O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Zauberin im Krieg

RINALDO
(Georg Friedrich Händel)

Besuch am
4. Juni 2021
(General­probe)

 

Junges Forum Musik und Theater, Hamburg

Händel schrieb Rinaldo in seiner Londoner Zeit 1717, eine zweite, gestraffte Fassung erschien ebendort 1731. Das Buch basiert auf dem Epos von Torquato Tasso und beinhaltet Erzäh­lungen um die Zeit der Kreuzzüge sowie die Belagerung Jerusalems. Auch nicht wenig Zauberei kommt vor. Das Textbuch ist jeweils in großer Eile von verschie­denen Textdichtern verant­wortet worden. Wie in der Zeit üblich verwendet Händel in seinen Arien wiederholt schon zu anderen Anlässen geschriebene Musik.

Der Regisseur und Lehrstuhl­in­haber für szenisch-musika­li­schen Unter­richt an der Hochschule für Musik und Theater (HfMT) in Hamburg, Christian Poewe, ist selbst ausge­bil­deter Schau­spieler und seit Jahren Opern­re­gisseur. Mit Poewe zusammen hat das Team eine eigene, freie Fassung erarbeitet. Für Poewe ist das auch deshalb legitim, weil die Musik keinen direkten Bezug zur Handlung nimmt, sondern vielmehr in gewis­ser­maßen emotio­nalen Inseln die Gefühle wahrhaftig in den Arien und Ensembles zum Ausdruck kommen.

Krieg bedeutet hier Tod, auch auf dem „… Schlachtfeld der Seele …“. Deshalb sind in dieser Bühnen­version der Hochschule auch alle zu Beginn des Stücks außer Rinaldo bereits gestorben. Rinaldo versucht wie Orpheus seine Liebe zu Almirena wieder­zu­er­langen. Die weiteren Personen der Handlung, die wieder aufer­stehen, kehren als Rinaldos Traumata zurück: der christ­liche Goffredo als Kriegs­treiber, der saraze­nische König Argante als Neben­buhler und die Zauberin Armida als weiteres Hindernis. Die Symbole sind wirkmächtig und klar: Alle Toten tragen ein großes, rotes Kreuz ins Gesicht gemalt.

Die Bühne von Anna Brand­stätter stellt raumfül­lende Holzver­schläge dar, in denen sich die Akteure wie in unüber­sicht­licher Kriegs­handlung zurecht­finden müssen. Der Raum wirkt wie zerstörte Behau­sungen und gleich­zeitig verstellt er Wege und Sicht der am Krieg teilneh­menden Parteien. Die jungen Sänger können sich dabei immerhin äußerst gelenkig zwischen den Ebenen bewegen.

Die Kostüme von Jana Mehner und Katrin Unger fangen spiele­risch wirkungsvoll die für die Akteure typischen Charak­te­ri­sie­rungs­merkmale ein. Die zarte Amirena erscheint in unschul­digem, einem Braut­kleid entlehntem Weiß, Rinaldo und Goffredo agieren in einer Ausrüs­tungs­montur des Krieges. Zauberin Armida und der ihr später naheste­hende Argante erscheinen in schwarzer Montur mit Leder­ele­menten und nicht geringer Federpracht.

Die wiederholt einge­blen­deten Video­se­quenzen zeigen Flucht- und Tötungs­szenen und machen bewusst, dass wir uns in einer trauma­ti­sierten Nachkriegswelt befinden.

Eine General­probe erlaubt fairer­weise noch nicht eine abschlie­ßende Würdigung der musika­li­schen Leistung der Sänger und Instru­men­ta­listen. Gleichwohl kommt klar zum Ausdruck, dass man mit sehr hohen Erwar­tungen der Premiere am 6. Juni entge­gen­sehen kann.

Foto © Christian Enger

Nora Kazemieh als Rinaldo gestaltet ihren Part mit bezwin­gendem Ausdruck und perfekter Stimm­führung. Ihre hohe gesang­liche Konzen­tration macht sie zu einer traum­ver­lo­renen, orphe­us­gleichen Erscheinung, die jeden Weg zu ihrer geliebten Amirena zu gehen bereit ist.

Lanlan Zhang als Almirena vermag in der Zartheit und Verletz­lichkeit des Ausdrucks zu bezaubern. Auch bei ihr überzeugen bei aller Virtuo­sität die Ausstrahlung von Ruhe und Konzen­tration ihrer überzeu­genden Stimme. Gebannt folgt der Zuhörer der Anmut ihrer Ausstrahlung.

Die Zauberin Armida der Vlada Shcha­vinska bringt durch ihren fulmi­nanten darstel­le­ri­schen und gesang­lichen Auftritt eine wirkungs­volle wütende Zauberin zur Darstellung. Sie weiß in expres­siver Pose als wirkmächtige Herrscherin aus dem Zwischen­reich zu überzeugen.

Laurence Kalaidjian – in der voran­ge­gan­genen Rheingold-Produktion ein überzeu­gender Wotan – kann als saraze­ni­scher Kriegsherr in dieser Produktion in einem ganz anderen Stimmfach brillieren. Sein diszi­pli­nierter Bariton wird auch den anspruchs­vollen Kolora­turen gerecht. Ein fanta­sie­volles Kostüm mit reichlich Feder­pracht rundet die kraft­volle Krieger­figur wirkungsvoll ab.

Granit Musliu als christ­licher Anführer Goffredo besticht durch seine überzeugend und wirkungsvoll geführte Tenor­stimme sowie seine darstel­le­risch zuneh­mende und einfühlsame Zuwendung zu Rinaldo.

Feng Sun beweist in den Partien von Mago und Araldo komödi­an­ti­sches Geschick. Auch bei ihm gibt es eine stupende stimm­liche und darstel­le­rische Wandlungs­fä­higkeit, nachdem er im Rheingold immerhin die gewaltige Partie des Alberich so gekonnt vertreten hat.

Die Hamburger Sympho­niker wissen mit 20 Musikern, unter anderem auch in den instru­men­talen Solopartien, wirkungsvoll die farben­prächtige und fanta­sie­volle Barockwelt der Händel­schen Musik zum Klingen zu bringen.

Die musika­lische Leitung liegt in den bewährten Händen von Willem Wetzel, Professor an der HfMT Hamburg für Musika­lische Leitung in der Opern­klasse. Er dirigiert auch an der Oper Stuttgart und ist im künst­le­ri­schen Beirat der neu gegrün­deten European Opera Academy.

Ein wenig kann man sich in Hamburg gerade wie in einer Händel­stadt fühlen. Einer­seits wird die Insze­nierung der HfMT im Juni im Forum der Musik­hoch­schule gezeigt, gleich­zeitig kann man auch in der Hambur­gi­schen Staatsoper gerade eine sehens­werte, soeben erst heraus­ge­brachte Agrippina von Händel bewundern mit Sängern, die bereits einen längere Laufbahn absol­viert haben. Ein Vergleich kann viel Freude machen und den poten­zi­ellen Entwick­lungsweg der jungen Garde der Hochschule erahnen lassen.

Die Produktion kommt inklusive der Premiere am 6. Juni insgesamt neunmal im Juni zur Aufführung.

Achim Dombrowski

Teilen Sie O-Ton mit anderen: