O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Bildschirmfoto

Reality-TV im Musikgeschäft

DAS MUSIKGESCHÄFT
(Neo Hülcker)

Gesehen am
14. Februar 2021
(Premiere/​Livestream)

 

Radial­system Berlin

Wie im echten Leben ist das kleine Musik­ge­schäft aufgebaut – eine Laden­theke, diverse Instru­mente, von Block­flöten über Saxofone bis zu exoti­schen E‑Gitarreneinzelstücken – alles, was das Herz eines Musikers höher­schlagen lässt. Und passge­recht zur aktuellen Tendenz:  Tele-Shopping. Die ersten Versuche des Moderators Armin Wieser sind noch etwas holprig und steif, aber beim vierten Mal funktio­nieren Natür­lichkeit und Enthu­si­asmus ganz gut und es wird der erste Artikel angepriesen – eine Mundhar­monika für zehn Euro. Kein einziger Anruf.  Für die nächsten Artikel gibt es schon mal einige Käufer, die Hoffnung auf größere Geschäfte steigt. Auch eine Büste in 3D-Druck der Kompo­nistin Olga Neuwirth in grellem Pink wird vom Tisch weg für 79,80 Euro plus Versand wegge­schnappt. Und so startet der Tag im Musik­ge­schäft. Um sicher zu gehen, dass es täglich dann doch Einnahmen gibt, ist der Laden an einen Paket­dienst angegliedert – es wird eifrig einge­liefert und abgeholt.

Bildschirmfoto

Im Laufe des Tages kommen vollkommen unter­schied­liche Kunden vorbei: Da ist der kleine Junge, der wie ein Teufel gekonnt auf dem Schlagzeug loslegt – im echten Leben David Nemtsov, 10 Jahre alt, den Namen sollte man sich merken. Eine Girl-Metal-Band probiert sich im Verstärker-Testraum im Keller an diversen Gitarren. Gender­neutral gibt „Die Boss“ Heinrich Horwitz Anwei­sungen an die gute Seele des Ladens, Armin Wieser. Die Klari­net­tistin Carola Schaal schneit aufgeregt herein und sucht ein neues Mundstück für ihr Instrument für eine gleich begin­nende Aufnahme. Eine Kundin kommt rein, Hände werden desin­fi­ziert und sie wird von Armin argwöh­nisch beäugt. Obwohl mit Maske, wird sie als die berühmte Chanteuse Valerie Renay erkannt. Sie probiert diverse Instru­mente aus. Im Hinter­grund wird geflüstert „ob sie ein Video mit uns machen würde?“ oder „Let’s do it!“. Mit dem „Dominion Synth“ wird also ein Video gedreht. Valerie beschreibt den Synth. Eine Kirchen­mu­si­kerin braucht 30 Block­flöten aus Holz – die müssen bestellt werden. Ein Mann probiert ein Saxofon aus und stiehlt es unter seinem Sakko. Aller­dings wird der Diebstahl im letzten Tele-Shopping-Einsatz des Tages ausge­rufen und die Zuschauer werden gebeten, Hinweise zu geben. Was dann auch klappt.

Es wird die Realität haargenau nachgebaut – wer große Musik zu hören erwartet, wird enttäuscht. Hier werden diverse Instru­mente auf Ton und Timbre geprüft – es wird gezupft, gestrichen, geklopft, gekratzt und stumm gespielt. Dazu kommen noch die total banalen Töne des Abreißens von Packbändern, das Aufschneiden von Paketen. Es wird auch ein „Unboxing-Video“ gedreht – ein Hohner-Akkordeon wird ausge­packt und die verschie­denen „Features“ vorge­führt. Die Boss fragt „Hat es Dir Spass gemacht?“. „Ja, total“ ist die Antwort, als wäre gerade ein orgias­ti­scher Sexakt vollzogen. In der Repara­tu­recke widmet sich eine junge Frau den meist elektro­ni­schen Problemen und erstellt ganz nebenbei neue Instrumente.

Das Musik­ge­schäft wird auf der Bühne des Berliner Radial­systems ohne Publikum aufgebaut und vorge­tragen.  In diesem Fall für den Zuschauer ein Glücksfall, da das intime Soziotop des Ladens viel besser – weil näher aufge­nommen – vermittelt werden kann. Auch wenn es Längen gibt – die Vorstellung dauert knapp über drei ununter­bro­chene Stunden lang – so gibt sie Einblicke in ein sehr mensch­liches Geschäft: Hier kommen Kunden mit gloriosen Plänen und hochgrei­fende Zielen, verfallen in Nostalgie und Erinne­rungen und finden Trost, Antworten und Hoffnung. Es gibt nur zwei Livestreams, am 13. und 14. Februar. Es ist zu hoffen, dass es weitere Livestreams oder sogar Live-Auffüh­rungen geben wird.

Zenaida des Aubris

Teilen Sie O-Ton mit anderen: