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Foto © Tom Schulze

Opernhitparade auf Italienisch

NESSUN DORMA
(Diverse Komponisten)

Besuch am
27. September 2020
(Premiere am 25. September 2020)

 

Oper Leipzig

Es ist die wohl berühm­teste italie­nische Arie für einen Tenor. Nessun dorma – Keiner schlafe, aus Giacomo Puccinis Turandot. Und sie ist Namens­geber für eine italie­nische Opern­nacht an der Oper Leipzig. Mit großen Hits aus Opern von Guiseppe Verdi, Giacomo Puccini und Gaetano Donizetti soll das zahlen­mäßig stark limitierte Publikum für den langen Verzicht auf Oper live entschädigt werden.

An drei Abenden hinter­ein­ander stehen Solisten und Gäste der Oper Leipzig auf der Bühne vor dem Orchester, um berühmte Arien, Duette oder Szenen zu inter­pre­tieren. Ohne Regie­zwang, ohne einengende Kostüme, ganz fokus­siert auf die Musik und den Gesang. Da kann man brillieren und zeigen, was man sänge­risch drauf hat und die eine oder andere Arie so inter­pre­tieren, wie es oft bei einer Bühnen­auf­führung gar nicht möglich ist.

Olga Jelínková – Foto © Tom Schulze

Doch der Teufel steckt im Detail, und der Grat zwischen sänge­ri­scher Brillanz und falscher Einschätzung ist schmal. Insbe­sondere hat ein nur zu einem Viertel gefülltes Opernhaus ohne Bühnenbild eine ganz andere Akustik als ein ausver­kauftes Haus mit großem Bühnenbild, das doch einiges schluckt. Und diese Akustik ist tückisch und verzeiht keine Fehler. Das muss die Sopra­nistin Karah Son an diesem Abend erfahren. Schon bei ihrer ersten Auftrittsarie Un bel di vedremo, der Arie der Madama Butterfly aus Puccinis gleich­na­miger Oper, werden diese Heraus­for­de­rungen hörbar. Son gestaltet die Arie zwar sehr gefühlvoll, doch bei dem drama­ti­schen Ausbruch zum Schluss wird die Stimme unangenehm scharf in der Höhe. Dem nachfol­genden Liebes­duett Mimì und Rodolfo aus La bohème fehlt dafür die innige Beseeltheit, und die finalen Töne, im zarten Piano zu singen, sind brüchig. Das zieht sich bei Son durch den ganzen Abend. Sei es bei der großen Arie der Aida O patria mia oder bei der Arie der Liu Signore ascolta, die ja fast wie ein Gebet angelegt ist. Sie geht zum Schluss in ein wunder­schönes Piano, doch anstatt die Töne strömen zu lassen, forciert sie wieder und bringt dadurch eine unnötige wie unschöne Dramatik ein. Hier wäre weniger mehr, denn das an sich schöne Stimm­ma­terial der Son kommt durch das ständige Forcieren nicht warm zur Geltung. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass drei Abende hinter­ein­ander für die eine oder andere Stimme zu viel sind.

Diese Probleme hat Gaston Rivero nicht. Sein Tenor, mit wunder­schönem barito­nalem Timbre, hat den Schmelz und den Strahl in der Höhe, die diese Arien so einmalig machen. Natürlich ist sein Nessun dorma der langersehnte Höhepunkt des Abends, und Rivero kostet ihn auch voll aus. So singt jemand, dem diese Arien in die Stimme gelegt wurden. Schon vorher hat er als Cavara­dossi mit E lucevan le stelle aus Tosca seine Puccini-Virtuo­sität unter Beweis gestellt. Emotional auch das Freund­schafts­duett Dio, che nell’alma infondere aus Verdis Don Carlo, mit Rivero als Carlo und Franz Xaver Schlecht als Rodrigo. Die beiden puschen sich gegen­seitig, Gänsehaut pur. Schlecht ist vom Typus und von der Stimmlage der ideale Bariton für das junge Fach. Die Arie des Germont Di provenza di mar aus La Traviata singt er mit großem Ausdruck, doch etwas zu drama­tisch. Germont ist ein Vater, der seinen Sohn Alfredo zur Rückkehr in die Familie bewegen will. Die Rolle wird er in seinem späteren Leben sicher noch groß gestalten, doch momentan ist er dafür einfach noch zu jung.

Gaston Rivero – Foto © Tom Schulze

Einen ganz starken Eindruck hinter­lässt die Sopra­nistin Olga Jelínková, seit dieser Spielzeit fest im Ensemble der Oper Leipzig. Mit der großen Arie der Violetta Sempre libera aus La Traviata weiß sie mit starkem Ausdruck, sicheren Höhen und perlenden Kolora­turen zu begeistern. Mit Sicherheit ein großer Gewinn für die Oper Leipzig. Die Mezzo­so­pra­nistin Karin Lovelius, dem Leipziger Publikum vor allem mit Partien von Richard Wagner und Richard Strauss bekannt, darf sich mit der Arie der Azucena Stride la vampa aus Il trovatore und der Arie der Ulrica Re dell’abisso, affrettati aus Un ballo in maschera von einer ganz anderen Seite zeigen und begeistert mit ihrem dunkel­ge­färbten Mezzo und starkem Ausdruck im Gesang. Mathias Stier rührt mit der innig gesun­genen Arie des Nemorino Una furtiva lagrima aus Donizettis Liebes­trank tatsächlich fast zu Tränen. Komplet­tiert wird die Szene durch das Quartett Adina credimi, bei dem Sandra Maxheimer zu den anderen Solisten hinzu­kommt und sich harmo­nisch in das Quartett mit Stier, Jelínková und Schlecht einfügt.

Ganz großes Theater bieten zwei tiefschwarze Bässe in der Szene des Großin­qui­sitors aus Verdis Don Carlo. Sebastian Pilgrim als Großin­qui­sitor und Randall Jacobsh als König Philipp II giften sich an, dass es einem fast angst und bange werden kann. Die beiden in dieser Kombi­nation, besser und düsterer kann man diese Szene fast nicht mehr gestalten. Als Zugabe und Rausschmeißer zugleich mit allen Solisten gemeinsam gibt es natürlich das Trinklied Libiamo aus der Traviata. Zum großen Finale schießt dann noch Konfet­ti­regen aus der Kanone, man feiert sich halt auch gerne selbst.

Das Gewand­haus­or­chester unter der Leitung von Matthias Foremny spielt munter auf und zeigt, dass es neben Wagner und Strauss auch die großen Italiener beherrscht. Foremny leitet das Orchester mit großem Gestus, aber immer bemüht, die Sänger nicht zu überdecken.

Die eingangs gespielte Ouvertüre zu Verdis Nabucco erklingt kraftvoll, majes­tä­tisch und dynamisch. Das Publikum, leider nicht immer diszi­pli­niert, was einzelne Kommentare zu den Auftritten der Solisten betrifft, feiert am Schluss die Sänger mit langan­hal­tendem Applaus und Jubel. So endet eine italie­nische Nacht mit viel Licht und etwas Schatten. Schön wäre es gewesen, wenn dieses Konzert noch moderiert worden wäre und zum Verständnis der einen oder anderen Arie der deutsche Text als Übertitel einge­blendet gewesen wäre. So war es mehr eine Anein­an­der­reihung von großen Hits wie bei einer italie­ni­schen Opern­hit­parade. Aber auch die hört man ja gerne.

Andreas H. Hölscher

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