O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Bildschirmfoto

Klanglich schön

REBAL ALKHODARI & RIMONDA NAANAA
(Diverse Komponisten)

Gesehen am
26. April 2020
(Livestream)

 

Reinoldi-Saal, Dortmund

Der Wider­stand gegen Auffüh­rungen im Internet ist nachhaltig hoch und kommt von allen Seiten. Das führt zu einer Unpro­fes­sio­na­lität, die wirklich erstaunt. Journa­listen und Kritiker halten es kaum für nötig, sich zumindest mit neuen Auffüh­rungen ausein­an­der­zu­setzen; die Auffüh­renden legen teilweise eine (Nach-)Lässigkeit an den Tag, die verwundert. Und das Publikum? Scheint sich mit anderen Dingen zu beschäf­tigen. Das hilft aber nicht. Die Politik lässt die Kultur­schaf­fenden in einer Weise hängen, wie man sie nicht einmal in den kultur­feind­lichen „normalen“ Zeiten erlebt hat. Und zeigt damit auch das geringste Interesse daran, Bühnen in abseh­barer Zeit wieder zu öffnen. Das Internet wird also noch eine ganze Weile die Bühne bleiben und verdient mehr Ernsthaftigkeit.

Jüngstes Beispiel ist das Konzert, das das Vokal­musik-Zentrum NRW angekündigt hat. „Eigentlich“ – man kann es schon nicht mehr lesen, aber hier gehört es zum Verständnis – hätte an diesem Abend das Konzert von Orpheus XXI, einem 21-köpfigen Vokal­ensemble unter Leitung von Rebal Alkhodari, statt­finden sollen. Weil das aufgrund politi­scher Entschei­dungen derzeit nicht möglich ist, entschied Torsten Mosgraber, Direktor des Zentrums, Rebal Alkhodari und Rimonda Naanaa mit einem Konzert zu beauf­tragen, das bei Facebook übertragen werden soll. Grund­sätzlich eine gute Geschichte, so ein Konzert, die Schule machen muss. Weniger glücklich ist die Wahl der Plattform, gibt es doch eine große Zahl von Menschen, die diese Seite ablehnen.

In diesem „Eigentlich-Konzert“ hätte es selbst­ver­ständlich ein Programmheft mit mehr oder minder ausführ­lichen Infor­ma­tionen gegeben, die Akteure wären in ihrem „Bühnen­outfit“ in einer anspre­chenden Kulisse aufge­treten, die vorher nach der Akustik ausge­richtet worden wäre. Das sind keine luxuriösen Vorstel­lungen, sondern es entspricht dem Standard des deutschen Konzert­wesens. Bei einer Aufführung im Internet scheinen diese Regeln alle nicht mehr zu gelten. Warum eigentlich?

Rimonda Naanaa – Bildschirmfoto

An diesem Abend treten die Künstler in Klamotten auf, die, um es freundlich zu formu­lieren, in einer Bahnhofs­kneipe nicht weiter aufge­fallen wären. Wobei Auftritt nicht der richtige Ausdruck ist, denn bei Auffüh­rungs­beginn sitzen sie bereits – in einer Kulisse, die man sich armse­liger nicht vorstellen kann. Zu Füßen der beiden Musiker je eine Wasser­flasche. Es hallt unglaublich. Im Begleittext zum Video findet sich lediglich eine Titel-Liste des Programms. Das ist bedau­erlich, weil Alkhoardi und Naanaa persische Musik spielen. Da ist dann beim ersten Titel beispiels­weise zu lesen: Sama’i Nahawand – Iraq, instru­mental piece composed by Ruhi Al-Khammas. Alles klar? Ende der Information.

Im Grunde könnte man die Aufführung damit verlassen. Anstatt einer Begrüßung gibt es ein Instru­men­tal­stück, das von Ruhi Al-Khammas aus dem Irak kompo­niert ist. Auch Alkhoardi weiß zu dem Stück nichts zu sagen, holt aber die Begrüßung nach. Er spricht fließend Arabisch und Englisch. Bei dem bisher gezeigten Service sind Unter­titel nicht zu erwarten, die dann auch ausbleiben. Naanaa spricht deutsch, hält sich aber vornehm zurück.

Auch wenn niemand, der des Arabi­schen nicht mächtig ist, weiß, was an diesem Abend gesungen und gespielt wird, wird es eine eindrucks­volle Dreivier­tel­stunde. Denn Alkhoardi überzeugt nicht nur an der Oud, sondern ebenso mit grandioser Stimme, die auch in den Höhen unange­strengt standhält, was er vor allem in Al Maya aus Syrien eindrucksvoll beweist. Mit Longa Farahfaza aus Ägypten kann Naanaa ihre außer­or­dent­lichen Fähig­keiten am Kanoun im Solo unter Beweis stellen. Die Oud ist eine Kurzhals­laute mit zehn Saiten, die vor allem im arabi­schen Raum verbreitet ist und als Vorläu­ferin der Gitarre gilt. Die Kanoun, die Naanaa so virtuos bespielt, ist eine 78-saitige Kasten­zither, die vor allem im irani­schen und türki­schen Raum Geltung erlangte. Iranische Musik gibt es an diesem Abend trotz gegen­tei­liger Ankün­digung nicht zu hören. Als „Schmankerl“ spielen die beiden grandiosen Musiker zum Abschluss Uskudar, ein Lied, das in mindestens 19 Versionen über den Globus verteilt gespielt wird, wobei natürlich jedes Land von sich behauptet, das Lied stamme von ihm. So entsteht am Ende des Abends so etwas wie ein Gefühl der Univer­sa­lität, einer Weltläu­figkeit, die im gezeigten Rahmen vollständig untergeht. Denn Weltläu­figkeit meint nicht, sich hinter fremden Sprachen zu verstecken, sondern mit ausrei­chender Infor­mation Brücken zu schlagen.

So wunderbar die Idee ist, persische Musik trotz aller Widrig­keiten einem deutschen Publikum vorzu­stellen, so ärgerlich ist die fehlende Ernst­haf­tigkeit dieses Versuchs. In Anbetracht der Tatsache, dass die Bühnen noch eine ganze Weile verwaist sein werden, sollten auch die Veran­stalter etwas mehr Engagement im Internet zeigen. Denn nur so werden sie zukünftig Gelder generieren können, um Künstler zu bezahlen. Und dafür lohnt es sich doch.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: