O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Bildschirmfoto

Strauss ohne Applaus

ZUEIGNUNG
(Richard Strauss)

Gesehen am
16. November 2020
(Livestream)

 

Bayerische Staatsoper München

Im Rahmen ihrer Reihe Montags­stücke setzte die Bayerische Staatsoper München ihre live im Stream übertra­genen Konzerte fort. Unter dem Titel Zueignung gab es ein Sonder­konzert Richard Strauss. Dieser Livemit­schnitt ohne Publikum, ohne Applaus, war sicher ein Konzert der etwas anderen Art. Während sich zum ersten Stück das Licht im Haus in ein dunkles Blau färbte, stand auf dem Programm das Hornkonzert Nr. 1 in Es-Dur, op. 11. Der erst 18-jährige Richard Strauss widmete es „Seinem lieben Vater, Herrn Franz Strauß, Königlich-Bayeri­scher Kammer­mu­siker“ zum 60. Geburtstag. Franz Strauss war ein bekannter Hornist und Mitglied des Münchner Hofopern­or­chesters. Parallel zur Erstfassung mit Klavier­be­gleitung entstand im Winter 188283 auch eine Version für Horn und Orchester, gewidmet dem damaligen Solohor­nisten der Königlich-Sächsi­schen Hofka­pelle Dresden, Oscar Franz. In der Orches­ter­fassung wurde das 1. Hornkonzert am 4. März 1885 im Rahmen eines Konzerts in Meiningen mit der Meininger Hofka­pelle unter der Leitung Hans von Bülows und dem Solisten Gustav Leinhos urauf­ge­führt. Musika­lisch besteht dieses 1. Hornkonzert aus 3 Sätzen, die aber unmit­telbar inein­ander übergehen. Asher Fisch am Pult des Bayeri­schen Staats­or­chesters und der Hornist Johannes Dengler spielen dieses so heitere und beschwingte Konzert im moderaten Tempo und mit viel Esprit. Die schwie­rigen Hornso­lo­stellen meistert Dengler sauber und mit Bravour. Nach 16 Minuten Konzert hätten Dengler und das Orchester einen großen Applaus verdient, der blieb natürlich mangels Publikum aus, dagegen eher eine beklem­mende Stille, was das Gefühl vermit­telte, irgend­etwas fehlte.

Bildschirmfoto

Nach einer kurzen Pause betritt Diana Damrau die Bühne, und ihre vom ersten Moment an positive Ausstrahlung spielt sich auch in den vier nicht so bekannten Richard-Strauss-Liedern wieder, die sie präsen­tiert. Beginnend mit Das Bächlein op. 88 Nr.1, dessen Dichter unbekannt ist, über Meinem Kinde op. 37 Nr. 1 von Gustav Falke bis hin zum Wiegenlied op. 43 Nr. 2 von Richard Dehmel. Damrau singt diese roman­ti­schen Lieder mit zartem Ausdruck, wechselt vom leisen Piano ins Drama­tische, und ihre ganze Körper­spannung, ihre Mimik und Gestik drücken die Freude am Gesang aus. Ganz große Liedkunst beweist Damrau mit dem vierten Lied Mutter­tän­delei op. 43 Nr. 2 von Gottfried August Bürger.

Hier spielt sie mit ihrer Stimme, gurrt, lässt die Ströme fließen. Das ist Liedkunst auf aller­höchstem Niveau, die auch berührt, weil die Damrau diese Lieder nicht nur einfach singt, sondern sie lebt. Auch ihr Abgang nach diesen vier Liedern wirkt etwas verloren in der Stille des großen Hauses.

Es gibt ein kurzes orches­trales Zwischen­spiel, das Inter­ludio aus dem zweiten Akt der Neube­ar­beitung von Mozarts Idomeneo. Nach den heiteren Liedern erklingt dieses kurze Werk düster und schwer­mütig, fast, als wolle es bewusst die schöne Stimmung vertreiben. Doch zeigt es auch die Vielfalt des musika­li­schen Ausdrucks im Schaffen von Richard Strauss.

Die nun folgenden vier Lieder werden von Tenor Klaus Florian Vogt inter­pre­tiert. Er beginnt mit dem Ständchen op. 17 Nr. 2, dann folgt die Freund­liche Vision op. 48 Nr. 1.
Mit seiner bekannten, leichten Tenor­stimme inter­pre­tiert er die roman­ti­schen Lieder. Leider ist die Stimme und der Ausdruck doch sehr eindi­men­sional, es fehlen die Farben, die Facetten und die Nuancie­rungen im Ausdruck. Auch die Körper­spannung, sein Gestus und seine Mimik lassen den emotio­nalen Ausdruck vermissen. So singt er die Lieder zwar technisch sauber und schön, aber sie berühren nicht, und das ist vor allem bei den folgenden Liedern
Liebes­hymnus op. 32 Nr. 3 und Cäcilie op. 27 Nr. 2 so eminent wichtig.

Bildschirmfoto

Das sich anschlie­ßende Duett-Concertino für Klari­nette und Fagott mit Streich­or­chester und Harfe ist ein musika­li­sches Kleinod für sich und musika­li­scher Höhepunkt des Konzertes. Es ist ein Alterswerk von Richard Strauss und wurde 1947, zwei Jahre vor seinem Tod, veröf­fent­licht und zeigt den monumen­talen Kontrast der musika­li­schen Entwicklung vom Hornkonzert Nr. 1 des 18-jährigen Kompo­nisten bis hin zum Schaffen mit 83 Jahren. Diesem Duett-Concertino liegt die Idee zu Grunde, die lustige Klari­nette gegen das traurige Fagott auszu­spielen. Angeblich soll Hans Christian Andersens Märchen vom Schwei­ne­hirten Richard Strauss zu diesem Werke inspi­riert haben, in dem ein Schwei­nehirt, darge­stellt durch das Fagott, um eine kapri­ziöse Prinzessin, die von der Klari­nette verkörpert wird, wirbt. Der Altmeister, der nach einem musika­li­schen Helden­leben, welches ihn durch alle Höhen und Tiefen der Empfindung führte, zu heiterer Einfachheit zurück­kehrt, beschwört hier eine reine und musika­lische Schönheit. Markus Schön mit der Klari­nette und Holger Schin­köthe am Fagott lassen dieses musika­lische Zwiege­spräch und Werben auf wunderbare Weise erklingen.

Zum Abschluss des Konzertes erklingen noch einmal bekannte und weniger bekannte Lieder von Richard Strauss. Es ist zunächst wieder Diana Damrau, die den Zuschauer am Bildschirm mit dem Traum durch die Dämmerung op. 29 Nr. 1 in eine wirklich träume­rische Stimmung versetzt, die auch mit dem Lied Das Rosenband op. 36 Nr. 1 anhält. Klaus Florian Vogts Heimliche Auffor­derung op. 27 Nr. 3 weiß inter­pre­ta­to­risch durchaus zu gefallen.

Mit der Winter­weihe op. 48 Nr. 4 stimmt Damrau schon einmal mit zarten Tönen auf die bevor­ste­hende Zeit an. Auch ihr Aller­seelen op. 10 Nr. 8 ist von berückender Inten­sität und Ausdrucks­kraft. Mit Morgen! op. 27 Nr. 4 macht Vogt etwas Mut in diesen schwie­rigen Zeiten, wenn er fast entrückt singt „Morgen wird die Sonne wieder scheinen“. Das große Finale bestreiten Damrau und Vogt gemeinsam mit dem vielleicht bekann­testen und schönsten Lied von Richard Strauss, das dem Konzert auch seinen Titel gab: Zueignung op. 10 Nr. 1. Die erste Strophe singt Damrau, die zweite Vogt, um dann die dritte Strophe gemeinsam zu singen. Sicher sehr ungewöhnlich für ein Kunstlied, aber was ist an diesem Konzert auch gewöhnlich. Mit großem Ausdruck gesungen, auch wenn die Stimm­lagen der beiden nicht ideal harmo­nieren, kommt er dann endlich, der lang ersehnte Gänse­haut­moment. Dann ist Schluss, eine kurze Verbeugung des Dirigenten vor dem imagi­nären Publikum an den Bildschirmen, kein Applaus, ein stiller Abgang.

Musika­lisch war es ein wunder­bares und anspruchs­volles Strauss-Konzert, doch die kühle Atmosphäre in dem leeren Natio­nal­theater trug mit dazu bei, dass der Funken nicht wirklich übersprang. Lediglich die Damrau konnte mit ihrem ausdrucks­starken Liedgesang wirkliche Emotionen erwecken, aber auch das Bayerische Staats­or­chester unter der Leitung von Asher Fisch und den Solisten Markus Schön, Holger Schin­köthe und Johannes Dengler haben die Vielfalt des musika­li­schen Schaffens von Richard Strauss überzeugend dargestellt.

Die Dirigentin Oksana Lyniv, die vor wenigen Tagen ein Sympho­nie­konzert ohne Publikum dirigiert hat, hat so ein „Geister­konzert“ in einem leeren Konzertsaal mit einem Seelen­zu­stand verglichen, wenn man eine leere Kirche betritt, mit einem Bedürfnis nach einem Gebet. „Man ist dann allein im Raum, aber ganz tief in seinen eigenen Gedanken – und man wendet sich an etwas Höheres.“ Es gebe keinen Applaus, nichts Effekt­volles oder Feier­liches. Die Musiker können so ganz frei ihrem Bedürfnis nachgehen, „durch die Musik die Gefühle sprechen zu lassen“. Doch übertragen auf das Konzert Zueignung müssen diese Gefühle dann auch beim Zuschauer ankommen und was mit ihm machen. Das ist nur teilweise gelungen.

Andreas H. Hölscher

Teilen Sie O-Ton mit anderen: