O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

Musikalisches Gipfeltreffen

MEHR MUSIK – SOMMERKONZERT
(Diverse Komponisten)

Besuch am
21. Juli 2021
(Einmalige Aufführung)

 

Staats­or­chester Rheinische Philhar­monie, Rhein-Mosel-Halle, Koblenz

Als Intendant Günter Müller-Rogalla erfuhr, dass die geplante Aufnahme einer CD nicht statt­finden durfte, weil so eine Aufnahme sich ja schnell zu einem „Super­spreader-Event“ entwi­ckelt und die Zusam­men­kunft eines Orchesters aus politi­scher Sicht ohnehin suspekt zu sein scheint, entschloss er sich, das Staats­or­chester Rheinische Philhar­monie und sein Publikum wenigstens mit einem „Zückerchen“ in Form eines Konzerts in die Sommer­pause zu schicken. Aber auch Konzerte haben in diesen Tagen reichlich an Attrak­ti­vität verloren. Viele Menschen sind angesichts einer absurden Bericht­erstattung verun­si­chert, wenn nicht verängstigt, und scheuen den Gang zum kultu­rellen Ereignis, das äußerlich ohnehin mehr als Totentanz denn als belebender Kunst­genuss wirkt. Eine Bewirtung ist ebenso wie eine Pause verboten, und der einzige Unter­schied zum Besuch einer Inten­siv­station ist der Umstand, dass die Zuschauer keinen Kittel überwerfen müssen, bevor sie den Schutz­be­reich betreten. Ganz schön trist.

Die Rhein-Mosel-Halle in Koblenz ist eine typische Mehrzweck-Halle, die vom Betreiber als „zentraler Veran­stal­tungsort“ angepriesen wird und 2012 general­sa­niert wurde. Immerhin gibt es hier ausrei­chend Platz im Konzertsaal, um die Stuhl­reihen so auszu­richten, dass sich Besucher nicht mehr die Hände reichen könnten und sich wenigstens ein kleines Orchester auf der Bühne ausbreiten kann. Und Müller-Rogalla ist es gelungen, Gäste einzu­laden, die ausrei­chend Anzie­hungs­kraft auf das Publikum ausüben, um den Saal zu füllen. So tritt das Staats­or­chester an diesem Abend unter der musika­li­schen Leitung von Ulrich Kern an.

Schon bei der Ouvertüre im italie­ni­schen Stil von Franz Schubert gibt Kern die Richtung vor. Mit vollem Körper­einsatz nimmt der Erste Kapell­meister am Theater Görlitz die Musiker eng an die Hand, hat die Partitur dabei fest im Blick. Das Orchester nimmt die Lebhaf­tigkeit des Dirigats auf und stimmt sich damit schon auf die größeren folgenden Aufgaben ein.

Foto © O‑Ton

Denn einge­laden ist auch Lea Birringer. Eigentlich war sie für den Januar 2023 nach Koblenz vorge­sehen, um aus ihrem Debüt­album Di tanti palpiti vorzu­tragen. Nun kommt sie schon etwas eher nach Koblenz, um ein „Sehnsuchts­stück“ aufzu­führen. Birringer gehört zu den Solisten, die die vergan­genen anderthalb Jahre vergleichs­weise unbeschadet überstanden haben. Im vergan­genen August nahm sie in der Berliner Jesus-Christus-Kirche für Deutsch­landfunk Kultur ihr Album Trans­for­ma­tions auf, das Ende kommenden Septembers erscheinen wird und verschiedene Werke vorstellt, die sich aus der Musik Johann Sebastian Bachs entwi­ckelt haben. Davon wird später noch die Rede sein. Im nächsten Jahr wird auch schon ein weiteres Album erscheinen, auf dem sie ihr Orches­ter­debüt mit den Hofer Sympho­nikern geben wird. Darauf wird dann auch das Konzert für Violine und Orchester in e‑moll von Felix Mendelssohn Bartholdy zu hören sein, ein Werk, das Birringer seit dem elften Lebensjahr begleitet. An diesem Abend in Koblenz beweist sie, mit welcher Exzellenz sie das aus Sicht der Violine hochvir­tuose Werk beherrscht. Die Philhar­mo­niker unter­stützen sie kongenial, wenn sie nicht gerade faszi­niert dem Spiel Birringers lauschen, das mit Leich­tigkeit und Finger­fer­tigkeit begeistert, die ihres­gleichen suchen. Mit überwiegend geschlos­senen Augen durchlebt die Geigerin das Werk und lässt das Publikum so an der Faszi­nation der vier Sätze teilhaben. Hat ein Musiker gelernt, sein Instrument so weit zu beherr­schen, dass er diesen Schwie­rig­keitsgrad als beglü­ckend empfindet, was bei Birringer ganz offen­sichtlich der Fall ist, könnte er das Publikum auch mit Hänschen klein verzücken. Und so gerät das Publikum außer Rand und Band, nachdem der letzte Ton des Allegro molto vivace verklungen ist.

Foto © O‑Ton

Getragen von den Wellen der Begeis­terung entscheidet Birringer sich spontan, den dritten Satz aus der Partita Nr. 3 E‑Dur von Johannes Sebastian Bach zusätzlich vorzu­tragen, die dann auch Ausgangs­punkt ihres Albums im April kommenden Jahres sein wird. Und heute Abend schon ist klar, dass dieses Album ein Ereignis werden wird.

Nach solchem Auftritt ist es einiger­maßen schwierig, den Spannungs­bogen zu halten. Auch wenn Joseph Haydn sicher zu seiner Zeit viel Aufsehen mit seiner Sinfonie Nr. 103 erregte, die den Beinamen Mit dem Pauken­wirbel trägt, eben weil die Sinfonie damit ungewöhnlich eröffnet, dauert es eine Weile, bis die Wellen der Erregung verebben und Kern mit seinem Orchester das Publikum in den Bann der Haydn­schen Musik ziehen kann. Mit dem Finale Allegro con spirito gelingt den Musikern das, und so dürfen sie sich des verdienten Applauses gewiss sein.

Es ist immer wieder schön, wenn das Orchester nach einem solchen Konzert noch mit einer Zugabe aufwartet – in Koblenz haben sich die Besucher wohl einen Klatsch­marsch erhofft. Immerhin beschwingt geht es mit dem Militär­marsch Nr. 1 D‑Dur von Franz Schubert zu Ende. Womit der Kreis sich schließt.

Da hat das Orchester alles nur Erdenk­liche unter­nommen, um sich über die Rahmen­be­din­gungen hinweg­zu­spielen, und es ist ihm gelungen. Auch wenn es nach dem Konzert kein gesel­liges Beisam­mensein mehr gibt, gehen die Menschen erfüllt nach Hause. Trotzdem bleibt einmal mehr das mulmige Gefühl, dass die Kultur einen äußerst fragilen Zustand erreicht hat. Ob die Besucher­ströme einer vierten Welle stand­halten, die der Bundes­ge­sund­heits­mi­nister schon mal rheto­risch für den kommenden Herbst vorbe­reitet, scheint immer fragwürdiger.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: