper haben, sondern das, was da mitten in Düsseldorf geboten wird, einfach große Klasse finden.

Ein beson­deres Lob gilt dabei Meghan Behiel, die nicht nur die Arien wunderbar mit den einfachsten Mitteln des Klaviers begleitet, sondern ihre Exzellenz auch und gerade als Liedbe­glei­terin unter Beweis stellt. Einfach fantas­tisch, was sie an diesem Klavier leistet. Unter­stützt wird sie dabei kongenial von Michael Carleton. Mindestens einen Flügel würde man den beiden wünschen, aber dann fände der wunderbare Abend vermutlich nicht  mehr in einem Stadtteil von Düsseldorf stattfinden.

Nach heftigem Beifall des Publikums gibt es noch so was wie eine Jam Session. Die Sänger geben das Trinklied der Traviata, sehr spontan, nicht immer ganz gelenkig, aber von Herzen. An diesem Abend gehen alle gut gelaunt nach Hause. Und freuen sich auf die nächste Ausgabe des Spotlight Konzerts.

Michael S. Zerban

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