O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

David Smyers und Beate Zelinsky - Bildschirmfoto

Vielversprechender Anfang

DIALOGHI D’AMORE
(Diverse Komponisten)

Gesehen am
16. April 2020
(Livestream)

 

Hinter­hofsalon, Köln

Krisen­zeiten sind immer auch Zeiten der Verän­derung. Haben sich auch Christina und Gerhard von Richt­hofen gedacht und kurzerhand einen neuen Kultur­kanal, 20–20.live, gegründet. Hier werden am Donners­tag­abend Konzerte als Livestream gezeigt. Ob der Zeitpunkt wirklich so günstig ist, kann man disku­tieren. Aus irgend­einem Grund scheint er von sehr vielen Anbietern von Inter­net­auf­füh­rungen präfe­riert zu werden. Unter dem Motto 2 For You werden in den kommenden Wochen verhei­ratete Duos auftreten. Als Auftrittsort haben die beiden Veran­stalter den Hinter­hofsalon an der Aachener Straße in Köln ausfindig gemacht. Hier veran­staltet Anja Reuther in „normalen“ Zeiten am Wochenende ein ausge­sprochen vielsei­tiges Programm. Das ist derzeit genauso Makulatur wie die Kurse, die sie unter der Woche anbietet. Prinzi­piell also ideal für die Pläne von 20–20.live. Der neue Kanal ist weder Selbst­zweck noch Beschäf­ti­gungs­the­rapie, sondern soll durchaus Geld für die Künstler, die derzeit allesamt ohne Engagement sind, einspielen.

Um das zu erreichen, soll der Abend so profes­sionell wie möglich erscheinen. Und das verspricht auch gleich die erste Kamera­ein­stellung, die den Gesamtraum zeigt, in dem ein Haufen Technik inklusive Regiepult vor leeren Stühlen aufgebaut ist. Zunächst begrüßen Christina und Gerhard von Richt­hofen das Publikum. Warum sie sich dazu setzen müssen, weiß man nicht. Da erliegt die Dynamik im Anschlag. Auch Anja Reuther richtet Grußworte an die Zuschauer. Als erstes Duo sind an diesem Abend Beate Zelinsky und David Smyers einge­laden. Seit 40 Jahren tritt das Ehepaar gemeinsam auf, um das Publikum für die Klari­net­ten­musik aller Epochen zu begeistern. Auch an diesem Abend reicht die Zeitspanne des Programms mit dem Namen Dialoghi d’Amore – Liebes­dialoge – von etwa 1770 bis 2011.

Gerhard und Christina von Richt­hofen – Bildschirmfoto

Den Anfang macht Carl Philipp Emanuel Bach mit einem Duett für zwei Klari­netten. Eines der ersten, erzählt Zelinsky im Gespräch, das Christina von Richt­hofen zwischen den Stücken immer wieder sucht. Irritierend bei der Übertragung ist, dass die Tonqua­lität auf dem Niveau eines Wohnzim­mer­kon­zerts ist. Hier wird deutlich nachzu­bessern sein, wobei nicht ganz klar ist, ob es am Raum oder an der Mikro­fo­nierung liegt. Danach geht es an das andere Ende des Zeitstrahls zu Nikolaus Braas, der für das Duo Dialoghi d’Amore geschrieben hat. Dank der Koope­ration des Duos mit Kompo­nisten unter­schied­licher Stilrich­tungen sind mittler­weile an die 50 Klari­net­tenduos entstanden. Dialoghi d’Amore VI, das an diesem Abend aufge­führt wird, besteht aus drei Sätzen. Während der erste Satz von langen Linien getragen wird, die von disso­nanten Einwürfen unter­brochen werden, gerät der zweite Satz zu medita­tiver Ruhe und Gleichform, in der die Instru­mente einander ergänzen. Erst im dritten, kurzen Satz wird der Dialog deutlich. Die ebenfalls dreisätzige Sonate von Francis Poulenc aus dem Jahr 1945 wirkt im ersten Satz sehr viel lebhafter, besteht aus disso­nanten Rufen, in denen die Instru­mente sich ergänzen und oft gleich­spielen. Im zweiten Satz unter­stützt die zweite Klari­nette die Varia­tionen der ersten mit einer gleich­för­migen Melodie. Im dritten Satz wird es regel­recht pfiffig.

Das Duo nimmt sich schweigend Zeit für eine Umbau­pause. Und 20–20.live bleibt in der Wohnzim­mer­si­tuation, was Kamera­führung, Tonqua­lität und Ablauf angeht. Es entsteht so ein bisschen der Eindruck, dass hier für einen glatten Durchlauf die Kreati­vität noch hintan­stehen muss. Aus dem Jahr 1996 stammt das Stück Ta-Ryong V von Younghi Pagh-Paan, einer gebür­tigen Korea­nerin, die seit langem in Deutschland lebt. Im Stück, so erzählt Zelinsky, rekur­riert Pagh-Paan bewusst auf ihre Herkunft und verspricht eine Reise nach Korea. Dazu werden zwei zusätz­liche Windspiele und ein paar Rhyth­mus­in­stru­mente aufgebaut. Deren Einsatz überzeugt nicht und wirkt eher beliebig. Da war die Idee wohl größer als die Umsetzung. Nach einer knappen Viertel­stunde endet ein Stück, das mit alarmie­renden Weckrufen im Wechsel mit langge­zo­genen Linien im disso­nanten Bereich die Spannung kaum bis zum Schluss halten kann. Nach einer weiteren Umbau­pause schließen Zelinsky und Smyers noch Idylle von Charles Koechlin von 1936 an. Eher melodiös, scheint die Idylle aus einem Schlaflied zu bestehen. Eine schöne Vorstellung. Und ein gelun­gener Abschluss eines inter­es­santen, wenn auch nicht immer durch­gängig begeis­ternden Programms.

Nach einer Stunde ist das Programm beendet. Und damit der aller­erste Durchlauf bei 20–20.live. Das Bemühen aller Betei­ligten ist deutlich zu erkennen. Christina von Richt­hofen als Modera­torin hat für ihren ersten Auftritt einen guten Job gemacht. Hier wird sich nötige Routine alsbald einstellen, und dann gibt es nicht nur Grund zur Freude, sondern auch einen lebhaften Abend. Bei der Kamera­führung gibt es noch Modifi­ka­ti­ons­bedarf, um aus der stati­schen Situation heraus­zu­kommen und einen „leben­digen“ Abend zu kreieren. Wenn erst mal die richtigen Kamera­po­si­tionen und ‑wechsel heraus­ge­funden sind, wird es da noch echte Sprünge nach vorn geben. Bei der Tonqua­lität bleibt der „Wohnzim­mer­klang“ über den Abend vorherr­schend. Hier ist zu hoffen, dass die Mikro­fo­nierung noch optimiert werden kann und es nicht an der Akustik des Raums liegt.

Ein ambitio­nierter Abend, der viel für die Zukunft verspricht. Am nächsten Donnerstag geht es weiter. Dann steht die Barock­geige auf dem Programm. Und dann wird hoffentlich auch der Live-Chat auf YouTube ein Eigen­leben entwickeln.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: