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Bildschirmfoto

Gruß aus New York

RHAPSODY IN BLUE
(George Gershwin)

Gesehen am
17. Mai 2020
(Video on demand)

 

Classic at home, Oval, Salzburg 

Zwei Wochen ist es her, dass Katie Mahan in einem Livestream aus dem Oval in Salzburg die Appas­sionata Ludwig van Beethovens spielte. Das sorgte für Begeis­terung, und so verwundert es kaum, dass sie jetzt wieder am Klavier im Studio Platz nimmt. Deutlich selbst­si­cherer und voll spürbarer Vorfreude kündigt sie zweisprachig an, dass sie an diesem Abend ihr Lieblings­stück spielen wird, weil es ein Stück ist, dass „die Menschen glücklich macht“. Es ist die Rhapsody in Blue von George Gershwin.

Ende 1923 erhielt Gershwin einen Anruf von Paul Whiteman. Der Kollege fragte Gershwin, ob er nicht Lust habe, ein Jazzstück für Orchester zu schreiben. Danach hörte Gershwin nichts mehr von dem Projekt. Im Januar 1924 fragte Ira seinen Bruder George, ob es richtig sei, dass er in vier Wochen ein Konzert gebe. Er habe das gerade in der Zeitung gelesen. Auf der Zugfahrt von New York nach Boston, also innerhalb von einigen Stunden, kompo­nierte Gershwin dann seine Rhapsody in Blue, die zunächst American Rhapsody hieß und auf Vorschlag Iras geändert wurde. Am 7. Januar lag das erste Manuskript für zwei Klaviere vor, vier Tage vor der Premiere am 8. Februar war die erste Orches­trierung fertig. Arrangeur Ferde Grofé, der für die Orches­trierung zuständig war, fertigte noch weitere zwei Parti­turen, jeweils für größeres Orchester, 1926 und 1942 an. Die Fassung von 1942 ist die, die heute noch mit Abstand am häufigsten gespielt wird.

Bildschirmfoto

Mahan lernte Rhapsody in Blue als Fassung für zwei Klaviere kennen und lieben, als sie mit ihrer Mutter, die gleich­falls Pianistin ist, übte. Später schrieb sie ein eigenes Arran­gement, das sie auch auf CD einspielte. Unter einer Rhapsodie versteht man, so ist in Wikipedia nachzu­lesen, ein Instru­men­talwerk, das „an keine spezielle Form in der Musik gebunden ist“. Hier können also Gedanken, Assozia­tionen, Melodien und so weiter neben­ein­an­der­ge­stellt werden. Für Gershwin, der 1923 wenig Erfahrung in der Kompo­sition für klassi­sches Orchester besaß, die ideale Form. Und sicher auch eine gute Möglichkeit, Jazz mit klassi­scher Sinfonik zu verbinden. Für Mahan ist die Rhapsody in Blue das schönste Porträt von New York. Sie erzählt von dem Glitzern, den Verkehrs­ampeln, den Massen von Leuten und der Mischung der Kulturen, die sie in dem Stück ebenso hört wie die Zugfahrt, während der das Werk entstand.

Und ja, so, wie sie das Stück inter­pre­tiert, möchte man ihr unein­ge­schränkt Recht geben. Aufregend spielt sie die einzelnen Stimmungen heraus, baut in den Piani regel­recht Spannung auf und zeigt im Forte überbor­dende Spiel­freude, die ihr selbst schon mal ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Dabei gelingt ihr das seltene Vergnügen, das Werk als ein Stück erscheinen zu lassen, das sonst so oft als eine Anein­an­der­reihung von Einzel­stücken präsen­tiert wird. Nach diesen 20 Minuten weiß man, warum es das Lieblings­stück Mahans ist und bis heute zu den populärsten Werken in der ameri­ka­ni­schen Musik­li­te­ratur zählt.

Mahan spielt längst auf einem Level, auf dem man sich nicht mehr um Noten kümmert, sondern das Innere eines Werks zuoberst kehrt. Und da spielt es auch keine Rolle mehr, eine einiger­maßen vernünftige Musik­anlage voraus­ge­setzt, dass es sich um einen Stream handelt. Faszi­niert kann man sich ganz und gar auf ihren Vortrag einlassen, genauso viel Freude an den kleinen Späßen in der Musik empfinden wie man sich im Zugabteil zu sitzen wähnt.

Das Bedauern ist groß, als die 20 Minuten viel zu schnell herum sind. Und das Erwachen wird auch nicht dadurch gelindert, dass die Pianistin als Zugabe den ersten Satz von Mozarts Klavier-Sonate Nummer sechs spielt. Da darf sie einmal mehr ihre Virtuo­sität vorführen, aber der Funke mag nicht mehr so recht überspringen. Zu sehr hat sie ihr Publikum mit der Rhapsodie gefangen genommen. Ein großar­tiger Abend geht zu schnell zu Ende. Und der letzte Blick auf die leere Tastatur ruft gar so etwas wie Wehmut hervor.

Michael S. Zerban

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