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Unterhaltung am Abgrund

ICH WOLLT‘, ICH WÄR EIN HUHN
(Diverse Komponisten)

Besuch am
6. März 2020
(Premiere)

 

Komische Oper Berlin

Eine Klassikdiva und ein Schau­spie­lerstar treffen auf einen Topmu­siker und einen ebensolchen Regisseur und kreieren zusammen einen Berlin-Abend mit dem Titel Ich wollt‘, ich wär‘ ein Huhn. Die spannende Kombi­nation, das sind Anne-Sofie von Otter, Wolfram Koch, Adam Benzwi und Barrie Kosky, die der neuen, knapp 90-minütigen Revue in der Komischen Oper Berlin ihren Stempel aufdrücken. Wer denkt da nicht an eine Mischung aus frecher Unter­haltung, Glamour und zwischen­durch auch tieferer Bedeutung, wie in den berühmten Operet­ten­in­sze­nie­rungen des Hauses.

Doch Kosky unter­läuft in seiner szeni­schen Einrichtung diese Erwar­tungen. Schon kulis­sen­mäßig ist nicht viel los: Im Hinter­grund der Bühne steht ein voll behängter Garde­ro­ben­ständer, ansonsten liegt Theater­plunder überall herum, von dem aber nur ein paar Requi­siten zum Einsatz kommen. Zylinder, Federboa, Strau­ßen­federn, Gummihuhn und ‑fisch, das sind einige der Ausstat­tungs­ak­zente, mit denen die Stücke aufge­möbelt werden. Über zwanzig Nummern aus den 1920-er und 30-er Jahren sind es, die Benzwi aus seinem Riesenf­undus ausge­wählt hat: Tonfilm­schlager, Chansons und Operet­ten­me­lodien von Exilkom­po­nisten und solchen, die sich mit dem Naziregime arran­gierten, dazwi­schen auch Ernstes von Eisler und Glanzberg.

Foto © Monika Rittershaus

Kosky arran­giert das vorge­gebene Material kühl, jongliert mit Texten und Melodien und setzt dabei ganz auf die indivi­duelle Ausdrucks­kunst von Anne Sofie von Otter und Wolfram Koch, die sich solis­tisch oder im Duett bewährt. Geschlechter werden getauscht, so dass die Mezzo­so­pra­nistin den Tauber-Hit Gern hab‘ ich die Frau’n geküsst vorträgt und später der Mime Lili Marleen. Und auch Persön­liches fließt mit ein. Denn eigentlich war der Abend schon vor zwei Jahren geplant. Doch durch den Tod von Anne Sofie von Otters Ehemann, der sich nach ungerecht­fer­tigten #MeToo-Vorwürfen suizi­dierte, musste der Abend verschoben werden. Was einigen Stücken einen persön­lichen Anstrich gibt, etwa Eislers Lied Über den Selbstmord. Aber auch Zarah Leanders Tango Der Wind hat mir ein Lied erzählt, den von Otter berückend und mit einer zu Herzen gehenden Inten­sität singt, mag als Erinnerung an Benny Fredriksson gedacht sein, der beken­nender Fan des schwe­di­schen Filmstars war.

Überhaupt ist die Sängerin, die seit langem auch auf musika­li­schen Pfaden abseits des klassi­schen Reper­toires wandelt, in vorzüg­licher stimm­licher Verfassung und von raumfül­lender Präsenz. Volks­büh­nen­schau­spieler und Tatort-Kommissar Wolfram Koch steht ihr in dieser Hinsicht nicht nach. Hinzu kommt eine bei Herbert Fritsch zur Perfektion gebrachte Körper­lichkeit, gepaart mit Sprach­akro­batik. Otto Reutters Couplet Suschen, ach, ist in dieser Hinsicht ein Höhepunkt.

Was man alles aus den Evergreens heraus­holen kann, demons­triert Adam Benzwi mit seiner achtköp­figen Band. Da wird verfremdet, verjazzt und die bekannten Melodien in ein ungewohntes Gewand einge­passt. Für die klassisch geschulten Instru­men­ta­listen kein Problem. Denn sie sind im Unter­hal­tungs­genre mittler­weile zu Hause und bestä­tigen aufs Neue ihre stilis­tische Flexi­bi­lität. Benzwi kommt aber auch als feinfüh­liger Pianist zum Zuge, wenn er etwa in Kurt Weills Lied Je ne t’aime pas mit von Otter in einen intimen musika­li­schen Dialog tritt. 

Ganz rund ist der Abend jedoch nicht. Weil die Nummern­ab­folge beliebig wirkt, ein roter Faden nicht erkennbar ist und auch die Brüche zu zahm sind. Ein so ergrei­fendes Stück wie Ein Koffer erzählt, in dem sich das Gepäck­stück an seinen ermor­deten jüdischen Besitzer erinnert, bleibt die Ausnahme.

Dennoch viel Beifall nach der fast ausver­kauften Premiere, der noch zwei weitere Auffüh­rungen folgen.

Karin Coper

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