O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Carl Brunn

Schönheit als klingende Dauerschleife

DIE SCHÖNE UND DAS BIEST
(Philip Glass)

Besuch am
26. August 2021
(Premiere)

 

Theater Aachen

Zwei Mal fielen die Premieren unmit­telbar nach den General­proben den zurück­lie­genden Lockdowns zum Opfer. Im dritten Anlauf geht jetzt alles glatt. Mit ihrer überschau­baren Besetzung und ihrem kleinen Orchester bietet sich Philip Glass‘ Oper Die Schöne und das Biest in diesen unsicheren Zeiten geradezu an, auch wenn das Stück lange vor der Pandemie geplant war. Mit Reinhild Hoffmann hat man eine Regis­seurin gewonnen, die vor allem als Choreo­grafin Kult-Status genießt. Auch wenn in der handlungs­armen Oper nicht getanzt wird, schlagen sich die tänze­ri­schen Erfah­rungen der Ikone in einer präzisen und detail­liert ausge­ar­bei­teten Perso­nen­führung positiv nieder.

Aller­dings ist Philip Glass kein Meister der Stimm­be­handlung. Dadurch kann vor allem Fanny Lustaud in der titel­ge­benden Rolle der La Belle ihren schönen, warmen Mezzo nur weit unter ihren Möglich­keiten zur Geltung bringen. Den musika­li­schen Ton gibt halt das Orchester an. Und das ergeht sich in einer 90-minütigen Dauer­schlaufe minima­lis­ti­scher, mecha­nisch abspu­lender Motiv­fetzen. Eine austauschbare Klang­ku­lisse ohne engen Bezug zur Handlung und den Gesangs­stimmen. Die Stimm­führung hat Glass ohnehin synchron zu den Sprech­rollen des Films von Jean Cocteau aus dem Jahre 1946 ausge­richtet, was zwangs­läufig zu einer Drosselung der vokalen Ausdrucks­mög­lich­keiten führt. Die Orien­tierung am Film schlägt sich auch in den zahlreichen Wechseln der oft winzigen Szenen nieder. Weniger in der orches­tralen Begleitung, die in ihrer kunst­ge­werb­lichen Künst­lichkeit nur begrenzte filmmu­si­ka­lische Quali­täten aufweist.

Foto © Carl Brunn

In Reinhild Hoffmanns Insze­nierung weist nur ein Screenshot aus dem Vorspann des Films auf die enge Verknüpfung der Oper mit Cocteaus Meisterwerk hin. Das Problem der Szenen­wechsel löst Reinhild Hoffmann geschickt, indem sie mit einem Minimum an Requi­siten auskommt und die Umbauten von den Sängern selbst ausführen lässt. Inhaltlich bleibt sie der bekannten Geschichte treu, erzählt sie ohne überfrachtete psycho­lo­gische Kompli­ka­tionen: La Belle fristet in ihrem Elternhaus ein Aschen­puttel-Dasein, bis sie mit ihrer Liebe die absto­ßende Fassade des Biests zerstört und mit ihrem erlösten Traum­prinzen in eine glück­liche Zukunft schwebt.

Fanny Lustaud mit ihrer berückenden Bühnen­präsenz wirkt wie eine Ideal­be­setzung des „Aschen­puttels“, was den märchen­haften Charakter der Insze­nierung unter­stützt. Wie auch die alles andere als absto­ßende Darstellung des Biests durch den sanft agierenden und wie einen zotte­ligen Hund kostü­mierten Gastsänger Rafael Bruck. Die ohnehin schwer darstellbare Intention der Regis­seurin wird dadurch aller­dings eher vernebelt. Nämlich, dass das Fremde, Unbekannte intuitiv zu feind­lichen und angst­er­füllten Aversionen führt, ohne den Menschen und seine positiven Attribute ernsthaft wahrzu­nehmen. Ein Plädoyer der Regis­seurin gegen Ignoranz und Vorur­teile, das sich gegen die märchen­haften Elemente kaum durch­setzen kann. Was nicht nur der Insze­nierung anzulasten ist. Denn für dezidierte Psycho­gramme taugen weder Libretto noch Musik der Oper.

So darf man sich nach langer Zeit wieder an den vorzüg­lichen, in diesem Stück aber nicht überstra­pa­zierten Stimmen des Aachener Ensembles erfreuen. Neben Lustaud in der Titel­rolle sind hier noch Larissa Akbari und Irina Popova als böse Schwestern zu nennen sowie Stephen Barchi als ihr Bruder, Roman Collett als ihr Verehrer und Pawel Lawreszuk in der Rolle ihres Vaters. Und natürlich als Gast des Theater Krefeld Mönchen­gladbach der Bariton Rafael Bruck als La Bête.

Die harmlose orches­trale Dauer­be­schallung steuert Mathis Groß am Pult des Aachener Sinfo­nie­or­chesters mit profes­sio­neller Umsicht.

Freund­licher Beifall von einem dankbaren Publikum zur Aufer­stehung des Aachener Theaterlebens.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: