O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Bildschirmfoto

Durch die Zeiten

DON JUAN
(Christoph Willibald Gluck)

Gesehen am
31. Januar 2021
(Livestream)

 

Gärtner­platz­theater, München

Nach den erfolg­reichen Opern- und Operetten-Livestreams am Gärtner­platz­theater München haben Intendant Josef E. Köpplinger und GMD Anthony Bramall eine neue Serie ins Leben gerufen, die der „Sinfo­ni­schen Lyrik“. Musik und Wort prallen als Gegensatz aufein­ander oder ergänzen sich in Harmonie. Den Anfang macht die Geschichte um den Frauenheld Don Juan. Doch es ist nicht die Mozar­tische Fassung des Don Giovanni, sondern die leider viel zu selten gespielte Ballett­musik von Christoph Willibald Gluck. Seit seinem Auftauchen auf der Bühne des 17. Jahrhun­derts mit dem Drama Don Juan von Tirso de Molina – der wegen seiner Werke beinahe exkom­mu­ni­ziert worden wäre – hat der Mythos des rastlosen Frauen­helden Don Juan zahllose Schrift­steller, Kompo­nisten und andere Künstler zu immer neuen Versionen angeregt. So kompo­nierte Christoph Willibald Gluck die Musik zu einer 1761 in Wien urauf­ge­führten Ballett­pan­tomime, deren Handlung „höchst traurig, grausig und schrecklich“ ist, wie ein Zeitge­nosse schrieb. Kernstück der Partitur ist vor allem Don Juans Höllen­fahrt, die hochdra­ma­tisch im Orchester darge­stellt wird. Aber auch Don Juans Duell mit dem Komtur, sein rauschendes Fest, auf dem er hofft, diverse Schön­heiten zu verführen, und nicht zuletzt der Auftritt der Statue des Komturs, die Don Juans Einladung zum Gastmahl folgt, sorgen für eine besondere Stimmung.

1761 fand die vielbe­achtete Aufführung des Balletts Don Juan statt, zu dem der Tänzer und Choreograf Gasparo Angiolini die Choreo­grafie schuf. Angiolini hatte eine belebte Tanzdar­stellung vor Augen. Damit setzte er sich gegen die damals vorge­gebene höfische Ballett-Tradition ab, mit ihren Masken und der daraus resul­tie­renden Typik und Starrheit. Sein Wunsch war es, das typische reprä­sen­tative Ballett durch ein Handlungs­ballett zu ersetzen, das einem sinnvoll drama­tur­gi­schen Ablauf folgen sollte. Über den Kompo­nisten Gluck sagte Angiolini: „Gluck hat die Musik gesetzt. Er hat das Stück vollkommen erfasst und versucht, die Leiden­schaften, die vorge­stellt werden und das Grausen, das die Katastrophe beherrscht, auszu­drücken! Die Musik ist bei der Pantomime die Haupt­sache: sie ist es, die spricht, wir machen nur die Bewegungen. Es wäre uns fast unmöglich, uns ohne Musik verständlich zu machen, und je mehr sie an das angepasst ist, was wir ausdrücken wollen, desto besser werden wir verstanden.“

Bildschirmfoto

Angiolini legte beson­deren Wert auf die Feststellung, dass die Musik eigens für das Ballett kompo­niert werde, also nicht als Choreo­grafie zu älteren Stücken geschaffen. Am 17. Oktober 1761 wurde in Wien das Ballett Don Juan urauf­ge­führt. 1786 sollte Mozart in seiner Opera buffa Le nozze di Figaro auf den Fandango, ein spani­scher Singtanz, zurück­greifen. Durch die Jahrhun­derte hindurch bleiben jedoch bestimmte Elemente erhalten, die es ermög­lichen, die Figur trotz aller Wandlungen wieder­zu­er­kennen, und die dem Don Juan zugleich einen mythi­schen Status verleihen. Zu diesen wieder­keh­renden Konstanten zählen neben tausenden von Liebschaften, ohne die Don Juan nicht sein kann, die Verführung einer hochste­henden Dame und das Duell mit ihrem Vater, Onkel, Ehemann oder einem anderen männlichen Verwandten, das für diesen tödlich endet. Auch die Tatsache, dass Don Juan mit Frauen aus allen Schichten verkehrt, gehört dazu und wird im 17. und 18. Jahrhundert oft dadurch vor Augen geführt, dass Don Juan eine Bauern­hochzeit zu sprengen droht, indem er sich an die Braut heran­macht. Das Verspotten der Statue des von ihm im Zweikampf getöteten Komtur, den Don Juan zu sich zum Gastmahl lädt, das Auftauchen dieses sogenannten steinernen Gastes und dessen Einladung an Don Juan, seiner­seits bei ihm zu speisen, sowie Don Juans Weigerung, sich zu ändern und seine abschlie­ßende Höllen­fahrt sind weitere Bestand­teile des Mythos.

Die aus München stammende Schau­spie­lerin Jutta Speidel liest zu der Ballett­musik ausge­wählte Passagen aus Don-Juan-Texten von Gasparo Angiolini, Lorenzo Da Ponte, Tirso de Molina, Christian Dietrich Grabbe, E. T. A. Hoffmann und Molière und schafft es, mit facet­ten­reichem Ausdruck und starker Dekla­mation einen Kontra­punkt zu der teils schmei­chelnden, teils aufbrau­senden Musik Glucks zu setzen. Das Orchester des Gärtner­platz­theaters unter der Leitung von Anthony Bramall spielt die wunderbare Ballett­musik in Kammer­mu­sik­be­setzung. Bramall zeigt hier mal wieder seine große Vielsei­tigkeit. Mit viel Leiden­schaft erweckt er dieses musika­lische Kleinod von Gluck zu einem großen, anrüh­renden Stück, das wunderbar mit der Sprache Speidels alter­niert. Ist der Hinter­grund des Gärtner­platz­theaters in ein dunkles Blau getaucht, so wandelt sich die Farbe zum großen Finale in ein leuch­tendes Rot, ein schöner und passender Effekt. Nach knapp einer Stunde ist es leider schon vorbei, doch das Konzert macht Lust auf mehr „Sinfo­nische Lyrik“.

Andreas H. Hölscher

Teilen Sie O-Ton mit anderen: