O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Lachen und Weinen aus der Dunkelheit

PIERROT LUNAIRE
(Arnold Schönberg)

Besuch am
30. September 2020
(Premiere)

 

Komische Oper Berlin

Das Kultur­leben in Berlin fängt an, Schwung zu nehmen. Als Auftakt für die Saison 202021 bringt die Komische Oper eine One-Woman-Show, die aus drei Monodramen besteht – erst zwei kurze Stücke von Thomas Beckett und dann der Pierrot Lunaire von Arnold Schönberg. Alles auf Deutsch, alles ohne Übertitel – heutzutage ganz ungewöhnlich. Darstel­lerin für diese drei sehr unter­schied­lichen Charaktere ist die in Berlin geborene Schau­spie­lerin und Sängerin Dagmar Manzel. Dem deutschen Publikum aus über 80 Filmen bekannt, ist Manzel gern gesehene Schau­spie­lerin an der Komischen Oper, zuletzt als Haupt­dar­stel­lerin in der Operette Die Perlen der Cleopatra und davor in Ball im Savoy.

Barrie Kosky und Dagmar Manzel haben lange schon den Wunsch gehegt, diese Stücke zu insze­nieren. Dass das Projekt zu diesem Zeitpunkt Corona-bedingt verwirk­licht werden konnte, ist glück­licher Zufall, so Kosky in seiner Dankesrede auf der Bühne nach der pausen­freien Vorstellung. Nun hat Manzel die Gelegenheit, diese drei verschie­denen Rollen, drei grund­ver­schiedene Persön­lich­keiten, mit großer Diffe­ren­zierung und Ausdruck zu verwirklichen.

Pierrot Lunaire ist ja kein abend­fül­lendes Stück, also wurden noch zwei Monodramen ohne Musik von Samuel Beckett voran­ge­stellt – Nicht ich von 1972 und Rockaby von 1981.

Beckett schrieb in seinen Bühnen­an­wei­sungen für Nicht ich, dass nur der Mund sichtbar sein sollte. Es sollte keine Körper­lichkeit bestehen. Bei Kosky ist die Bühne schwarz, ein einzelner Licht­strahl fällt auf einen übergroßen Mund mit grell­roten Lippen und strah­lend­weißen Zähnen. Dieser Mund spuckt den Monolog aus, ein kaum unter­bro­chener, atemloser Redefluss, dem dann doch eine gewisse Melodie der Sprache entnommen werden kann. Die Worte werden wiederholt, werden zerrissen, akzen­tuiert. Obwohl nur etwa 15 Minuten lang, sind es 15 Minuten der höchsten Konzen­tration für die Darstel­lerin. Der Text hat keinen narra­tiven Kontext – die Worte befassen sich mit einem inneren paranoiden Zustand, obwohl angeblich eine andere Person gemeint ist.

Foto © Monika Rittershaus

In Rockaby ist Manzel eine alte Frau, die einsam auf der großen, dunklen Bühne – auch hier nur mit einem Schein­werfer beleuchtet – auf einem Schau­kel­stuhl sitzt und über ihr Leben, aber auch ihren hoffentlich bald kommenden Tod sinniert. Sie ist in ihrem besten schwarzen Kleid gekleidet und schaukelt unentwegt. Der Titel bezieht sich auf die Zusam­men­fügung der engli­schen Worte rock für schaukeln und lullaby für Wiegenlied, vergleichbar in etwa mit dem deutschen „Hoppe, hoppe Reiter“. Auch bei diesem Rockaby gibt es keine heile Welt, auch hier schreit das Kind, wenn es fällt. Auch diese alte Frau lacht und weint durchs Leben. Und wartet jetzt, schau­kelnd, auf ihren Tod.

Als Pièce de resis­tance – dreimal sieben Gedichte aus dem Zyklus von Albert Girauds Pierrot Lunaire – wurde von Arnold Schönberg 1912 die Auftrags­kom­po­sition für die Schau­spie­lerin Albertine Zheme kompo­niert. Eine „durchaus talen­tierte Wienerin“, wie Alban Berg urteilte. Aus der ursprünglich angedachten Piano­be­gleitung für Sopran hat Schönberg ein kammer­mu­si­ka­li­sches Ensemble von fünf Musikern für Sprech­stimme kompo­niert. Das hat Christoph Breidler hier zu einem homogenen Körper um die – für unsere heutigen Ohren – durchaus melodiösen und lyrischen Schön­berg­schen Klänge zusam­men­gefügt. Kosky lässt Manzel als kleines Kind in blau-weißem Matro­sen­anzug mit einem vielge­liebten Teddy­bären auf einem übergroßen Kinderbett auftreten. Als Gegensatz zu diesem kindlichen Bild rezitiert Manzel die kompli­zierten Rhythmen mit ausdrucks­starken stimm­lichen Klang­farben. Man muss aber schon sehr genau hinhören, um bei den Gedichten von Giraud eine Weiter­ent­wicklung der frechen, oft melan­cho­li­schen Figur des Pierrots oder darüber hinaus des traurigen Clowns zu finden.

Ein einfach anmutender und doch tiefsin­niger Abend mit einer großar­tigen Darstel­lerin. Einhel­liger Applaus für Manzel und Kosky sowie die Musiker.

Randbe­merkung: Bei der Walküre-Vorstellung in der Deutschen Oper Berlin vor drei Tagen mussten alle Zuschauer eine Maske über den gesamten Abend, auch am Sitz, tragen. Im Gegensatz zur Aufführung an der Komischen Oper Berlin, da war expressis verbis per Durchsage keine Masken­pflicht am Sitz. Nach welchen Regeln wird hier gespielt?

Zenaida des Aubris

Teilen Sie O-Ton mit anderen: