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Foto © Janosch Abel

Gut verkauft, diese Braut

DIE VERKAUFTE BRAUT
(Bedřich Smetana)

Besuch am
8. März 2020
(Premiere)

 

Konzert-Theater Bern

Wie sich die Bilder manchmal gleichen. Die Turnhalle oder je nachdem die Mehrzweck­halle, muss nicht selten herhalten als Schau­platz für einen Opern­stoff. Meist sind es buffo­neske Parti­turen, die in den Kosmos der Körper­er­tüch­tigung verlegt werden, um dann mit aberwit­zigem Schalk die meist einfach gestrickte Handlung voran­zu­treiben. Für die Lesart von Bedřich Smetanas Oper Die verkaufte Braut, die 1866 in Prag urauf­ge­führt wurde, hat sich Regis­seurin Adriana Altaras zumindest inspi­rieren lassen. Im Herbst 2019 zeigte das Stände­theater in Prag eine frappant ähnliche Anschauung, aller­dings von Donizettis Schal­koper Viva la Mamma.

Manchmal ist die Kopie besser als das Original, und wann genau die erste Turnhalle auf einer Opern­bühne in Betrieb genommen wurde, ist ohnehin nicht bekannt. Altaras, die Schau­spie­lerin, Autorin und Regis­seurin, ist eine Garantin für anschau­liche Verar­bei­tungen von Werken, die von Kollegen oftmals intel­lek­tuell überstra­pa­ziert daher­kommen. Und Altaras kann sogar Drama. Für Smetanas luftiges Opus, das in der Blütezeit der Operette entstand und für das sich der Komponist der beliebten Kunstform bediente, ist die zwirblige Künst­lerin die erste Wahl. Es gibt anscheinend Gründe, dass die Braut nicht so oft verkauft wird. Sie liegen womöglich zum einen an der wenig spannungs­ge­la­denen Musik Smetanas, und zum anderen am dürftigen Libretto von Karel Sabina.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Die Geschichte der begehrten Marie aus einem Dorf in Böhmen, die auf Umwegen zu ihrem geliebten Hans findet, gehört in die Gattung belus­ti­gendes Volks­theater, wobei man sagen muss, dass die Boule­vard­stücke von Willy Millo­witsch weit mehr Pepp hatten. Doch zurück zur Regis­seurin, die es behände schafft, aus dem dünnen Süppchen ein schmack­haftes Drei-Gänge-Menü zu zaubern. Hier rappelt es in der Bühnen-Büx von Christoph Schubiger mit den fanta­sie­vollen Kostümen von Nina Lepilina. Altaras geht bei ihrer Arbeit filmisch vor und beherrscht das Handwerk einer agilen Perso­nen­führung ähnlich aus dem Effeff wie Kollege Philipp Stölzl, der unter anderem für Bregenz Verdis Rigoletto reali­sierte. Das Licht von Bernard Bieri ist wenig nuanciert, was die grelle Ästhetik dieser zweiein­halb­stün­digen Brautshow unterstreicht.

Keine Requisite bleibt auf der anderen: Wo im Saal gerade noch schwangere Frauen turnten und ein Liebespaar im Autoscooter Zärtlich­keiten austauschte, befindet sich Marie im nächsten Moment dank Zwischenwand im intimen Streit mit ihren Hippie-Eltern, die so gar nicht ins folklo­ris­tisch angehauchte Setting mit Polka und Trallala passen. Die Wechsel sind fliegend. Vom trauten Heim geht’s auf die Wiese mit Alpen­blick, und ehe man sich versieht, landet man auf einer Gesel­len­party, wo Mann auch mal Frau sein darf und munter das Bein im strass­be­setzten Straps schwingt. Der Umstand, dass sich gefühlt jede zweite Opern­pro­duktion der Gender­schiene bedient, ist enervierend.

Für den Zirkus um die Braut, die sich gleich mit zwei balzenden Gockeln konfron­tiert sieht, wühlt die Regie in der Trick­kiste des Varie­té­zaubers und lässt im Dreiakter gegen Ende tüchtig die Zirkus­freaks tanzen. Die überla­denen Revue­ein­lagen, sei es mit einer Ballerina im Tutu, einem Scherzkeks im Bären­kostüm oder einer Artistin an den Strapaten, bringen reichlich Zwischen­ap­plaus und herzhafte Lacher. John Uhlenhopp ist der glamouröse Direktor mit Schmalz­tolle, der nicht mit Zoten geizt und deshalb auch mal danebenhaut. Darstel­le­risch überzeugt der Mime, und er sollte auch gleich das Fach wechseln. Uhlen­hopps strah­lender Tenor von einst ist ausge­reizt, und darum forciert der Sänger deutlich hörbar im Forte. Seine Phrasen werden dann von einem unschönen Schleuder-Vibrato begleitet.

Foto © Janosch Abel

Gesanglich müssen beim Liebespaar Marie und Hans Abstriche hinge­nommen werden. Evgenia Grekova ist die Braut, die sich traut und erstmal bitter enttäuscht wird. Ihre Rollen­ge­staltung hat jedoch wenig Esprit, erst recht für diese hyper­aktive Chose à la Altaras. Die Sopra­nistin betört zwar immer wieder mit filigranen Gesangs­linien, vermag aber in der Dynamik kaum zu überzeugen. Und das, obschon das Orchester keine überhitzten Tutti auffährt. Nazariy Sadivskyy beein­druckt als finten­reicher wie burschi­koser Zeitge­nosse. Seine Melodie­führung wirkt jedoch mitunter angestrengt, was im Forte einen leichten Schlin­gerkurs zur Folge hat. Andries Cloete hat schau­spie­le­risch wie stimmlich den Bogen raus. Er ist als Kontrahent Wenzel der Hans guck in die Luft mit Henne im Arm und leidet nicht nur an einem Sprach­fehler, sondern auch am Aufmerk­sam­keits­de­fi­zit­syndrom. Das hindert Cloete nicht daran, mit seinem beweg­lichen Tenor schöne Kanti­lenen zu formen und mit lyrischem Glanz zu betören.

Die Neben­rollen sind in Bern solide besetzt, so unter anderen  Sopra­nistin Orsolya Nyakas, die als Esmeralda mit klaren Konturen verzückt. Der Heirats­ver­mittler Kecal ist bei Altaras ein intri­ganter Dorfpo­lizist und der wird von Philipp Mayer mit Schelm, Charme und Schnurrbart verkörpert. Der Mann ist auch satt bei Stimme. Sein sonorer Bass reicht mitunter tief in den Keller. Der Chor und Extrachor von Konzert Theater Bern unter Zsolt Czetner ist eine wahre Ohren­weide und hält mit dem Fastforward der Regie locker mit. Dass die tsche­chische Komödie in Deutsch gesungen wird, macht hingegen wenig Freude. Es holpert gewaltig an manchen Stellen, wo eigentlich ein melodiös fließendes Tsche­chisch vorge­sehen wäre.

Matthew Toogood sorgt am Pult für ein beschwingtes Hörver­gnügen, das auch die folklo­ris­ti­schen Elemente fein säuberlich zum Klingen bringt. Sein Dirigat des Berner Sympho­nie­or­chesters hat Schwung und Schlag­fer­tigkeit, und er scheut nicht davor zurück, das Operet­ten­hafte in dieser Oper genüsslich auszukosten.

Der Premie­ren­ap­plaus ist mit grossem Jubel gespickt. Zurecht. Bleibt zu hoffen, dass der gelun­genen Produktion kein Corona den Garaus macht.

Peter Wäch

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