O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Subtile Verwirrungen der Gefühle

COSÌ FAN TUTTE
(Wolfgang Amadeus Mozart)

Besuch am
12. August 2020
(Premiere am 2. August 2020)

 

Salzburger Festspiele, Großes Festspielhaus

Eine weiße Wand mit zwei weißen Türen, eine bühnen­breite Treppe zum hochge­fah­renen Orches­ter­graben, keine Versatz­stücke, keine Requi­siten. Nur einmal öffnet sich zur Serenade, wenn etwas Natur vonnöten ist, die Wand und gibt einen großen Baum mit Blättern frei: Minima­lis­tisch ist die Ausstattung, die Johannes Leiacker erdacht hat, im Großen Festspielhaus, in Schwarzweiß gehalten sind die einfachen Kostüme von Barbara Drosihn, nur wenn sich die beiden Männer verkleiden, tauchen sie in bewusst geschmack­losen, kitschigen, kurzen  Hosen oder Anzügen auf. Denn diese Così fan tutte von Wolfgang Amadeus Mozart wurde aus der Not geboren. Eigentlich hatte man bei den Salzburger Festspielen vom Genius Loci im Jubilä­ums­sommer 2020 Die Zauber­flöte geplant. Doch dann kam Corona und da erwies sich das Insze­nie­rungs­konzept für die Oper für diesen Sommer zu aufwändig. Deshalb wechselte man seitens der Festspiel­leitung kurzfristig auf die Così fan tutte und präsen­tiert sie jetzt stark, aber gekonnt gekürzt auf knapp zweieinhalb Stunden. Und diese Entscheidung erweist sich vom Ergebnis her als goldrichtig, denn die Produktion wird zum regel­rechten Glücksfall.

Foto © Monika Rittershaus

Dafür sorgt einer­seits Christoph Loy, den man dafür als Regisseur gewinnen konnte. Er zeigt ein psycho­lo­gisch durch­dachtes Kammer­spiel von Mozarts heiklem Liebes- und Lebens­ex­pe­riment. Er schuf mit glaub­haften Charak­teren, deren Verwir­rungen der Gefühle, das Labyrinth der Liebe man oft nur durch Blicke und kleine Geste erkennen kann. Er zeigt klar die Zeitlo­sigkeit von Liebe, Verführung und Untreue, wovon die Oper ja handelt. Der Regisseur setzt mit meister­licher Perso­nen­führung dabei ganz auf die psycho­lo­gi­sie­rende Kraft des Librettos von Lorenzo da Ponte und zeigt nahe am Heute keine bloße Liebes­tän­delei, sondern eine subtile ideen- und detail­reiche Regie, die ganz auf den Text und die Musik lauscht. Meisterlich ausba­lan­ciert und weil nichts ablenkt, schauen wir ganz tief in das, was man Seele nennt, in die Tiefe der Menschlichkeit.

Dafür sorgt auch ein wunderbar, homogenes Sänger­ensemble ganz ohne Schwach­stellen: Elsa Dreisig ist eine innige, fein phrasie­rende Fiordiligi mit wunder­baren Piani, hoher Empfin­dungs­tiefe, reinsten Kolora­turen und ungefähr­deten Höhen. Sie durch­misst die Felse­narie mit schier unerschöpf­lichen Reserven. Marianne Crebassa ist eine sänge­risch exzel­lente Dorabella mit wunderbar dunklem und berüh­rendem Timbre. Lea Desandre ist und singt eine flexible, quirlige und kecke Despina mit sehr leichtem Sopran.  Bei ihren Auftritten mit Rührbesen, rhyth­mi­schen Haushaltslärm bewirkend oder als Arzt und ganz besonders als urkomi­scher Notar hat sie die Lacher des Publikums auf ihrer Seite. Bogdan Volkov als Ferrando tritt als vielver­spre­chender, lyrischer Tenor auf. Wunderbar gelingt ihm dabei die Arie Un aura amorosa. Und zwar so schön, dass es Don Alfonso Tränen in die Augen treibt, mögli­cher­weise weil er sich an seine entschwundene Liebe erinnert. Johannes Martin Kränzle singt ihn als kraft­vollen Strip­pen­zieher. Andrè Schuen verfügt als sehr viriler Guglielmo über einen warmen, kernigen Bariton. Die Konzert­ver­ei­nigung Wiener Staats­opernchor in der Einstu­dierung von Huw Rhys James singt wenig und das homogen und aus dem Off.

Dass diese Produktion ein Glücksfall wird, dafür sorgen auch die Wiener Philhar­mo­niker unter der ungemein agilen und jeden Einsatz zeigenden Joana Mallwitz. Zum ersten Mal steht sie am Pult dieses Orchesters sowie zum ersten Mal als Frau bei einer szeni­schen Produktion der Salzburger Festspiele am Pult. Mit großer Eleganz und Energie, delikaten Farbab­mi­schungen, mit denen sie die sich sichtlich wohl fühlenden Musiker immer sicher, durch­hörbar, pointiert, vital und duftig durch die Partitur führt, ohne dabei zu roman­ti­sierend zu werden.

Stehender Applaus der schach­brett­artig im Großen Festspielhaus sitzenden, beglückten Zuhörer.

Helmut Christian Mayer

Teilen Sie O-Ton mit anderen: