O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

Lange Abstinenz

ENSEMBLEKONZERT
(Diverse Komponisten)

Besuch am
2. Februar 2022
(Premiere)

 

Partika-Saal der Robert-Schumann-Hochschule, Düsseldorf

Drei Jahre liegt das letzte Ensemble-Konzert zurück. Drei Jahre sind im Leben eines Studenten eine wahnsinnig lange Zeit. Für besonders fleißige Studenten bedeutet das je nach Studi­engang drei Viertel ihrer Gesamt­stu­di­enzeit. Für die Gesangs­stu­denten an den Musik­hoch­schulen ist das besonders drama­tisch, hatten sie doch auch schon ohne die Einschrän­kungen durch die Regierung im regulären Studium zu wenig Auftritte. Deshalb hat Thomas Gabrisch, Leiter der Opern­klasse an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf, die erste Gelegenheit genutzt, erneut ein Ensemble-Konzert im Partika-Saal, dem Konzertsaal der Musik­hoch­schule aufzu­führen. Eigentlich bereiten sich die Studenten in der Opern­klasse auf musik­thea­tra­lische Gesamt­auf­füh­rungen vor. Aber jetzt geht es Gabrisch vordringlich darum, möglichst vielen der jungen Leute erst mal überhaupt wieder eine Auftritts­mög­lichkeit zu geben. Und da ist so ein Ensemble-Konzert eine schöne Sache. Dass maximal 50 Gäste in den Partika-Saal dürfen, muss man dabei einfach in Kauf nehmen. Zwei Wochen haben die angehenden Sänger Zeit gehabt, sich unter erschwerten Bedin­gungen auf das Konzert vorzu­be­reiten. Daraus erwächst ein erheb­licher Organi­sa­ti­ons­aufwand, den die Studenten selbst bewältigt haben. „Die haben What’sApp-Gruppen für die einzelnen Ensembles gegründet und waren damit hochgradig flexibel“, erzählt Gabrisch.

Lina Wagner, Eetu Joukainen und Luzia Ostermann – Foto © O‑Ton

Das Konzert findet unter einfachsten Bedin­gungen statt. Es reicht in der Organi­sation des Hochschul­be­triebs nicht einmal, die Schein­werfer in Betrieb zu nehmen. Die Sänger lassen sich davon überhaupt nicht beein­drucken. Haben für das Konzert einen Ablauf entwi­ckelt. Auf- und Abtritte, Positi­ons­wechsel, kleinere Geschichten sorgen für Abwechslung. Es ist grandios. Neuig­keiten darf man aller­dings hier nicht erwarten, schließlich haben die Studenten erst mal das Reper­toire zu erlernen. Da kann man mal ganz locker mit dem Sextett aus Così fan tutte von Wolfgang Amadeus Mozart beginnen. Gabrisch übernimmt wie in den folgenden Ensembles auch die Anmode­ration. Da erfährt das Publikum von der Ausgangs­si­tuation ebenso wie von den folgenden Ereig­nissen. Mangels Mikrofon gerade mal so, aber es funktio­niert. Übertitel gibt es selbst­ver­ständlich nicht. Die sind ja auch vollkommen überflüssig, weil die Sänger sich bemühen, Gefühle eher als Inhalte zu vermitteln, mit Körper­sprache und Intonation die Geschichten zu erzählen, so, wie sie es – hoffentlich – gerade lernen. Und das gelingt in weiten Teilen wunderbar.

Nach dem Terzett aus La clemenza di Tito, in dem Eetu Joukainen neben Lara Grote und Thomas Büscher aufleuchtet, wird das Finale des ersten Akts aus Don Giovanni darge­boten. Ein Fest der Gesangs­klasse von Konrad Jarnot. Ein Zeichen für die Verbun­denheit zu „ihrer“ Opern­klasse gibt Katharina Woesner, die als Alumna zu Gast ist, um Donna Anna zu singen. George Clark als Don Giovanni steht ebenso kurz vor dem Ende seines Studiums wie Tomas Kildisius, der hier den Leporello gibt. Noch im Bachelor-Studium begeistert Luiza Bardan als Zerlina mit Spiel­freude und himmel­blauem Kleid. Ilja Aksionov als Ottavio, Pauline Asmuth als Elvira und Büscher als Masetto vervoll­stän­digen den großen Auftritt, letzterer aus der Klasse von Ludwig Grabmeier. Hier übernimmt Gabrisch die Klavier­be­gleitung, für die zunächst Indira Farabi zuständig war und noch einmal im Schluss­ensemble sein wird.

George Clark und Luiza BardanFoto © O‑Ton

Und damit ist es dann auch mal gut mit Mozart. Mit dem Quartett aus dem dritten Akt der Bohème von Giacomo Puccini gibt es schon mal einen Ausblick auf kommende Ereig­nisse. Denn im April wird es nach langer Pause endlich wieder eine Opern­auf­führung geben. Regisseur Ansgar Weigner, dessen Arbeiten Don Pasquale und Rusalka derzeit am Theater Krefeld Mönchen­gladbach zu erleben sind, hat sich bereit erklärt, die szenische Arbeit zu übernehmen. Wer dann aller­dings der Mimì Ausdruck und Persön­lichkeit verleiht, will Gabrisch noch nicht verraten. Die heutige Besetzung mit Daeun Cheong ist auch nicht als Hinweis zu verstehen. Ob Julia Marszal­kowski als Musetta, Jakob Klein­schrot als Rodolfo oder Tomas Kildisius als Marcello zu hören sein werden, bleibt ebenfalls Geheimnis. Weniger geheim­nisvoll als märchenhaft geht es im nächsten Terzett zu, wenn das dritte Bild aus Engelbert Humper­dincks Hänsel und Gretel gezeigt wird. Viel Spaß bereitet Joukainen ohne Kostüm als Hexe, auch Lina Wagner, wie Cheong aus der Klasse von Sophia Bart, als Gretel und Luzia Ostermann, die unter den Fittichen von Anja Paulus steht, als Hänsel zeigen sich von ihrer besten Seite.

Nach diesem Vergnügen ist der eigent­liche Glanz­punkt des Konzerts an der Reihe. Die Studenten haben sich Eugen Onegin von Pjotr Iljitsch Tschai­kowsky gewünscht – auf Russisch. Dabei gab es keinen Sprach­coach, sondern die russisch­spra­chigen Sänger haben ihre Kommi­li­tonen einge­ar­beitet. Die Qualität der Bemühungen werden die wenigsten im Publikum tatsächlich beurteilen können, aber allein der zusätz­liche, freiwillige Arbeits­aufwand nötigt doch erheb­lichen Respekt ab. Er unter­streicht einmal mehr die Einsatz­freude, die an diesem Nachmittag allge­gen­wärtig ist. Insbe­sondere Julia Wirth, ebenfalls Jarnot-Schülerin, kann – ganz ohne sprach­liche Vorkennt­nisse – als Tatjana in der Brief­szene glänzen. Dem opulenten Auftritt folgt das ganz große Ensemble der Schlussfuge aus Giuseppe Verdis Falstaff. Hier kommen auch Kim Holtappels, George Gamal, beide in der Klasse von Jarnot, Marlene Unter­fenger aus der Klasse von Paulus, Forma Dimas Saputro unter den Fittichen von Laske und Vincent Kepser als Schüler von Ursula Hesse von den Steinen zum Einsatz.

Das überwiegend ältere Publikum – wer hat schon am Mittwoch­nach­mittag Zeit? – darunter etliche Chorsänger, ist schier begeistert ob der Leistungen der jungen Menschen, die sich von vielen, vor allem coronabe­dingten Erschwer­nissen im Studium nicht von ihrem Traum abbringen lassen. Heute Nachmittag gibt es schon jede Menge Stimmen, von denen man sich vorstellen kann, sie später einmal auf den Opern­bühnen wieder zu hören. Am kommenden Samstag­nach­mittag findet das Konzert in leicht verän­derter Besetzung noch einmal statt.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: