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Die gezeigten Bilder stammen von der Generalprobe in der ursprünglich geplanten Besetzung - Foto © Stéfan Brion

Gerettete Aufführung

ROMÉO ET JULIETTE
(Charles Gounod)

Besuch am
13. Dezember 2021
(Premiere)

 

Opéra comique, Paris

Charles Gounod gilt als der führende Komponist des drame lyrique in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhun­derts in Frank­reich. Seine Musik zeichnet sich vor allem durch ihren Melodien­reichtum und ihre feinfühlige Lyrik aus. In Roméo et Juliette, nach Faust seine bekann­teste Oper, sind es gleich vier Liebes­duette, die dieser Vorliebe des Kompo­nisten für lyrische Intimität Ausdruck verleihen. Das erste noch etwas formelle Madrigal-Duett des Kennen­lernens in der Ballszene. Das zweite, die Balkon­szene, in der die Gefühle der beiden Liebenden sich voll entfalten. Das dritte, sinnliche Duett der Liebes­nacht und schließlich das der Sterbenden. Denn die Oper folgt der seit dem 18. Jahrhundert üblichen Version, in der Juliette aus ihrem künst­lichen Todes­schlaf erwacht, bevor Romeo stirbt, um sich dann endgültig den Tod zu geben. Die Urauf­führung der Oper im Jahre 1867 wurde Gounods größter Triumph.

Für die Insze­nierung dieser Oper übernimmt der Regisseur Eric Ruf die seiner Theater­auf­führung des Shake­speare-Dramas in der Comédie Française 2015 und bearbeitet sie für die Opern­version. Die Handlung ist ins Palermo der 1950-er Jahre verlegt. Die Kulissen sind von alten Palästen kopierte, verschiebbare, riesige, hell ocker­farbene Fassa­den­teile. Juliette, man kann nur hoffen, dass sie schwin­delfrei ist, lehnt nicht an einem Balkon­ge­länder, sondern steht vier Meter hoch auf einem schmalen, baufäl­ligen Mauersims. Für die Gruft-Szene am Schluss der Oper hat sich der Regisseur von den Katakomben in Palermo inspi­rieren lassen, in denen – höchst makaber – ausge­trocknete Mumien, in barocke Pracht-Gewänder gehüllt, an die Wände gelehnt sind. Die Kostüme von Christian Lacroix sind hübsche, bunte Cocktail­kleider für die Damen und dunkle Anzüge für die Herren. Bertrand Coudercs Beleuchtung ist südlich-leuchtend. All das ergibt, gepaart mit Glysleïn Lefevers leben­diger Choreo­grafie, recht anschau­liche und erfreu­liche Bilder.

Es gibt wohl kaum eine katastro­phalere Situation für einen Opern­di­rektor, als dass am Vortag der Première der Haupt­dar­steller und am Tage der Premiere die Haupt­dar­stel­lerin Corona-positiv getestet werden. Dann noch Ersatz zu finden und die Premiere erfolg­reich über die Bühne laufen zu lassen, ist eine Wette mit der Zeit, eine Marathon­leistung der Organi­sation und ein fabel­haftes Zusam­men­wirken aller Betei­ligten. Hier ist so etwas gelungen. Auch das gehört zur Magie der Opéra Comique!

Foto © Stéfan Brion

Perrine Madoeuf, die erst am Tag der Premiere die Rolle übernehmen musste, spielt die Juliette mit jugend­licher Frische. Stimmlich ist sie anfänglich noch etwas unsicher, singt sich aber im Laufe des Abends gut in ihre Rolle hinein. Und so ist auch ihre drama­tische Arie Dieu! Quel frisson court dans mes veines? im vierten Akt, sehr beein­dru­ckend, ja, fast unheimlich. Pene Pati, der am Vorabend noch als Alfredo in La Traviata in Amsterdam auf der Bühne stand, ist vom ersten Moment an schau­spie­le­risch und vor allem stimmlich voll in der Rolle. Seine Arie Amour! Amour!, in der seine kraft­volle Brust­stimme mühelos in ein Kopfstimmen-fortissimo übergeht, trägt ihm begeis­terten Szenen­ap­plaus ein. Den hilfreichen Frère Laurent inter­pre­tiert mit tiefem Bass Patrick Bolleire. Der Komponist hat ihm eine denkwürdige Arie gewidmet: Buvez donc ce breuvage. Philippe-Nicolas Martin als Mercutio erfreut gleich zu Beginn der Oper mit der Ballade von Mab, der Lügen­kö­nigin, Mab, la reine des mensonges présides aux songes. Stimmlich sowie schau­spie­le­risch bietet uns Adele Charvet als Roméos Page Stéphano ein erfreulich heiteres Inter­mezzo mit Depuis hier je cherche en vain mon maître! Keineswegs heiter, eher gehässig und heraus­for­dernd, aber mit schöner, schnei­dender Tenor­stimme ist Yu Shaos Tybald. Jérôme Boutillier ist der würdige Graf Capulet und Marie Lenormand die wachsame Gertrude. Alle übrigen Darsteller fügen sich wirksam in das Ensemble ein. Der Chor Accentus und das Orchester der Opéra de Rouen Normandie stehen unter der bewährten Leitung von Laurent Campellone, der sowohl die lyrischen, wie auch die wuchtig-drama­ti­schen Szenen auszu­leuchten vermag.

Le malheur des uns fait le bonheur des autres! sagt man in Paris. Das Unglück der einen macht das Glück der anderen. Selten sind zwei Haupt­dar­steller in der Opéra Comique so umjubelt worden, wie an diesem Abend Pene Pati und Perrine Madoeuf. Und selten haben zwei Sänger so offen­sichtlich auf der Bühne ihre Freude darüber zum Ausdruck gebracht, diese Aufführung im aller­letzten Moment gerettet zu haben. In einer eupho­ri­schen Atmosphäre gibt es langen, nicht enden wollenden Applaus für die beiden Protago­nisten, aber auch für das gesamte Ensemble. Es zeigt sich dabei, wie sehr in dieser unsicheren Zeit das Publikum seine echte Freude zum Ausdruck zu bringen weiß, wenn eine Vorstellung nicht abgesagt werden muss.

Alexander Jordis-Lohausen

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