Schräge Liebe

FACETTEN DER LIEBE
(Diverse Kompo­nisten und Autoren)

Gesehen am
1. Mai 2020
(Video on demand)

 

Hinter­hofsalon Köln

Einmal in der Woche muss es 20–20.live sein. Da hat man sich doch schon sehr an dieses schöne Format gewöhnt, das Christina und Gerhard von Richt­hofen zusammen mit Anja Reuther vom Hinter­hofsalon Köln auf dem Kultur­kanal einge­richtet haben. Auch in dieser Woche ist wieder alles wie neu. Die Kulisse, wie gewohnt in plüschigem Rot, ist neu aufgebaut und wirkt sehr intim, ja, fast schon beengend. Aber das ist ja in Ordnung, schließlich treten hier lediglich zwei Menschen auf.

Das sind in dieser Woche Anna Maria Wasserberg und Gero Wycik. Auch diese beiden sind ein Paar. Sie ist Schau­spie­lerin, er Multi­in­stru­men­talist. Und gemeinsam haben sie das Programm Facetten der Liebe erarbeitet, aus dem sie in einer knappen Stunde Auszüge präsen­tieren. In dem Wechsel aus Texten und Liedern geht es ihnen nicht so sehr um die roman­tische Seite der Liebe, sondern eher um die Abgründe und Fallstricke, die dieses Gefühl so ganz nebenbei mit sich bringt.

Christina von Richt­hofen moderiert wie gewohnt – Bildschirmfoto

Nach der Publi­kums­be­grüßung von Reuther führt Christina von Richt­hofen ein kurzes und kurzwei­liges Gespräch mit dem Paar, ehe Wycik erst mal den Klassiker von Gioachino Rossini präsen­tiert: Una voce poco fa, die berühmte Kavatine der Rosina aus dem Barbier von Seviglia. Aller­dings spielt er sie auf dem Fagott. Und auch, wenn das originell und schön gespielt ist, nein, das möchten wir doch lieber gesungen hören. Anschließend bringt Wasserberg die Geschichte Julia Notz von Gerold Späth zu Gehör. Der Vortrag ist, wie auch bei den späteren Stücken, packend. Die Taran­tella neapo­litana, die Wycik auf dem Akkordeon spielt, verbreitet gute Laune und lässt einen vor dem Bildschirm schon mal mitwippen. Das Plädoyer einer Frau gehört zu den weniger bekannten Texten von Erich Kästner, gefällt aber deshalb nicht weniger. Vom Klavier begleitet, trägt Wasserberg The man I love von George Gershwin vor, ehe sie sich der nachdenklich stimmenden Geschichte Das hässliche Paar von Marion Benedetti widmet. Anschließend gibt es Entschwundene Tage von Edvard Grieg am Klavier. Mit einer kleinen Urlaubs­reise, die Gerold Späth in Leonie Figi erzählt, verbreitet Wasserberg so etwas wie Italien-Sehnsucht. Und hätten die beiden es dabei belassen, wäre es ein ganz wunder­barer, abwechs­lungs­reicher Hörgenuss gewesen. Aus irgend­einem Grunde aber überkommt es Wycik, Una festa sui prati von Adriano Celentano covern zu wollen. Ein Total­ausfall, der Celentano-Fans regel­recht verärgert. Da hilft dann auch nicht mehr das zum Abschluss vorge­tragene A‑Cap­pella-Duett Non potho reposar‘ von Andrea Parodi. Trotzdem bleibt es im Gesamt­ein­druck ein gelun­gener Abend mit einem ungewöhn­lichen Programm, das nicht nur unter­halten, sondern auch zum Nachdenken anregen kann.

In der kommenden Woche heißt es dann Milonga for two. Der Schau­spieler Herb A. Bruns erzählt seine Geschichten zum Tango argentino, während Diana Munyakazi und Daniel Perusin, die privat und beruflich ein Paar sind, im Hinter­hofsalon Köln tanzen.

Michael S. Zerban

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