O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Totentänze in dunklen Zeiten

KEEP MOVING!
(Ben van Cauwen­bergh et al.)

Besuch am
24. Oktober 2020
(Premiere)

 

Aalto-Ballett-Theater, Essen

Einen abend­fül­lenden Klassiker wie John Crankos Shake­speare-Adaption Der Wider­spens­tigen Zähmung, mit der das Essener Aalto-Ballett die Saison glanzvoll eröffnen wollte, lässt die Pandemie derzeit nicht zu. Einschüchtern lässt sich Ballett­di­rektor Ben van Cauwen­bergh von den Einschrän­kungen jedoch nicht. Keep Moving! nennt er das Ersatz­pro­gramm, zusam­men­ge­setzt aus fünf kurzen Choreo­grafien, die zwischen 1946 und 2019 entstanden sind. „In Bewegung bleiben!“ heißt die Maxime übersetzt, mit der van Cauwen­bergh auf die Krise reagiert. Und das Eingangs­stück, Aporie von Iris Bouche aus dem Jahre 2011, zeigt 18 Tänze­rinnen und Tänzer, die, wie aus einer langen Zwangs­pause erwachend, allmählich ihre einge­ros­teten Glieder in Bewegung setzen und mit beschleu­ni­gendem Tempo einen virtuosen Wirbel kleiner Gesten und Bewegungen in fast perfekter Synchro­nität entfachen. Eine tänze­risch anspruchs­volle und am Ende höchst vitale Aufwärm-Etüde, der mit On the Nature of Daylight ein dunkler Kontra­punkt gesetzt wird. Dahinter verbirgt sich die Sterbe­szene Desde­monas aus dem großar­tigen Essener Othello-Ballett von Denis Untila und Michelle Yamamoto, die den Blick auf den Tod richtet. Ein schwarzer, äußerst inten­siver, zwischen Zärtlichkeit und Aggres­si­vität lancie­render Pas de Deux von ungebrochen packender Eindring­lichkeit. Glänzend ausge­führt von Yuki Kishimoto und Yegor Hordiyenko.

Foto © Bettina Stöß

Besonders viele Fans unter den 250 zugelas­senen Premie­ren­be­su­chern scheint Armen Hakobyan zu haben, der, wie auch Untila und Yamamoto, dem Essener Ballett als Tänzer und Choreograf seit langem eng verbunden ist und für sein Stück Many a Moon die meisten Bravo-Rufe verbuchen kann. Die kraft­volle, expressive Körper­sprache, die sowohl den anfänglich schnell und unruhig pulsie­renden Ensemble-Teil als auch im Finale den ruhigen, zeitlich fast auf der Stelle tretenden Pas de Deux von Adeline Pastor und Davit Jeyranyan bestimmt, wirkt in ihrer Düsternis nicht weniger suggestiv als der Ausschnitt aus dem Othello-Ballett. Auch wenn der Bezug zur Schlüs­sel­frage Armen Hakobyans, „Wieviel Zeit braucht die Liebe und was macht sie aus ihr?“, unscharf bleibt.

Hakobyans Many a Moon, im letzten Jahr erst vom Stutt­garter Ballett aus der Taufe gehoben, stellt die jüngste Arbeit der fünf Stücke dar, Roland Petits Klassiker Le Jeune Homme et la Mort – Der junge Mann und der Tod – aus dem Jahr 1946 die älteste. Ebenfalls ein Pas de Deux, wie der Othello mit mortalem Ausgang, der durch die wuchtige, strenge Passa­caglia Johann Sebastian Bachs aller­dings schroffer und bedin­gungs­loser wirkt als On the Nature of Daylight mit den roman­tisch weichen Klängen von Max Richter. Bei Petit wird ein junger Künstler durch eine schöne, von ihm angehim­melte Frau immer wieder zurück­ge­wiesen und schließlich in den Suizid getrieben. Jetzt erscheint die Frau als perso­ni­fi­zierter Tod und führt ihn hinaus aus der Mansarde über die Dächer von Paris.

Martin Carlos Nudo und Mariya Tyurina gestalten den Totentanz ebenso eindrucksvoll wie zuvor Elisa Fraschetti und Ige Cornelis den burlesken Ehestreit in Ben van Cauwen­berghs Choreo­grafie Heimspiel. Ein grotesk-ironi­scher Kommentar zu den tragi­schen Bezie­hungs­dramen der anderen Stücke. Zum aggressiv hämmernden Scherzo aus Anton Bruckners Neunter Symphonie gerät ein Ehepaar beim Frühstück in Streit, geht ausein­ander und findet sich am Ende, nicht weniger gelang­weilt als zuvor, wieder zusammen. Frustriert, aber wenigstens lebendig.

Insgesamt eine abwechs­lungs­reiche, unter­haltsame und anspruchs­volle Sammlung kleiner Stücke auf hohem tänze­ri­schem Niveau.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: